Meine erste Platte

„Revolution“ charakterisiert seine Sturm- und Drangzeit

Von den Beatles bis zu Jascha Heifetz: Dr. Christian Henkelmann besitzt einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack. Foto: Shahin de Heart
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Von den Beatles bis zu Jascha Heifetz: Dr. Christian Henkelmann besitzt einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack.

Christian Henkelmann startete musikalisch mit einer Single von den Beatles – Den John-Lennon-Song schätzt der ehemalige Kulturdezernent bis heute sehr.

Remscheid. Es ist nicht unbedingt die Scheibe, von der man vermuten würde, dass sie ein Christdemokrat als prägenden Einfluss benennen würde. „Revolution“ von den Beatles war die Single, die die Haltung des damals 16-jährigen Christian Henkelmann trefflich charakterisierte. Inspiriert vom Vietnamkrieg, den Studentenunruhen in Paris und dem Attentat auf Martin Luther King war „Revolution“ der Beginn der Politisierung von John Lennon, der das Stück 1968 in den berühmten Londoner Abbey Road Studios auf dem Boden liegend eingesungen hatte.

„Schade, dass Lennon so früh gestorben ist. Er hätte eine andere Art von Musik als Paul McCartney gemacht.“ Dr. Christian Henkelmann, von 2002 bis 2018 Dezernent der Stadt Remscheid, hält den Song bis heute in Ehren: „Es ist das Schlüssellied einer bürgerlichen Revolution.“ Veränderung der Welt unbedingt, aber ohne Gewalt. „Es war ein sehr kluger Text“, sagt der 68-Jährige. Allemal gewann er ihm inhaltlich mehr ab als einem „Let´s spend the night together“ von den Rolling Stones.

Natürlich erstand Henkelmann kurz darauf das sogenannte „Weiße Album“ der Beatles. Auf dem Doppelalbum befand sich auch die andere Hälfte von „Revolution“, die Klangcollage „Revolution 9“, mit 8:22 Minuten das längste Stück, das die Fab Four jemals veröffentlichten. Seine Platten hat er nicht aufbewahrt, das Vinylgut später weitgehend an Sammler abgegeben. Die Erinnerung an seine aufmüpfige Sturm- und Drangzeit am Neusser Quirinus-Gymnasium ist freilich lebendig.

„Ich war frech, bin nie eine Antwort schuldig geblieben“, räumt Henkelmann ein, dass er bei den Lehrern einen Namen wie Donnerhall besaß. So bot er dem Lehrpersonal gerne die Stirn, in dem er die Schule provokativ durch den Lehrerausgang verließ. Christian Henkelmann, aus dem Schulchor hervorgegangen, war Sänger in der fünfköpfigen Schülerband, kickte beim VfR Neuss als Rechtsaußen bis in die B-Jugend an der Seite von Friedhelm Funkel. Fortuna Düsseldorf hatte auf ihn ein Auge geworfen. Dass es noch eine sechs Jahre ältere Freundin gab, die ihn mit dem Porsche von der Schule abholte, das alles schmeckte seinem Vater irgendwann nicht mehr. „Freundin, Fußball, Band und Schule. Für zwei Sachen musst du dich entscheiden“, stellte dieser ihn vor die Wahl. „Ich habe die Freundin und die Schule genommen“, sagt Christian Henkelmann.

Im Nachhinein bringt er Verständnis auf, denn geschadet hat es ihm nicht. „Mein Vater war Arzt und ein evangelischer Freigeist. Er war sehr liberal und stand immer hinter mir wie eine Eins.“ Seine katholische Mutter hatte es da schwerer. „Meine erste Handlung mit der Volljährigkeit war, aus der katholischen Kirche auszutreten.“ Von seinem Vater bekam er sein anderes musikalisches Standbein auf den weiteren Lebensweg mitgegeben. Der Papa vererbte die Liebe zum Geigenspiel des Jascha Heifetz, einem russisch-jüdischen Wunderkind an den Saiten. „Die Begeisterung für seine Virtuosität und Perfektion habe ich übernommen.“ Heifetz, 1987 gestorben, galt als das größte Genie an der Violine seit Paganini. Im Endeffekt, blickt Christian Henkelmann zurück, trug diese Begeisterung dazu bei, dass er später in Remscheid Intendant werden und Theaterprogramm gestalten konnte. Der promovierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftler, einst Redenschreiber von Helmut Kohl und Norbert Blüm, dann Referent des CDU-Oppositionsführers Helmut Linssen im Düsseldorfer Landtag, kam 2002 nach Remscheid.

Hier lebt er auch seit seiner Pensionierung im Februar 2018 mit seiner Frau, der Malerin Shahin de Heart und seinem Sohn. Henkelmanns Lebensmittelpunkt ist Lennep, fußballerisch hängt sein Herz an der Düsseldorfer Fortuna.

„Es ist das Schlüssellied einer bürgerlichen Revolution.“

Christian Henkelmann über seine erste Single

Henkelmann ist Vereinsmitglied und Dauerkarteninhaber. Seinen Sitzplatz in Corona-Zeiten nicht einnehmen zu können, schmerzt. „Ehrlich gesagt, die Spiele im Stadion fehlen mir“, meint Henkelmann. Von der Fortuna ist es nicht weit zu deren Edelfans, den Toten Hosen, die Henkelmann ebenfalls sehr mag. „Tatsächlich habe ich mein letztes Rockkonzert in der Lanxess-Arena mit den Toten Hosen gesehen.“ Es entspricht seinem breitgefächerten Musikgeschmack, dass er jedoch auch ganz andere Genüsse schätzt: Die Düsseldorfer Philharmoniker in der Tonhalle zählen dazu.

Nach seiner Pensionierung war Henkelmann ehrenamtlich als Vorsitzender des VHS-Landesverbandes aktiv, trat im März 2020 von diesem Posten zurück. Seit Juli vergangenen Jahres bringt sich Christian Henkelmann im Internationalen Tanzrat der Unesco (Sitz: Paris) ein. Ein Engagement, das auf seinem früheren beruflichen Hintergrund fußt: Denn in Henkelmanns Ägide als Kulturdezernent der Stadt fällt der Ausbau des Theaterprogramms auch mit avantgardistischen Tanzdarbietungen.

Was ehrenamtlich seine meiste Zeit bindet, ist die Durchsicht von studentischen Bewerbungen (Gutachten) sowie Personalakten und darauf folgende Videokonferenzen und Interviews mit den Bewerbern und drei Mitjuroren. Henkelmann ist seit fast 40 Jahren Mitglied der Auswahljury der studentischen Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Zur Person

Dr. Christian Henkelmann wurde am 4. Oktober 1952 in Neuss geboren. 16 Jahre war Dr. Henkelmann in unterschiedlichen Führungsfunktionen bei der Stadt Remscheid tätig und als Dezernent für Schule, Kultur und Sport zuständig. 2014 wurde er zum Stadtdirektor bestellt und war damit seitdem stellvertretender Rathaus-Chef. Im Februar 2018 ging er in Ruhestand. Henkelmann ist mir der Künstlerin Shahin de Heart verheiratet und hat einen 27-jährigen Sohn.

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