Prozess

Remscheider steht wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht

Am Landgericht in Wuppertal wird der Fall verhandelt.
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Am Landgericht in Wuppertal wird der Fall verhandelt.

Richter werten die Aussagen des Angeklagten als Geständnis.

Von Dirk Lotze

Remscheid. In einem Prozess um schweren, sexuellen Kindesmissbrauch und Umgang mit Kinderpornografie muss sich seit gestern ein 33 Jahre alter Angeklagter aus Remscheid verantworten. Er soll sich seit 2015 mehrfach an einem Jungen vergangen haben. Er habe für die Eltern auf das Kind aufpassen sollen, das zu Beginn des Zeitraums acht Jahre alt war. Darüber hinaus habe er auf Datenträgern mehr als 40 000 Fotos und 15 000 Videos mit Kinderpornos besessen.

Der Angeklagte ist Angestellter in einem Industrieunternehmen. Das Gericht muss die Vorwürfe unabhängig prüfen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann 23 einzelne Übergriffe auf den Jungen vor, in seiner Wohnung. In einem Fall soll es beim Versuch geblieben sein.

Der Mann machte zum Prozessbeginn im Landgericht Wuppertal nichtöffentlich umfangreiche Angaben, die das Gericht vorläufig als „Geständnis in vielen Punkten“ wertet. Die Mutter des heute 13-Jährigen bezeugte: „Wir hatten nie einen Verdacht oder ein schlechtes Gefühl.“

Die Eltern berichteten, sie hätten den Angeklagten über dessen Familie kennengelernt. Er habe sich angeboten, aufzupassen. Unregelmäßig verabredet gewesen seien Kinobesuche oder Computerspiel-Abende, während die Eltern sich mit Freunden trafen. Zeitweise soll es dabei mehrere Monate Unterbrechung gegeben haben. Einzelne Male hätten sie als Familie mit dem 33-Jährigen Freizeit verbracht. Das soll laut Anklage gewesen sein, als es bereits Missbrauch gab. Auch dabei sei ihnen nichts verdächtig erschienen.

Junge sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Auslöser für die Ermittlungen wurde erst ein Foto aus dem Internet, das den Jungen auf der Toilette zeigt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte das Bild aufgenommen und hochgeladen hat.

Der Vater sagte, der Junge habe nach Besuchen beim Angeklagten auf die Frage „Wie war’s?“ Stets nur „gut“ geantwortet. Er fügte hinzu: „Er war immer ein stiller Junge.“ Und, was das Wesen des Kindes betrifft: „Wenn man was von ihm verlangt, dann macht er das.“

Die Mutter soll bei der Polizei gesagt haben: Ihr Sohn wirke nach der Aussage bei den Ermittlern wie befreit. Er habe sich wohl vorgestellt, dass man ihm nicht glauben würde.

Ein großer Teil der Verhandlung läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Die Angaben des Angeklagten zu den Vorwürfen, die Vernehmung des heute 13 Jahre alten Jungen, der mit den Eltern zuvor zwei Stunden auf dem Gang warten musste. Schließlich die Sichtung von kinderpornografischem Fotomaterial.

Die Staatsanwältin stellte dazu klar: „Es geht um Angelegenheiten aus dem Intimbereich, um den Schutz des minderjährigen Geschädigten und im Übrigen auch um die Sexualität des Angeklagten.“

Auf die bei ihm sichergestellten Datenträger hat der 33-Jährige bereits verzichtet. Die Aussage des Jungen wird später zusätzlich von einem Gerichtspsychologen bewertet, im Hinblick auf Glaubhaftigkeit.

Das Gericht will am 4. Januar weiter verhandeln.

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