Dr. Safi Hazzan über die Volkskrankheit Kopfschmerz

Dr. Safi Hazzan möchte als Neurologe seine Patienten ganzheitlich behandeln. "Gerade für Kopfschmerz-Patienten ist eine individuelle Therapie wichtig", sagt der Mediziner.
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Dr. Safi Hazzan möchte als Neurologe seine Patienten ganzheitlich behandeln. "Gerade für Kopfschmerz-Patienten ist eine individuelle Therapie wichtig", sagt der Mediziner.

Interview der Woche: Dr. Safi Hazzan leitet das Präventionszentrum Kopfschmerz Bergisches Land. Der RGA sprach mit ihm über die Volkskrankheit.

Herr Hazzan, als Neurologe treffen Sie täglich auf eine Menge Patienten mit verschiedensten Arten von Kopfschmerz. Wie differenzieren Sie bei der ersten Begegnung, um später die passende Therapie vorschlagen zu können?

Hazzan: Es geht gerade beim Thema Kopfschmerz darum, den Menschen ganzheitlich zu betrachten. Zuerst einmal ist mir deshalb das persönliche Gespräch sehr wichtig. Denn bevor es an die Apparate-Medizin geht, die wir natürlich für die exakte Diagnostik brauchen, muss ich als Mediziner einiges wissen: zum Beispiel, wie sich der Kopfschmerz anfühlt, wie häufig er auftritt. Aber ich benötige auch Informationen über das Lebensumfeld des Menschen, wie schläft er nachts, hat er persönlichen Stress, und so weiter.

Aber bei dem Zeitdruck, über den Allgemein- und Fachärzte häufig klagen, wird es doch sicher schwer, sich viel Zeit für den Einzelnen zu nehmen.

Hazzan: Es bleibt oft nicht so viel Zeit wie wir es uns wünschen würden. Deshalb appelliere ich bei meinen Vorträgen auch immer an die Patienten, sich vor dem ersten Besuch genau zurecht zu legen, was sie dem Arzt sagen möchten, nicht zu untertreiben, wenn sie auch gerade beschwerdefrei sind. Zudem sollten sie vorherige Befunde mitbringen und wissen, welche Medikamente sie regelmäßig nehmen. Es sollte schon eine Art Team-Arbeit zwischen Arzt und Patient sein.

Welche Kopfschmerz-Arten begegnen Ihnen am häufigsten?

Hazzan: Der Spannungskopfschmerz, den die Patienten wie einen Ring beschreiben, der sich um den Kopf zieht. Häufig tritt er auf, weil die Menschen auch ansonsten verspannt sind, Stress haben, sich zu wenig bewegen. Dann natürlich die Migräne. Charakteristisch dafür sind der Schmerz auf einer Kopf-Seite, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen und manchmal auch Vorboten oder Begleiterscheinungen wie Sehstörungen. Dann gibt es den von den Patienten als äußerst unangenehm empfundenen Clusterkopfschmerz, der auch als "Dämon-Kopfschmerz" bezeichnet wird. Häufig tritt der sehr intensive Schmerz hinter dem Auge nachts auf, was wiederum zu massiven Schlafstörungen führt. Oft ein Teufelskreis aus Schlaflosigkeit und Schmerz.

Zu einem Teufelskreis kann ja auch die Medikamentengabe bei Kopfschmerzen werden. Führen nicht ständig eingenommene Schmerzmittel manchmal sogar zu mehr Kopfschmerzen?

Hazzan: Das kann passieren. Wir haben es dann mit so genannten Mischformen zu tun, die besonders bei Patienten mit jahrelanger Leidensgeschichte auftreten. Deshalb ist es bei Kopfschmerz wichtig, individuell zu behandeln.

Welche Möglichkeiten bietet die moderne Medizin außer der medikamentösen Therapie?

Hazzan: Nach der genauen Diagnose gilt es natürlich immer zuerst, den akuten Schmerz zu eliminieren. Das geschieht meist mit gezielter Medikation. Zusätzlich gibt es aber viele gute Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern. Da gibt es zum Beispiel die Botox-Behandlung bei Migräne, die Sauerstoffinhalation bei Clusterkopfschmerz oder bestimmte Entspannungstechniken. Eine ganz neue Methode ist die SPG-Stimulation, bei der ein Neurostimulator operativ unter die Haut des Zahnfleisches gepflanzt wird. Bei der Neurostimulation bewirken, im Gegensatz zu chemischen Substanzen, elektrische Ströme eine Art Betäubung. Neu ist auch ein spezielles Computer-Programm, das die Möglichkeit einer Verhaltenstherapie im Internet bietet. Kopfschmerz hat sehr oft psychische Ursachen. In Zeiten überfüllter psychologischer Praxen ist das für manche Menschen vielleicht eine Alternative.

Was ist Ihr Ziel, vor allem für Kopfschmerz-Geplagte, die schon eine jahrelange Odyssee hinter sich haben?

Hazzan: Vor allem geht es darum, ihnen Wohlbefinden zu verschaffen. Es gibt sicher Krankheitsbilder, die wir vollständig heilen können. Andere vielleicht nicht. Aber auch diese Patienten möchte ich gut durchs Leben bringen - möglichst schmerzfrei.

ZUR PERSON UND ZUM VORTRAG

PERSON UND TÄTIGKEIT Der 53-jährige Diplom-Mediziner Safi Hazzan betreibt neurologische Praxen in Remscheid und Düsseldorf. Im Rahmen des "Präventionszentrums Kopfschmerz Bergisches Land" informiert Hazzan regelmäßig in der Region mit Vorträgen über das Thema Kopfschmerz, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten. "Es gibt eine Vielzahl von chronischen Kopfschmerzen", sagt Hazzan. "Dazu zählen unter anderem chronische Migräne, Clusterkopfschmerz, Kopfschmerzen durch Halswirbelsäulenbeschwerden, Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerzen bei internistischen oder Hirnerkrankungen. Auch psychische Erkrankungen können als Ursache oder als Folge der Kopfschmerzattacken auftreten", sagt der Mediziner. Insgesamt rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland klagen regelmäßig über die verschiedensten Arten von Kopfschmerzen,etwa 100 000 sind von Clusterkopfschmerzen betroffen.

VORTRAG Am morgigen Dienstag, 26. November, um 19 Uhr hält Dr. Safi Hazzan einen Vortrag zum Thema Kopfschmerz im Hotel Remscheider Hof, Bismarckstraße 39. Das Team des Präventionszentrum bittet um vorherige Anmeldung unter Tel.: 02 11/3 02 00 60. Die Teilnahme ist kostenfrei.

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