Hohe Auszeichnung in Lennep

Röntgen-Plakette 2022 ehrt eine Weltretterin

Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya erhielt am Samstag die Röntgen-Plakette 2022. Hier ist zu sehen mit (v. l.) Prof. Dr. Gerald Antoch, Prof. Dr. Klaus Blaum, Prof. Dr. Metin Tolan, Prof. Dr. Helmut Dosch und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz.
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Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya erhielt am Samstag die Röntgen-Plakette 2022. Hier ist zu sehen mit (v. l.) Prof. Dr. Gerald Antoch, Prof. Dr. Klaus Blaum, Prof. Dr. Metin Tolan, Prof. Dr. Helmut Dosch und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya forscht an Energiequellen der Zukunft. Ohne Röntgenstrahlen würde das nicht funktionieren. Jetzt steht sie in einer Reihe mit neun Nobelpreisträgern.

Sie widmet den Preis für ihre eigene herausragende Leistung im Bereich der Röntgenforschung ihrem ehemaligen Lehrvater Prof. Werner Keune sowie ihrer Familie, die nicht dabei sein konnte: Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya (46) ist Preisträgerin der Röntgen-Plakette 2022.

Am Samstag hat die Forscherin vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin diese Würdigung ihrer bahnbrechenden Arbeiten bekommen. Dank Roldán Cuenya verstehen wir heute viel besser, was bei der Katalyse, insbesondere der Elektrokatalyse, geschieht - und wie sie für die Nutzung neuer nachhaltiger Energiequellen der Zukunft verwendet werden könnte.

Entgegen nahm Roldán Cuenya die Röntgen-Plakette 2022 aus den Händen von Prof. Dr. Gerald Antoch, neuer Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums, und von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz.
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Die spanische Forscherin ist die 107. Preisträgerin. Es ist die höchste Auszeichnung der Stadt Remscheid, die in Wissenschaftskreisen große Beachtung findet. Unter den Plaketten-Trägern finden sich neun Nobelpreisträger.

Obwohl Roldán Cuenya zu den weltweiten Top-Forschern in diesem Bereich zählt, was Festvortrag und Laudatio eindrucksvoll unterstrichen, beeindruckte die renommierte Wissenschaftlerin, die ebenso Mutter von Zwillingen ist, auch mit ihrer menschlichen Art: „Es ist für mich eine Ehre. Ich bin sehr gerührt über die Worte meines Vize-Präsidenten Herrn Blaum. Und, Herr Dosch: Sie haben mich rot gemacht.“

Die gebürtige Spanierin, bekleidet mit einem spektakulären Volantkleid in Beerenfarbe, bedankte sich damit bei den Laudatoren auf Deutsch, ihren Festvortrag hielt sie auf Englisch. Einen Tag zuvor hatte sie ihre Forschungsarbeit bereits den Schülerinnen und Schülern des Röntgen-Gymnasiums erklärt – auf Deutsch.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz sieht hierin eine große Chance, die junge Generation für Naturwissenschaften zu begeistern, wie er in seiner Begrüßung erklärte: „Ihre Auszeichnung ist aus meiner Sicht auch ein Mutmacher. Sie sind eine Mutmacherin für junge Frauen, die in der Schule so häufig gerade in den sogenannten Mint-Fächern den Jungen deutlich überlegen sind.“

Zur Verleihung in der Klosterkirche waren neben den Mitgliedern des Fördervereins, der Deutschen Röntgengesellschaft, dem Team des Deutschen Röntgen-Museums und dem Vorsitzenden des Plakettenausschusses, Prof. Dr. Metin Tolan, auch Ratsmitglieder, der SPD-Landtagsabgeordnete Sven Wolf, Kämmerer Sven Wiertz, der Kulturausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert und viele mehr gekommen. Für Musik sorgte das Streichquartett der Bergischen Symphoniker.

Röntgenstrahlen: Auch für die Forschung neuer Energiequellen unersetzlich

Auch 127 Jahre, nachdem der gebürtige Lenneper Wilhelm Conrad Röntgen eine alles verändernde Entdeckung machte, sind Röntgenstrahlen noch aktuell. Sie finden Anwendung in der Medizin, in der Archäologie, in der Kunst, in der Werkstoffprüfung. Und in der Erforschung von Energiequellen der Zukunft, dem Bereich, in dem Roldán Cuenya mit ihrem Team forscht. Ihre Arbeiten sind damit höchstaktuell.

Das machte auch Prof. Helmut Dosch vom Deutschen Elektronen Synchrotron (Desy) in seiner launigen Laudatio deutlich: Bei den Forschungen zur Elektrokatalyse geht es darum, CO2 mit grüner Energie in wertvolle Grundstoffe wie Methanol, Ethanol oder Ethylen umzuwandeln. Hierbei nutzt die Direktorin am Fritz-Haber-Institut (FHI) modernste Verfahren wie die Röntgenabsorptionsspektroskopie.

Ohne Röntgenstrahlen keine leistungsfähigen Katalysatoren

Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung des dynamischen Verhaltens von Katalysatoren unter realistischen und umweltrelevanten Reaktionsbedingungen. Indem sie die Eigenschaften, die Struktur und die Größe der Nanopartikel von Katalysatoren bestimmen, können die Forscher die späteren Produkte bestimmen. „Röntgenstrahlen sind unverzichtbare Werkzeuge bei der Entwicklung leistungsfähiger Katalysatoren. Ohne solche Katalysatoren wird es keine Energiewende geben können“, hatte Roldán Cuenya bereits am Tag zuvor erklärt. Das Ziel ist grüner Wasserstoff – mit neuer Energie will sie die Welt retten.

Beatriz Roldán Cuenya wurde 1976 in Spanien geboren. Sie studierte Physik und schloss ihr Studium an der Universität Oviedo 1998 ab. 2001 promovierte sie mit summa cum laude an der Universität Duisburg-Essen im Bereich Festkörperphysik. Anschließend arbeitete sie als Postdoktorandin an der University of California in Santa Barbara und nahm 2004 eine Stelle als Assistant Professor an der University of Central Florida an, wo sie 2012 Full Professor wurde.

2013 wurde Beatriz Roldán Cuenya auf den Lehrstuhl für Festkörperphysik der Ruhr-Universität Bochum berufen und wurde von der Fakultät für Chemie kooptiert. Seit 2017 ist sie Direktorin des FHI und leitet dort die Abteilung für Grenzflächenwissenschaft. Prof. Dr. Klaus Blaum, Vize-Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, ist sich sicher: „Wir werden noch viele weitere bahnbrechende Arbeiten von Beatriz erwarten dürfen.“

Roldán Cuenya tauschte sich nach der Verleihung bei einem Umtrunk mit den Gästen aus und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein, ehe sie gestern weiter nach Japan flog. Denn die 46-Jährige ist auf der ganzen Welt gefragt. Im Gepäck hatte sie dabei die glänzende Medaille mit Röntgens Antlitz.

Wechsel

Bei der Mitgliederversammlung der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums vor der Plaketten-Verleihung wurde Prof. Dr. Gerald Antoch zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er löst damit den langjährigen Vorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Mödder ab. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz dankte Mödder: „Ohne Ihren Einsatz wäre das Museum nicht so ein wunderbarer Ort der Wissenschaft und der Erinnerung an Röntgens bahnbrechende Entdeckung.“

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