Aktion auf Friedhof

Gemeinde schafft Rastplätze für Singvögel

Nicht nur Singvögel sollen bei „Kultur und Natur – Leben auf dem Friedhof“ an der Albrecht-Thaer-Straße ein Zuhause finden. Jetzt haben Lola Bockholt (v. l.), Vivien Pilarski, Neela und Luna Bockholt sowie Steffi Geier zwei Ruhekästen für Fledermäuse an Bäumen befestigt. Foto: Doro Siewert
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Nicht nur Singvögel sollen bei „Kultur und Natur – Leben auf dem Friedhof“ an der Albrecht-Thaer-Straße ein Zuhause finden. Jetzt haben Lola Bockholt (v. l.), Vivien Pilarski, Neela und Luna Bockholt sowie Steffi Geier zwei Ruhekästen für Fledermäuse an Bäumen befestigt.

„Kirche für Klima - Schöpfung bewahren“ heißt es dieses Jahr im evangelischen Kirchenkreis.

Von Peter Klohs

Remscheid. Im evangelischen Kirchenkreis Lennep steht das Jahr 2021/2022 unter dem Motto „Kirche für Klima – Schöpfung bewahren“. Eines der vielfältigen Projekte zu diesem Thema ist die Aktion „Kultur und Natur – Leben auf dem Friedhof“ auf dem Friedhof an der Albrecht-Thaer-Straße.

Gärtner Helge Lendermann, der die Anlage der evangelischen Gemeinde Lennep seit 2006 betreut, berichtet, dass der Friedhof zu einem biologischen und ökologischen Gebiet wird. „Das schaffen wir jedoch nicht alleine“, sagt er. „Wir arbeiten mit Moritz Schulte vom Naturschutzbund (NABU) zusammen. Auch der Leiter der Natur-Schule Grund, Jörg Liesendahl, hat uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. ‚Hier ist reichlich Substanz‘, hat er gesagt.“

Der Friedhof soll nicht nur ein Ort des Todes sein, sondern auch das Leben einfangen.

Steffi Geier, Vorsitzende des Friedhofsausschusses

Inzwischen hat Lendermann 40 Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten befestigt. Auch sind zwei Ruhekästen für Fledermäuse hinzugekommen. Wie Helge Lendermann weiter ausführt, werden die Vögel bis zum Ende der Brutzeit gefüttert. „Dann füttern wir drei Monate nicht, damit die Vögel wieder lernen, sich auch selbst um das Futter zu kümmern. Wir starten dann wieder Anfang Oktober mit dem Füttern.“

Steffi Geier, Vorsitzende des Friedhofsausschusses der evangelischen Kirchengemeinde, führt aus, dass der Friedhof zugleich Natur und Kultur ist. „Ich habe Menschen gefunden“, berichtet sie, „die sich regelmäßig um die Futterstellen für die Vögel kümmern. Der Friedhof soll nicht nur ein Ort des Todes sein, sondern auch das Leben einfangen.“ Zu den Helfenden gehören die Jugendlichen Vivien Pilarski sowie die Schwestern Luna, Neela und Lola Bockholt, die gerne auf eine Leiter steigen, um die mitgebrachten Ruhekästen für die Fledermäuse aufzuhängen.

Gärtner will mehr Insekten auf den Friedhof locken

Die Zahl der Insekten, so Helge Lendermann, habe enorm abgenommen. „Um die Insektenwelt zu fördern, haben wir auf einigen Rasenflächen Streifen mit Wildblumen angelegt. Auch zwei Benjeshecken sind gebaut worden. Diese bestehen aus Totholz und bieten zahlreichen Heckenbrütern sowie vielen Insektenarten, aber auch Pilzen, Lebensraum.“ Ausgewählte Rasenflächen sollen zukünftig nicht „zu oft“ gemäht werden, um den natürlich vorkommenden Wildkräutern die Möglichkeit zur Blüte zu geben und damit Bienen und Schmetterlingen als Futter zu dienen. Die Bäume auf dem Areal werden regelmäßig beschnitten, jedoch „nicht in einem Rutsch“, sondern höchstens einige wenige pro Jahr. „Wir schauen, dass rund Zweidrittel der Bäume zur Blüte kommen“, führt der Friedhofsgärtner aus.

Unsere Serie „Natürlich nachhaltig“

Besonders die Insekten brauchen heimische Pflanzen, sagt Lendermann. Auf zahlreichen Flächen seien Schlehdorn, Hagebutte oder Pfaffenhütchen gepflanzt worden. Auch roter Holunder komme vor. „Man muss schon aufpassen, was gepflanzt wird“, sagt er. „Der Samenausflug sorgt dafür, dass nicht jede Pflanze an jedem Standort sinnvoll ist. Und wir schauen immer darauf, die Waage zwischen Natur und Kultur zu halten.“ Cotoneaster zum Beispiel, so Lendermann weiter, sei keine heimische Pflanzenart, ziehe jedoch Insekten an. „Die gehen ausschließlich auf Gerüche“, weiß er. „Die brauchen keine bunten Blüten. Nicht umsonst sind fast alle Obstblüten weiß. Im Frühjahr nehmen die Insekten die Blüten gerne an, die Früchte im Herbst werden hingegen verschmäht.“

Pfad der Erinnerung

Im Mai dieses Jahres soll auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Lennep ein Pfad der Erinnerung angelegt werden. Außerdem soll der Lenneper Friedhof als immaterielles Kulturerbe in der Liste der deutschen UNESCO-Kommission aufgeführt werden. Der entsprechende Antrag ist bereits gestellt.

Heimische Tierarten

Verschiedene Tierarten sind auf dem Areal heimisch: Meisen, Rotkehlchen und andere kleinere Singvögel, Spechte, Eichhörnchen („Obwohl wir keinen Walnussbaum auf dem Friedhof haben“), Füchse und Rehe. „Gott sei Dank haben wir noch keine Wildschweine hier“, sagt Friedhofsgärtner Helge Lendermann.

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