Die Woche

Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln

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axel.richter @rga.de

Das Misstrauen, das dem Impfstoff von Astrazeneca nicht erst seit dieser Woche entgegengebracht wird, treibt Blüten und wird aus Angst und Misstrauen gespeist.

Von Axel Richter

Zwischen 1845 und 1851 verhungerten eine Million Iren, weil Nässe und Kälte ihr Grundnahrungsmittel, die Kartoffel, vernichteten. Verursacher war ein Pilz, der die Kraut- und Knollenfäule auslöst. Er ist nach wie vor gefürchtet.

2016 gelang Wissenschaftlern der niederländischen Universität Wageningen eine Züchtung, die gegen die Erreger resistent ist. Die Knolle hätte als Erfolg zur Sicherung der Lebensgrundlagen gefeiert werden können. Stattdessen sahen sich die Forscher bald massiv angegriffen. Gegner der Gentechnik pochten auf natürliche Resistenz und wollten nichts wissen von den toten Iren und vom Hunger.

Nun ist der Impfstoff von Astrazeneca keine genveränderte Kartoffel. Das Misstrauen, das dem Impfstoff nicht erst seit dieser Woche entgegengebracht wird, treibt jedoch ähnliche Blüten und wird aus den gleichen Quellen gespeist: Angst und Misstrauen.

Tatsächlich unternehmen die Verantwortlichen in Bund und Land so ziemlich alles, um die Menschen zu verunsichern. Beim Einkauf der rettenden Impfstoffe waren sie zu kniepig, bei der Terminvergabe für die Über-80-Jährigen zu chaotisch, beim Testen insgesamt zu langsam. Das Impfen mit Astrazeneca wird mal gestoppt, dann wieder aufgenommen. Und im Lockdown gilt für den Einzelhandel und die Schulen mal dieses und mal jenes. Ob das Infektionsgeschehen gerade steigt oder nicht.

In dem allgemeinen Durcheinander geraten dann selbst Erfolgsmeldungen zum Fiasko. Der Betreiber des Corona- Walk-Ins auf der Alleestraße gab dafür in dieser Woche ein profundes Beispiel ab. Auch dort seien ab sofort kostenlose Corona-Schnelltests möglich, hatte die Stadt angekündigt. War es tatsächlich aber nicht, was zur Folge hatte, dass die Menschen von der Firma achselzuckend stehengelassen wurden.

Was wir zur Bekämpfung der Pandemie brauchen, ist Vertrauen. Und kein Durcheinander nach dem Motto rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Wer so agiert, erzeugt das Gegenteil von Vertrauen, und Misstrauen mündet unweigerlich in Angst.

Beides ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, für die die Pandemie ohnehin Teil einer großen Weltverschwörung ist, um Freiheiten, Bürgerrechte und Demokratie abzuschaffen. Rechtsextreme, Esoteriker, jederzeit erregungsbereite Wutbürger und andere Wirrköpfe finden immer mehr Widerhall in der Bevölkerung.

Das ist die Grundlage für so verstörenden Aufmärsche, wie wir sie seit einigen Wochen immer montags in Lennep erdulden. Wer will, dass sie auch aus dem normalen bürgerlichen Milieu keinen weiteren Zulauf bekommen und dass die Menschen wieder Vertrauen in die Regierenden fassen, der muss vor allem zweierlei sein: klar in seinen Ansagen und verlässlich in seinem Tun.

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