Konzert

Sänger und Musiker glänzen mit „Elias“

Der Mozart-Chor mit Solisten und die Bergischen Symphoniker begeisterten rund 400 Zuhörer in der Lutherkirche.
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Der Mozart-Chor mit Solisten und die Bergischen Symphoniker begeisterten rund 400 Zuhörer in der Lutherkirche.

Unter Leitung von Christoph Spengler führten Mozart-Chor und Bergische Symphoniker Mendelssohns Werk in der Lutherkirche auf.

Von Daniel Diekhans

Dramatik pur gab es am Samstagabend in der Lutherkirche zu hören. Mit seinem Mozart-Chor und den Bergischen Symphonikern führte Kirchenmusikdirektor Christoph Spengler ein Hauptwerk der romantischen Kirchenmusik auf - Mendelssohns „Elias“-Oratorium. Die Aufführung mit insgesamt 110 Beteiligten lockte 400 Zuhörer, die sich auf Kirchenbänke und Galerie verteilten. Dass Sänger wie Musiker in schlichtem Schwarz auftraten, hing sicher auch mit dem Anlass der Aufführung zusammen: Einen Tag vor dem Konzert, am 4. November, hatte sich Mendelssohns Todestag zum 175. Mal gejährt.

In seiner Rede erinnerte Pfarrer Axel Mersmann an den Komponisten, der mit gerade einmal 38 Jahren starb. Der frühe Tod führte dazu, dass schon die deutsche Uraufführung der endgültigen „Elias“-Fassung 1847 zu einer „Gedächtnisfeier“ wurde. Das Oratorium, resümierte Mersmann, wolle „gesungenes Gebet“ sein und zugleich mit „geballter Atmosphäre“ das Wirken des Propheten Elias lebendig machen.

Dieses Spannungsverhältnis brachte Christoph Scheeben mit seinem fein nuancierten Bass zum Ausdruck. Im ersten Teil des Werks hörte man ihn abwechselnd grollen und jauchzen, im zweiten Teil kamen weitere stimmliche Facetten hinzu - bis hin zu einem tief seufzenden „Es ist genug!“. Denn in Mendelssohns Elias-Figur zeigt sich „fast schon ein Zeitgenosse“ (Mersmann), der an sich und seiner göttlichen Mission immer wieder auch zweifelt.

Dafür trat der Solist mit Verve in den Dialog mit dem 70-köpfigen Sängerensemble, das - nicht anders als der Chor in Bachs Passionen - ganz unterschiedliche Rollen ausfüllte. „Hilf, Herr!“ flehten die Choristen, als sie sich gleich zu Beginn zum Sprachrohr der Israeliten machten. Diese Expressivität wurde auch in den folgenden „Volksszenen“ erreicht. Überzeugend gestaltet war auch die Auseinandersetzung zwischen heidnischer Vielgötterei und dem Glauben an einen Gott. Sängerinnen und Sänger trugen die fanfarenartige Melodie der „Propheten Baals“ vor, auf die Scheeben als Elias mit spöttischen Einwürfen („Rufet lauter!“) antwortete.

Seinen Sinn für dramatische Steigerungen in Tempo und Lautstärke bewies der Chor, wenn er die Naturgewalten von „Sturmwind, Erdbeben und Feuer“ heraufbeschwor. Diese Stimmkraft belebte auch das Finale, in dem die Ankunft des Messias angekündigt wird - ein episch dahinströmender Ausklang, mit dem der Komponist eine Brücke zwischen Altem und Neuem Testament schlägt.

Ob Engelsterzett oder Könige von Israel - neben Scheeben hatten auch die übrigen Solisten den Rollenwechsel zu meistern. Judith Hoffmanns höhensicherer Sopran war dieser Aufgabe ebenso gewachsen wie die klare, warm timbrierte Altstimme von Bettina Schaeffer. Mit seinem vollen Organ machte Tenor Thomas Heyer nicht nur solistisch, sondern auch im Dialog mit Scheebens Bass eine gute Figur.

Tenor Thomas Heyer sprang nur einen Tag zuvor ein

Souverän interpretierten die Bergischen Symphoniker die anspruchsvollen Harmonien, die den Orchesterpart des „Elias“ auszeichnen. Die Flexibilität der Musiker zeigte sich beim Wechselspiel von Laut und Leise, das besonders die Blechbläser und Schlagzeuger forderte.

Als der Dirigent nach gut zwei Stunden seinen Stab endgültig senkte, war das warm eingepackte Publikum im Nu auf den Beinen, kannte der Applaus keine Grenzen mehr. Ein Pulk von Besuchern umringte Spengler, um ihn zu beglückwünschen. Pfarrer Mersmann freute sich derweil über die Bereitschaft von Thomas Heyer, einen Tag vor dem Konzert für den ursprünglich vorgesehenen Johannes Mang einzuspringen - und damit die „Elias“-Aufführung zu retten.

Ein großes Chorwerk gibt es auch beim 4. Philharmonischen Konzert im Teo Otto Theater zu hören. Am 23. November führt der Chor der Bergischen Symphoniker Mozarts Requiem auf.

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