Ärger gibt es über badende Hunde

Der Schwanenteich hat die Flut-Probe bestanden

Dagmar Jaspers auf dem Damm. Dieser darf sonst nicht betreten werden. Auch Baden im Schwanenteich ist verboten. Es hält sich nur nicht jeder daran.
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Dagmar Jaspers auf dem Damm. Dieser darf sonst nicht betreten werden. Auch Baden im Schwanenteich ist verboten. Es hält sich nur nicht jeder daran.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Das umgestaltete und renaturierte Gewässer hielt den Massen stand.

Remscheid. Es ist eine kleine Oase mit Schmetterlingen, Libellen und Wasserrauschen, wäre da nicht die Hintergrundmusik der A 1: der renaturierte und umgestaltete neue Schwanenteich hinter dem Restaurant Romanowski in der Mebusmühle. Das Großprojekt im Südbezirk ist nahezu fertiggestellt. Es müssen nur noch Restarbeiten erledigt werden: Am Bachlauf werden zur Uferstabilität noch Erlen gepflanzt, der Damm wird noch mit regionalem Saatgut eingesät. Bereits jetzt ist das Gewässer, um das ein Teil des Röntgenwegs führt, ein beliebter Naherholungsort für Mensch und Tier.

Das jedoch teils zum Leidwesen von Dagmar Jaspers. Sie ist beim Fachdienst Umwelt der Stadt für den allgemeinen Gewässer- und Bodenschutz zuständig und hat das Projekt intensiv begleitet. Denn der Schwanenteich verkam in den letzten Wochen mehr und mehr zum Hunde-Schwimmbad. Dabei ist das Baden im Teich nicht gestattet, Schilder weisen darauf hin. Auch der neue Damm darf eigentlich nicht betreten werden – die Tonschicht bröckelt mit der Zeit immer mehr ab. „Die Standfestigkeit ist dann irgendwann in Gefahr, und der Wasserspiegel des Teichs kann sinken“, erklärt Jaspers, die verstehen kann, dass es viele Menschen ins Tal zieht. „Der Teich ist ein Wahnsinnsmagnet.“ Nur hält sich kaum jemand an das Verbot.

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Daher werden die TBR den Damm zwischen Teich und Gewässer im Süden durch einen Zaun und Sträucher schützen. Der Zaun wird nach ein paar Jahren entfernt, wenn die Sträucher groß genug für eine natürliche Barriere sind. Auf der nördlichen Seite wird eine Barriere aus Totholz und Wurzelwerk angelegt. Auf diese Weise entstehen Brutplätze für Vögel und Verstecke für Igel, Echsen und andere Lebewesen.

Denn der Teich ist schließlich für 1,3 Millionen Euro aufwendig umgebaut und renaturiert worden. Dabei wurden mehrere Arbeitsschritte erledigt:

Erstens: Der Damm im Hauptschluss des Eschbachs war marode.

Zweitens: Der Schlamm des Teichs war durch die Autobahnentwässerung mit Schwermetallen wie Blei, Zink, Chrom und Rückstände von Betriebsstoffen belastet. Eine Entsorgungsfirma hat die 5600 Tonnen zu einer Deponie gebracht. Nach dem Umbau ist der Schwanenteich nun 3600 Quadratmeter groß und erhält Wasser vom Eschbach – die Wasserqualität ist gestiegen. „Am Schwanenteich fehlt noch die Ufervegetation, aber dennoch ist das Projekt schon jetzt ein ökologischer Gewinn, weil viel Lebensraum geschaffen wurde“ , sagt Jaspers.

„Bäche benötigen Platz – dann können Hochwasserschäden vermieden werden.“

Dagmar Jaspers

Drittens: Die Stadt musste die Wasserrahmenrichtlinie, die die EU für größere Gewässer vorschreibt, umsetzen. Durch die Herstellung der Durchgängigkeit und das Anbinden an ein Ersatzquellgebiet wurde auch ein besseres Lebensumfeld für Fische geschaffen, denn die schwammen vorher immer vor die Talsperrenmauer. Jungfische finden hier nun besser Nahrung. „Mein Kollege hat bereits Groppen und Bachforellen gesehen.“

Viertens: Der Tenter Bach wurde verlegt und erhielt ein breiteres Bett. Er mündet nun an anderer Stelle in den Eschbach. Beide Bäche treffen sich jetzt nicht mehr im Teich. Wer sich über das mit Eichenpfosten und Stahlseilen gesicherte Totholz im Bachbett wundert – das gehört so. „Dahinter sollen Stillwasserzonen für Fische oder Froschlaich entstehen.“

Die neue Fußgängerbrücke hat die Jugendhilfe Solingen angefertigt. Darunter hat der Nabu einen Wasseramselkasten angebracht.

Insgesamt ist der Schwanenteich das neue Zuhause für Frösche, Kröten und Insekten. Leider aber auch für einen Nutria. „Den wollen wir hier nicht, er macht uns den Damm kaputt“, sagt Jaspers. Der Forstbetrieb werde daher Lebendfallen aufstellen. Gerettet werden konnte eine alte Eiche, die auf der Streichliste stand.

Seine Bewährungsprobe hat das umgestaltete Gewässer bereits bestanden: Bei der Hochwasser-Katastrophe am Abend des 14. Juli hielt es den Wassermassen stand. Das Bachbett zu vergrößern, sei absolut richtig gewesen, erklärt die Umweltexpertin. So konnte er das Wasser führen, ohne überzulaufen, auch der Durchlass war groß genug. Wobei Dagmar Jaspers aber noch nachmittags händisch den Zulauf zum Teich versperrt hat. „Ich hatte Angst um den neuen Teich.“ Der Tenter Bach darf sich jetzt schlängeln, dadurch nehme man dem Wasser Geschwindigkeit. Und den Platz habe er beim Hochwasser gebraucht. „Bäche benötigen Platz – dann können Hochwasserschäden vermieden werden.“ Nur der Querriegel für Fische fiel der Flut zum Opfer.

Dennoch zieht die Stadt ihre Lehren: Künftig soll der Schieber baulich verändert werden, damit der Zulauf in den Teich reguliert werden kann.

Fakten

Baukosten: 1,3 Millionen Euro. Die vorab geplanten Kosten wurden eingehalten. Die Schlammentsorgung wurde sogar günstiger, doch es musste mehr Material zugekauft werden als gedacht.

Bauzeit: Angepeilt waren sechs Monate, am Ende wurden es wegen des Wetters zehn Monate.

Alle Teile der RGA-Stadtteilserie finden Sie hier.

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