Verkehr

Remscheids Umweltzone wird 10 Jahre alt

Die Beschilderung ist eindeutig: Hier geht es nur mit grüner Umwelt-Plakette weiter. Remscheids erste Umweltzone wurde vor bald zehn Jahren eingerichtet.
+
Die Beschilderung ist eindeutig: Hier geht es nur mit grüner Umwelt-Plakette weiter. Remscheids erste Umweltzone wurde vor bald zehn Jahren eingerichtet.

In Teilen der Innenstadt sind nur Autos mit grüner Plakette erlaubt. Hat es was gebracht?

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Remscheids einzige Umweltzone hat bald runden Geburtstag. Offiziell eingerichtet wurde sie zum 1. Januar 2013, aber bereits im Juni 2012 wurde der Luftreinhalteplan ins Leben gerufen, auf dem sie basiert. In dem betroffenen Bereich der Innenstadt, der im Norden über der Wilhelm- und unter der Elberfelder Straße beginnt und im Süden jenseits der Freiheitstraße endet, sind seither nur noch Autos mit einer grünen Umweltplakette erlaubt. Und das mit dem gewünschten Erfolg: Seit fünf Jahren wird der vorgeschriebene Grenzwert für Stickstoffdioxide unterschritten.

Ob dieser Erfolg allein auf die Einführung der Umweltzone zurückzuführen ist, sei aber nicht klar, sagt Elke Ellenbeck, bei der Stadt für den Luftreinhalteplan zuständig. „Ich denke schon, dass das einen gewissen Effekt hat“, vermutet sie. Wie viel aber zum Beispiel auch die Modernisierung des Fahrzeugbestands in Remscheid in all den Jahren dazu beigetragen habe, ließe sich anhand der Daten nicht abschließend klären.

Unklar sei auch, was aus der Umweltzone einmal wird, sagt Ellenbeck: „Da wir die Grenzwerte unterschreiten, brauchen wir den Luftreinhalteplan ja eigentlich nicht mehr.“ Doch laut Bezirksregierung müsse über die Zukunft des Plans das Landesumweltministerium entscheiden - und das habe derzeit noch genug mit den Kommunen zu tun, die die Grenzwerte nicht einhalten.

Dass Remscheid überhaupt eine Umweltzone bekommen hat, war keine Entscheidung, die hier vor Ort getroffen wurde. Nachdem der Stickstoffdioxid-Grenzwert an der Messstation auf der Freiheitstraße dauerhaft überschritten wurde, sei man verpflichtet gewesen, einen Luftreinhalteplan aufzustellen, erklärt Elke Ellenbeck. Darin musste die Stadt verschiedene Maßnahmen vorschlagen, die Luftqualität zu verbessern.

„Die Umweltzone war damals die Maßnahme, vor allem in NRW“, erinnert sich Elke Ellenbeck. Also kam sie. Nicht als einzige Maßnahme, der Plan aus dem Jahr 2012 sieht auch die Anschaffung modernerer Busse, den Ausbau von Fußgängerwegen und die Förderung des Schienenverkehrs vor, aber sicherlich als auffälligste. Allein schon wegen der Schilder, die dafür extra aufgestellt wurden.

Dass ausgerechnet die viel befahrene Elberfelder Straße ausgenommen wurde, habe einen einfachen Grund, berichtet Elke Ellenbeck: „Die Zone muss umfahrbar sein.“ Wäre die Elberfelder Straße Teil der Umweltzone geworden, hätte man Fahrzeuge ohne die notwendige Plakette zum Teil durch die Morsbachtalstraße leiten müssen. Das habe ein erster Vorschlag der Bezirksregierung auch so vorgesehen, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. „Aber da hat man uns zum Glück vertraut, dass das keine gute Idee war.“

Ohnehin sei fraglich, ob die Umweltzone für die Bereiche nördlich der Freiheitstraße etwas bringe, sagt Elke Ellenbeck. Die Grenzwert-Überschreitungen in der Freiheitstraße seien wohl er ein „lokales Problem“, der Rest der Innenstadt liege ja weiter oben und sei gut durchlüftet. „Die meisten anderen Umweltzonen liegen eher in Tallagen.“ Oder seien durch hohe Gebäude eingefasst.

Unabhängig davon hat die Diskussion um Umweltzonen bundesweit abgenommen, vermutlich auch, weil die meisten Fahrzeuge längst über eine grüne Plakette verfügen. Und für den Rest gibt es zahlreiche Ausnahmen, unter anderem für Oldtimer mit H-Kennzeichen, land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen, Behinderte und wenn eine Firma durch das Verkehrsverbot in ihrem Bestand gefährdet ist.

Hintergrund

Knapp über 50 Umweltzonen gibt es derzeit in Deutschland, die meisten in Großstädten. Die ersten wurden 2008 unter anderem in Berlin, Köln und Hannover eingeführt, nachdem 2007 die rechtlichen Grundlagen samt neuem Verkehrsschild geschaffen wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Der lange Weg zurück zum Führerschein
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Anton (5 Monate) setzt sich für seine Bibliothek ein
Anton (5 Monate) setzt sich für seine Bibliothek ein
Anton (5 Monate) setzt sich für seine Bibliothek ein
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser

Kommentare