„Frau Feuerwehrmann und Herr Krankenschwester“

Rollenklischees beeinflussen Jobwahl

Beim Eröffnungs-Talk sprechen Pflegefachkraft–Azubi Til Schiller, BZI-Ausbilderin zum Elektrotechniker/in Julia Filiptzyk , Annegret Calaminus vom Bildungsbüro Remscheid und Erzieher Holger Prinz (v. l. n. r.) über Rollenbilder und Berufe.
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Beim Eröffnungs-Talk sprechen Pflegefachkraft–Azubi Til Schiller, BZI-Ausbilderin zum Elektrotechniker/in Julia Filiptzyk , Annegret Calaminus vom Bildungsbüro Remscheid und Erzieher Holger Prinz (v. l. n. r.) über Rollenbilder und Berufe.

15. Jugendkonferenz in Remscheid thematisiert den Fachkräftemangel.

Von Michelle Jünger

Remscheid. „Frau Feuerwehrmann und Herr Krankenschwester“ - das war das Motto der 15. Jugendkonferenz in diesem Jahr. Im Bildungszentrum der Industrie (BZI) gingen Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, Industrie, Handwerk, aber auch seitens der Stadt an diesem Dienstag der Frage nach, inwiefern Geschlechterrollen die Berufswahl beeinflussen und wie man sie auflösen kann.

Grundsätzlich entscheiden sich junge Menschen immer seltener für eine Ausbildung. „Datenerhebungen zeigen, dass Berufe, denen eine Geschlechterrolle zugrunde liegt, stärker vom Fachkräftemangel betroffen sind“, sagt Angela Stubbe von der kommunalen Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf. Klassischerweise seien viele technische Berufe häufig als Männerdomäne angesehen. Kreative Jobs, Berufe im Gesundheits- oder Sozialwesen würden häufiger Frauen zugeschrieben.

„Die Bilder von einem Beruf beeinflussen den Jobwunsch“, sagt Sven Heidkamp, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Remscheid. Das zeige sich an den Statistiken der letzten Jahre. Die meisten Auszubildenden zum Kfz-Mechatroniker seien männlich. Bei den Frauen steht seit Jahren die Medizinische Fachangestellte ganz oben auf der Liste der ergriffenen Ausbildungsberufe.

Wenn Frauen technische Berufe ergreifen, arbeiten sie häufiger künstlerisch oder im Bereich Design als als Elektronikerin, das haben die Daten ebenfalls gezeigt. Anders herum ist nur jeder vierte Azubi im Gesundheitswesen männlich, knapp ein Drittel breche diese Ausbildung auch wieder ab, fügt Heidkamp hinzu.

Dieses Rollendenken gelte es aufzubrechen, sagt Alexander Lampe, einer der Geschäftsführer des BZI. „Das Geschlecht ist nicht das Entscheidende, sondern die Neigung“, fügt er hinzu. Umdenken und neue Chancen zu ergreifen, erfordere Mut und Offenheit. Und dazu solle die diesjährige Konferenz anregen.

Neben einem Talk zu Beginn mit einem Erzieher, einem angehenden Gesundheitsfachangestellten und einer Kfz-Mechatroniker-Meisterin sorgte Sascha Verlan von „Wort- und Klang-Küche“ für Programm. „Jeder muss an dem Aufbrechen der Rollen arbeiten. Es ist nicht allein die Sache von Schulen, von der Politik oder auch dem Elternhaus“, so Verlan. Bei Kindern und Jugendlichen sei außerdem die Medienwelt ein großer, beeinflussender Faktor. Werbung, Bilder oder Videos, soziale Medien oder Spiele transportierten häufig festgelegte Rollen, die Kinder als Weltbild schnell annähmen.

Erproben und Scheitern sollte bei der Berufswahl dazugehören

Auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssten sich umorientieren. Deswegen bestehe die Konferenz auch nicht nur aus Theorie, sondern auch aus Gruppenarbeiten. Diese solle vor allem als Anstoß dienen, um die bisherigen Denkmuster zu hinterfragen. „Diverse Teams bringen mehr Input und höheren wirtschaftlichen Erfolg“, fügte Sascha Verlan hinzu.

Zudem sollte sich jeder davon lösen, nach erwarteten Mustern agieren zu müssen. Nur weil Eltern studiert hätten, sollten die Kinder es nicht auch müssen. „Es ist auch okay, seinen eigenen Weg zu finden“, sagte Sven Heidkamp dazu. Manchmal brauche es eine Erprobungszeit in Form von Praktika. Manchmal müsse man aber auch Scheitern und eine Ausbildung abbrechen, um den richtigen Weg zu finden.

Jugendkonferenz

Die Jugendkonferenz in Remscheid findet jedes Jahr zu einem anderen Thema statt. Veranstaltet wird sie vom Jobcenter Remscheid in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, der Arbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit und der Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf. Die Konferenz zum Thema „Geschlechterrollen und Beruf“ sollte schon 2020 stattfinden, musste aber pandemiebedingt verschoben werden und fand so nach zwei Jahren Pause nun wieder in Präsenz statt.

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