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Der RGA lüftet die zehn Mannesmann-Geheimnisse

Die Firma Mannesmann an der Bliedinghauser Straße heute. Foto: Roland Keusch
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Die Firma Mannesmann an der Bliedinghauser Straße heute.
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Von Schwimmbad bis Kaltpilgern: Wir bringen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Horst Wessel Fakten ans Licht

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Wenn es um Weltklasse geht, ist Remscheid stets vorn mit dabei. Vor allem, was Erfindungsreichtum angeht. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Horst A. Wessel, Vorsitzender des Vereins Mannesmann-Haus, lüften wir zehn Geheimnisse rund um die Brüder Mannesmann. Sicher wissen Sie, dass Reinhard und Max in der Nacht zum 22. August 1886 das erste nahtlose Stahlrohr walzten – und zwar im Südbezirk. Aber hätten Sie die nachfolgenden zehn Fakten gewusst?

Geheimnis 1: Wussten Sie, dass. . . die Halle, in der diese revolutionäre Erfindung gemacht wurde, heute noch da ist? Sie steht an der Bliedinghauser Straße. Sie wurde von Bauunternehmer Christian Schmidt aus Lennep und dessen Jugendfreund, dem bekannten Architekten Christian Heyden, 1858 gebaut. Die spätere „Erfinderhalle“ gehörte zu der ab 1840 von Reinhard Mannesmann sen. errichteten Feilenfabrik.

Geheimnis 2: Wussten Sie, dass. . . die Halle als Stahl-Schmelze errichtet wurde? Die Öffnungen, über die die Asche entsorgt wurde, sind in den Gewölben unter der Halle noch vorhanden. Hier wurde eine Zeit lang auch Tiegelstahl erzeugt, das Vormaterial zur Fertigung von OP-Bestecken und Feilen höchster Güte. Feilen waren in der Zeit vor der Massenproduktion das wichtigste Werkzeug. Sie erleichterten die Arbeit und sparten Kraft. Mannesmann-Feilen waren so gut, dass sie weltweit nachgefragt und auf allen großen Ausstellungen ausgezeichnet wurden.

Geheimnis 3: Wussten Sie, dass. . . in dieser Halle 1877 von Reinhard Mannesmann jr. der Einsatz/Verbundstahl erfunden wurde? Es war eine der Voraussetzungen für die Herstellung hochpräziser Maschinenteile, wie sie seitdem in der benachbarten Maschinenfabrik A. Mannesmann gefertigt werden. Heute fertigt A. Mannesmann bis 16 Meter lange Maschinenteile, die auf weniger als haarbreit genau bearbeitet sind.

Prof. Dr. Horst A. Wessel ist Vorsitzender des Vereins MannesmannHaus.

Geheimnis 4: Wussten Sie, dass. . . es während der geheimgehaltenen nächtlichen Schrägwalzversuche 1884 zu einem Polizeieinsatz kam? Reinhard und Max Mannesmann experimentieren nachts, weil die Dampfmaschine tagsüber in der Produktion gebraucht wurde. Die Polizei wähnte hingegen Falschmünzer.

Geheimnis 5: Wussten Sie, dass. . . dieses Verfahren das Walzwesen und die technische Entwicklung revolutioniert hat? Viele Jahre war das Mannesmann-Verfahren die einzige Methode, nahtlose Stahlrohre mit dünner Wand wirtschaftlich zu fertigen – die „Mannesmannröhren“. Sie waren das Konstruktionsmaterial, nach dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Anlagen-, Maschinen- und Fahrzeugbauer weltweit fieberhaft gesucht hatten.

Geheimnis 6: Wussten Sie, dass. . . dieses Verfahren auch 135 Jahre nach seiner Erfindung immer noch weltweit angewandt wird? Für bestimmte Dimensionen von Stahlrohren gibt es noch nicht Besseres.

Geheimnis 7: Wussten Sie, dass. . . es erstmals im Mannesmannröhren-Werk in Bliedinghausen Mitte der 1920er Jahre gelang, auch Edelstahlrohre zu walzen? Sie kennt man als Treppengeländer oder Haltegriffe in Bussen. Von größerer Bedeutung sind sie wegen ihrer Beständigkeit gegen Korrosion, Druck und Hitze aber für die chemische Industrie, den Maschinen- und Anlagenbau oder die Nahrungsindustrie. Die bevorzugte Verarbeitungstechnik ist das Kaltpilgern, das auf ein von Max Mannesmann erfundenes Walzverfahren zurückgeht.

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Geheimnis 8: Wussten Sie, dass. . . die Uhr, die im Giebel der Halle zu sehen ist, 1869 von der berühmten Kgl. Bayer. Hofthurmuhrenfabrik Johann Mannhardt in München gebaut wurde? Seine Konstruktionen, alles Unikate, galten als Meisterwerke, die hinsichtlich Genauigkeit mit der von der Sternwarte bezogenen Zeit konkurrieren konnten. Mit ihrem Läutewerk regelte sie nicht nur den Fabrikalltag bei Mannesmann, sondern auch den Tagesablauf im gesamten „Bliedinger Hof“.

Geheimnis 9: Wussten Sie, dass. . . das Werk 1936 ein Werksschwimmbad erhielt? Im Jubiläumsjahr konnte sich die Belegschaft eine soziale Einrichtung wünschen. Man entschied sich für Schwimmbad und Tennisplatz. Das Werksbad mit 25-Meter-Bahn und 1-Meter-Sprungbrett wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geöffnet: Viele Kinder des Südens haben hier Schwimmen gelernt. Das Bad ist schon lange geschlossen; das Becken wird genutzt, um das im Fertigungsprozess anfallende Wasser abzukühlen.

Geheimnis 10: Wussten Sie, dass. . . das Werk mehrfach geschlossen werden sollte? Immer wieder seit 1893. Aber die Mitarbeiter kämpften stets dagegen – mit Erfolg. Der letzte Stilllegungsbeschluss scheiterte 1999 an dem massiven Widerstand der Belegschaft, aber auch des geschlossenen Remscheider Südens sowie der Einsicht der Konzernleitung, dass die Remscheider Röhrenwalzer Besonderes zu leisten imstande sind.

„Blauer Mond“

Aktuell: Das Mannesmann-Denkmal auf dem Aldi-Parkplatz Burger Straße, der „Blaue Mond“, wird wieder aufgestellt. Derzeit laufen die Vorarbeiten dafür.

IG: Die Interessengemeinschaft setzt sich weiterhin für ihr Wahrzeichen ein – und hat bereits viel erreicht. Derzeit können sich die Mitstreiter wegen Corona nicht treffen.

Alle Teile der RGA-Stadtteilserie finden Sie hier.

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