Resilienz zeigt sich erst in der Krise

„Hasenberger Gespräche“ mit Theologin

Von Sabine Naber

Lennep Um Lebenskrisen und wie sie sich bewältigen lassen, ging es am Montagabend in der Reihe „Hasenberger Gespräche“ im evangelischen Gemeindehaus in Lennep. Eingeladen als Referentin war die Professorin Dr. Cornelia Richter, die an der Bonner Universität Systematische Theologie unterrichtet. Ihr Thema war „Resilienz in Religion und Spiritualität“, also die Widerstandskraft, die Menschen befähigt, individuelle Krisen zu bewältigen.

„Was genau kann Religion dazu beitragen, dass wir in schweren Lebenskrisen physisch und psychisch vergleichsweise stabil bleiben. Daran haben wir drei Jahre lang geforscht“, sagte die Theologin. Und betonte, dass dieses Projekt kein ethisches, auch kein rein medizinisches, sondern ein theologisches sei. „Wir haben uns Texte, Lieder, Gottesdienste, Jugendandachten angeschaut, haben Fragebögen ausgewertet, in denen es beispielsweise hieß: „Glauben Sie an einen liebenden oder an einen strafenden Gott“, erklärte sie.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie machte die Referentin deutlich, dass eine Krise auch wie eine Lawine mit Naturgewalt über uns hinweg- rauschen kann. Dann müsse man Worte dafür finden, die für einen selbst stimmig sind. Wie unterschiedlich die Empfindungen sein können, das machte sie am Lockdown bewusst: „Ich konnte sagen, dass es eine Zeit der Besinnung für mich war. Wer sein Geschäft zusperren musste, hat die Situation vermutlich ganz anders beurteilt.“

Resilienz sei ein ambivalentes Krisenphänomen, das sich erst im Durchleben einer Krisensituation zeige. Das bringe man nicht als Charaktereigenschaft mit. „Sie ist ein Prozess der Anpassung, in dem alte Erfahrungsmuster aktiviert und neu ausgerichtet werden.“ Auch spiele eine Rolle, wie wir als Menschen aufeinander bezogen seien: „Das ist entscheidend für die soziale Einbettung der Resilienz, denn ohne Empathie geht es nicht“, sagte Richter und nennt die theologische Tradition mit ihren Psalmen und Liedern genial.

„Singen Sie mehrere Strophen im Gottesdienst mit. So kann man sich durch Höhen und Tiefen des Lebens singen.“ Das beste Beispiel sei der Ostersonntag, an dem immer wieder von Auferstehung geredet würde. „Durch den Tod Jesu, das Leid ist neues Leben entstanden. Ziemlich faszinierend“, findet das die Theologin. Und zeigte im Anschluss mehrere bildlichen Umsetzungen des Begriffs Resilienz. Beispielsweise am Bild von Michelangelo, das Maria mit dem toten Jesus auf ihrem Schoß zeigt. Die Botschaft heiße hier: „Tot, aber er ist gegeben.“

„Ihre vielfältige Suche nach Antworten hat mich berührt“, bedankte sich Pfarrer Hans Jürgen Roth, als einer der Organisatoren der ökumenischen Hasenberger Gespräche bei der Referentin.

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