Ausstellung

Rupert Warren lässt Grenzen verschwimmen

Rupert Warren mit „Pettigo High Street“ im Treppenhaus der Bibliothek. Die Serie „Irische Grenze“ liegt ihm besonders am Herzen. Foto: Doro Siewert
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Rupert Warren mit „Pettigo High Street“ im Treppenhaus der Bibliothek. Die Serie „Irische Grenze“ liegt ihm besonders am Herzen.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Fotograf stellt unter dem Titel „Raumwahrnehmung“ bis 30. April drei Serien in der Zentralbibliothek aus.

Remscheid. Dort, wo früher Soldaten in einem Busch hockten und die Grenzbrücke verteidigten, wartete der Remscheider Fotokünstler Rupert Warren (58) auf das goldene Licht der Dezember-Abendsonne. Denn die Brücke der Pettigo High Street war einst die Grenze zwischen der Republik Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland, der Fluss teilte die beiden Länder. „Während ich dort wartete, haben mich die Menschen auf der einen Seite zu einer Suppe eingeladen und auf der anderen Seite zu einem Kaffee“, erzählt der Fotograf, der mit den Menschen ins Gespräch kam. Auch heute, da die etwa 300 Übergänge zwischen den Ländern wieder offen passierbar sind, ist die einstige Teilung noch spürbar – mit teils kuriosen Ausprägungen. „Auf der einen Seite der Brücke bezahlen die Menschen mit Euro, auf der anderen mit Pfund. Sie haben zwei Portemonnaies.“ Dennoch lebten die Menschen auf beiden Seiten friedlich zusammen.

Rupert Warren hatte Glück: Die Abendsonne tauchte Brücke, Wasser und Häuser in ein besonderes Licht. Zehn Fotos nahm er an der Pettigo High Street auf – und legte sie eine Woche später zu Hause in Remscheid übereinander. So entstand die warren-typische Raumwahrnehmung: „Aus Fragmenten entsteht plötzlich etwas ganz Neues.“ Denn jedes seiner Bilder zeigt Orte in einer verdichteten Komposition von Einzeleindrücken. Durch die Kombination von Ausschnitt, Schärfe und Belichtung verweisen Warrens Fotografien selbst auf die Vielfältigkeit der Welt. Genauso vielschichtig wie die Probleme der Region sind also auch die Bilder selbst. Wer „Pettigo High Street“ oder „Church Hill“, bei der Friedhof und Kirche von der Grenze getrennt werden, genauer betrachtet, wird auch beim zweiten und dritten Blick immer wieder etwas Neues erkennen.

Es ist ein Privileg, dass wir frei reisen können.

Rupert Warren über die Bewegungsfreiheit in der EU

Und dazu gibt es in der Zentralbibliothek ab sofort ausreichend Gelegenheit. Bis 30. April zeigt der in Simbabwe und England aufgewachsene Warren seine Fotoausstellung „Raumwahrnehmung“ in der Zentralbibliothek. Neben seiner Serie „Irische Grenze“ zeigt er dort auch zwei andere Serien. „Einmal geliebt“ stellt den Besuch in der Wohnung einer Verstorbenen dar, deren Hab und Gut aussortiert wurde. Einst vertraute Räume und Gegenstände werden plötzlich anders wahrgenommen. Zudem die Serie „Eingesperrt“, eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Lockdown. So begab sich der Remscheider auf eine Entdeckungsreise in sein eigenes Zuhause. Licht, das sich unter der Tür bricht, erscheint plötzlich wie ein Vogel im Käfig. Oder die Decke mutet kubistisch an.

Besonders am Herzen liegt dem selbstständigen Fotografen, der vor allem in den Bereichen Architektur- und Unternehmensfotografie unterwegs ist, aber die Serie „Irische Grenze“. Weil er bei der Ausstellung 2019 in der Bibliothek Werke verkaufte, konnte er in das spannende Grenzgebiet reisen. Für ihn ein doppeltes Geschenk. „Europa ist so ein toller Platz. Es ist ein Privileg, dass wir frei reisen können.“ Diese Bewegungsfreiheit sei auch inhaltlich an der irischen Grenze spürbar: „Es herrscht nur Frieden durch ein Abkommen der EU.“ Nach wie vor ein brandaktuelles Thema. Insofern seien seine Werke zwar politisch, aber nicht kritisch. „Ich brauche eine Grenze um mein Haus, aber politisch brauche ich sie nicht“, sagt er.

Der Künstler ist anwesend

Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Raumwahrnehmung“ von Rupert Warren ist ab heute und bis 30. April in der Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags und freitags 11 bis 19, mittwochs und donnerstags 11 bis 18, samstags 11 bis 13 Uhr.

Künstler-Gespräch: Rupert Warren ist an diesen Samstagen von 11 bis 13 Uhr anwesend und freut sich auf Gespräche: 26. März sowie 2., 9., 23. und 30. April.

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