Statistik

Mehr als 25 000 Bürger anderer Städte kommen zum Arbeiten nach Remscheid

Ein- und Auspendler im Städtedreieck.
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Ein- und Auspendler im Städtedreieck.

Pendlerströme nach Remscheid werden eher abnehmen.

Von Sven Schlickowey und Manuel Böhnke

Remscheid. Fast jede fünfte Remscheiderin und jeder fünfte Remscheider verlässt die Stadt zum Arbeiten. 21 712 sogenannte Auspendelnde erfasste das Statistische Landesamt NRW in Remscheid 2020. Menschen also, die in Remscheid wohnen, aber nicht hier arbeiten. Leerer wird die Stadt dadurch zu den üblichen Arbeitszeiten aber kaum – weil die Statistik auch 25 515 Einpendler zählt, also Bürger anderer Kommunen, deren Arbeitsplatz sich in Remscheid befindet.

Dabei zeigt sich: Den größten Pendleraustausch gibt es naturgemäß mit den Nachbarstädten. Bei den Auspendlern taucht mit Düsseldorf (1184) erst auf Platz Fünf eine Kommune auf, die keine gemeinsame Grenze mit Remscheid hat, hinter Wuppertal (6108), Wermelskirchen (2402), Solingen (2114) und Radevormwald (1194). Bei den Einpendlern liegt Köln (906) auf Platz sechs. Weil selbst aus dem kleinen Hückeswagen (1180) mehr Menschen zur Arbeit nach Remscheid fahren. Die ersten vier Plätze sind identisch mit den Auspendlern: Wuppertal (6594), Wermelskirchen (3084), Solingen (1962) und Radevormwald (1805).

Die aktuellen Werte bestätigen die Entwicklung der letzten Jahre, Remscheid weist schon lange einen Einpendler-Überschuss aus. Das sei auch gar nicht anders zu erwarten, sagt Hagen Hintze, Volkswirt bei der Bergischen IHK. Entsprechend biete diese Statistik zum Beispiel auch keine Argumentation dafür, dass Remscheid mehr Neubaugebiete brauche. „Ich kann verstehen, dass die Stadt den Menschen, die hier arbeiten, auch Wohnraum bieten und so wachsen möchte“, sagt Hintze. Doch dass eine Großstadt Arbeitsplätze für Menschen aus den umliegenden und meist kleineren Städten biete, sei eher normal.

Größere Entfernungen und schlechtere Anbindungen hemmen Pendlerfluss in Remscheid

Zumindest solange es keine Sondereffekte gibt, so wie in Solingen. Die Klingenstadt weist nämlich, und das auch schon länger, einen deutlichen Auspendler-Überschuss aus. 23 985 Bürgern anderer Städte, die in Solingen arbeiten, stehen 34 483 Solingerinnen und Solinger gegenüber, die die Stadt zum Broterwerb verlassen. Und bei diesem Austausch spielen die Nachbarstädte eine deutlich geringere Rolle als in Remscheid. Solinger pendeln vor allem nach Düsseldorf (5904). Hinter der Nachbarstadt Wuppertal (5030) kommt Köln (2615) schon auf Platz drei. Die Remscheider Nachbarn, bei den Einpendlern nach Solingen auf Platz zwei, finden sich dann erst auf dem siebten Platz wieder – noch hinter Hilden, Langenfeld und Haan.

Weder ein Einpendler- noch ein Auspendlerüberschuss ist besorgniserregend.

Hagen Hintze, IHK

„Das liegt in erster Linie an der geografischen Lage“, erklärt Volkswirt Hintze. Solingen profitiere dabei von seiner Nähe zu Düsseldorf. Und von der guten Verkehrsanbindung an die Metropolen des Rheinlands. So würden viele Bürger die vergleichsweise geringen Solinger Immobilienpreise nutzen und in teureren Städten arbeiten. Das sei in Remscheid so nicht ohne weiteres möglich, wegen der größeren Entfernungen und einer schlechteren Anbindung.

In der öffentlichen Wahrnehmung neige eine Stadt oft dazu, ihre jeweilige Pendlerstatistik negativ zu beurteilen, hat Hagen Hintze beobachtet: „Die Solinger sagen, ihre Stadt sei so wirtschaftschwach, dass die Menschen zum Arbeiten woanders hin müssen. Die Remscheider meinen, ihre Stadt sei zu unattraktiv, um dort zu wohnen.“ Doch in beiden Fällen gebe es „gute Gründe“ für die derzeitige Situation. „Weder ein Einpendler- noch ein Auspendlerüberschuss ist besorgniserregend.“ Zumal sich die Pendlerströme nach Corona noch einmal deutlich verändern werden, wie Thomas Wängler meint. Der für Standortpolitik und Verkehr zuständige Geschäftsführer der Bergischen IHK weist darauf hin, dass die Pendlerstatistik nur Wohn- und Arbeitsort erfasse, nicht aber, ob die Arbeit ganz oder teilweise im Homeoffice erledigt wird. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Menschen, die von daheim arbeiten, in Zukunft weiter zunehme, sagt Wängler: „Das wäre auch eine willkommene Entlastung der Verkehrsinfrastruktur, die längst an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt ist.“

Hintergrund

Pendeln ist in NRW eher die Regel als die Ausnahme, zeigt die aktuelle Statistik: 4,7 Millionen der neun Millionen Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen, also knapp mehr als die Hälfte, pendelte im Jahr 2020 über die Grenzen ihres Wohnortes hinweg zur Arbeit. Wenig überraschend ziehen dabei vor allem die Metropolen Menschen an, allein nach Köln und Düsseldorf pendeln jeweils deutlich mehr als 300 000 Menschen ein. Alle Ergebnisse der aktuellen Untersuchung stehen auch online zur Verfügung.

www.pendleratlas.nrw.de

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