Westerholt

Remscheids erstes Kinderhaus wird 30

Sind ein eingespieltes Team: Kinderhaus-Leiterin Natascha Moll mit einem der vier Gründer, Franz Werner von Wismar, und Alexia von Wismar (Vorstand Elterninitiative).
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Sind ein eingespieltes Team: Kinderhaus-Leiterin Natascha Moll mit einem der vier Gründer, Franz Werner von Wismar, und Alexia von Wismar (Vorstand Elterninitiative).
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Aus einer Idee von vier Lehrern wurde eine Kita am Rande der Lenneper Altstadt.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Als sie selbst noch ein Kind war, gruselte sie sich vor dem verwunschenen Haus an der Hardtstraße, das damals noch eine Ruine war: „Wir Kinder haben hier Mutproben gemacht“, erinnert sich die Lenneperin Alexia von Wismar. Heute, 30 Jahre später, tobt in der Immobilie sprichwörtlich das Leben, dringt Kinderlachen aus dem idyllischen Garten – und Alexia von Wismar setzt sich im Vorstand der Elterninitiative ein, die eben dieses denkmalgeschützte Haus am Rande der Lenneper Altstadt trägt: das Kinderhaus Westerholt. Und das, obwohl ihr Sohn gar nicht mehr hier in die Kita geht, sondern längst in der Schule ist. „Das Haus und die Arbeit hier fand ich schon immer toll“, sagt sie. Wohl auch, weil ihr Vater Franz Werner von Wismar einer der vier Gründer ist. Am Samstag feiert die Kindertagesstätte mit geladenen Gästen das 30-jährige Bestehen.

Ein Bild aus den Anfängen vor 30 Jahren.

Die Wurzeln des Kinderhauses liegen eigentlich an der Hauptschule Hackenberg in Lennep. Denn dort hatten die Lehrer Ulla Eickelpoth-Linn, Edith Bulle, Marlies Brill und Franz Werner von Wismar eine Idee: Sie wollten ein Haus ähnlich einem Frauenhaus in Lennep schaffen. „Wir wollten Kinder aus schwierigen Verhältnissen helfen, ihnen hier eine Heimat bieten“, erklärt Franz Werner von Wismar. Doch die Stadt Remscheid habe erklärt, dass es dafür ja bereits den Waldhof gebe. Das Quartett ließ sich aber nicht von seiner Idee, ein Haus für Kinder einzurichten, abbringen – und suchte eine Immobilie. Die Wahl fiel zunächst auf das Forstgut Westerholt im Lenneper Wald. Doch dann zerschlug sich das Vorhaben an jenem Ort. Eine verwunschene Immobilie in der Hardtstraße 26 war frei, genauso die Hausnummer 20, beides gehörte der Kirche. Man wurde vorstellig - und erhielt den Zuschlag. Ein neu gegründeter Förderverein übernahm das Haus Nr. 26 anno 1871.

Kinder sollen sich im Kinderhaus individuell entfalten

Nun galt es, das Geld für den Umbau zu einer Kita zusammenzukriegen. Das Konzept: ein Drittel öffentliche Gelder, ein Drittel Eigenfinanzierung, ein Drittel Spenden. 800 000 DM kamen zusammen. „Viele Spender ermöglichten den Umbau, unter anderem die RGA-Hilfsaktion ,Helft uns helfen‘“, erzählt von Wismar. Nach einer kräftigen Umbauphase eröffnete das erste Kinderhaus Remscheids, das Kinderhaus Westerholt, 1992.

Während es früher 3- bis 15-Jährige aufnahm, sind es heute Zwei- bis Sechsjährige, die hier durch das Haus mit der markanten Fassade toben. Im Mittelpunkt steht die kreative, fröhliche und selbstständige Entwicklung jedes einzelnen Kindes, sagt Natascha Moll, die das Kinderhaus seit 1. August leitet. Sie habe schon immer in diesem „Haus mit dem Kinderlachen aus dem Garten“ arbeiten wollen, erzählt die Lenneperin. Hier kann die alleinerziehende Mama auch ihre Tochter (4) mitbringen.

Jedes Kind werde mit all seinen Eigenschaften angenommen und individuell gefördert, sagt Moll. „Denn für uns fängt Vorschularbeit schon ab Tag 1 an.“ Zudem dürfen die Zwei- bis Sechsjährigen mitentscheiden: Welches Lied wird gesungen? Welches Frühstück gibt es nächste Woche? Tisch decken, sauber machen – auch Lebenspraxis lernen die Kinder. Und können sich danach nicht nur in der Puppen- und Verkleidungsecke austoben, sondern auch draußen auf Nestschaukel, Rutsche oder im Spielehaus.

Der Betreiber: Die Elterninitiative Westerholt ist ein gemeinnütziger Verein, der die Kita betreibt und das Personal beschäftigt. Sie besteht aus Eltern der Kita-Kinder und ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband. Die Initiative wird durch den Förderverein finanziell unterstützt. Eltern und Erzieherinnen arbeiten Hand in Hand.

Plätze: Das Kinderhaus Westerholt hat zurzeit 21 Kinder - und ist damit voll belegt.

Team: Das Team besteht aus vier Pädagoginnen, zwei „Kochfeen“, einer Reinigungskraft, einer Haushaltshilfe und einer Praktikantin.

Fachkraft gesucht: Das Kinderhaus sucht einen Erzieher/Erzieherin oder eine pädagogische Fachkraft in Teil- oder Vollzeit.

Finanzlage

Durch den Covid-19-bedingten Ausfall einiger Veranstaltungen des Kinderhauses in den vergangenen beiden Jahren fehlen der Elterninitiative dringend benötigte Einnahmen. Kontakt für Spender: Tel. 66 93 17, kontakt@kinderhaus-westerholt.de.

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