Mundart

Remscheider Platt droht auszusterben

Hüter des Remscheider Platts: das Ensemble der Lüttringhauser Volksbühne unter der Federführung von Christian Wüster. Archivfoto: Roland Keusch
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Hüter des Remscheider Platts: das Ensemble der Lüttringhauser Volksbühne unter der Federführung von Christian Wüster.
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Mundart wird kaum noch von jungen Leuten gesprochen. In der Schule hat sie keinen festen Platz.

Von Daniel Dresen

So plötzlich wie bei den Dinosauriern kommt das Aus für die Remscheider Mundart nicht. Es hat keinen plötzlichen Meteoriteneinschlag gegeben, der ihr Schicksal besiegelt hat. Es ist ein über Jahre hinweg schleichender Prozess, den die Denkerschmette, die Lüttringhauser Volksbühne und der Förderverein Steffenshammer stoppen möchten. Bislang noch jeder Verein für sich, doch dies soll sich im Laufe des Jahres ändern.

„Wir haben Interesse, mit dem Steffenshammer und der Volksbühne zusammen an einem Strang zu ziehen und das Remscheider Platt wieder unter die jungen Leute zu bringen“, bekundet Sabine Marquardt, Sprecherin der Denkerschmette. Sie möchte in diesem Jahr auch den Kontakt zu den Schulen und Jugendzentren in Remscheid aufnehmen. „Um junge Menschen für das Plattkallen zu begeistern, reicht kein monatlicher Stammtisch aus. Da müssen wir uns etwas Besonderes einfallen lassen.“ Das Remscheider Platt sei mehr als nur eine Sprache, sondern auch „ein Stück Kultur und Geschichte, das nicht verlorengehen darf“.

Auch Lutz Kleuser, Vorsitzender des Fördervereins Steffenshammer, liegt die Mundart sehr am Herzen. Zusammen mit der Volksbühne Lüttringhausen plant er Veranstaltungen rund um die historische Werkstätte, bei denen auch das Remscheider Platt gefördert werden soll. „Der Steffenshammer ist 270 Jahre. Als er in Betrieb war, wurde nur Platt gesprochen.“ Er findet, dass die Mundart auch weiterhin ihre Berechtigung hat. „Ich möchte mich dafür starkmachen, dass Platt auch in den Schulen thematisiert wird.“

Mit frischen Texten hat Wüster junge Menschen für Platt begeistert

Aktuell gebe es insgesamt zu wenig Menschen, die sich mit Remscheider Platt auseinandersetzen. „Obwohl das Thema Heimat in aller Munde ist.“ Derzeit seien es vor allem ältere Remscheider, die ihre Sprache noch pflegen. Doch wird dieses sprachliche Erbe auch an die nächste Generation weitergetragen?

Ob die Schulen dieser Aufgabe langfristig gerecht werden können, bleibt zu bezweifeln. Im Grundschullehrplan hat das Thema Dialekt keinen festen Platz gefunden. Unter dem Schwerpunkt „Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen entdecken“ werden „Sprachvarianten“ im Deutsch-Unterricht untersucht. In dieser Unterrichtsreihe könnte theoretisch das Remscheider Platt aufgegriffen werden. Da Mundart allerdings kein fester Lerngegenstand ist, hängt es letztlich von der Lehrkraft ab, ob Remscheider Töne im Klassenzimmer erklingen.

Beim Blick in den Lehrplan Deutsch am Gymnasium fällt der Begriff „Dialekt“ im Zusammenhang mit Sprachwandel und Sprachvarianten. Zwingend behandelt muss die Mundart auch am Gymnasium nicht, als Alternative können auch die Umgangssprache oder die Einflüsse fremder Sprachen analysiert werden. Für eine Stellungnahme war das Schulamt der Stadt Remscheid am Montag nicht zu erreichen.

Christian Wüster ist sich sicher: Ohne die Verankerung der Mundart im Lehrplan wird das Remscheider Platt langfristig aussterben. Der Vorsitzende des Theater- und Mundartvereins Lüttringhauser Volksbühne und sein Ensemble würden gerne mit den Schulen zusammenarbeiten.

DIALEKTATLAS

SPRACHE Die Deutsche Welle hat einen Dialektatlas auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Dort werden neun Dialekte aufgeführt: Nordfriesisches Platt, Ostfriesisches Platt, Westniederdeutsch, Westmitteldeutsch, Ostfränkisch, Alemannisch, Bairisch, Ostmitteldeutsch und Ostniederdeutsch.

„Wenn von schulischer Seite Interesse bekundet wird, lässt sich da sicher etwas machen. Es kann sich dabei jedoch nicht um einen einmaligen Termin handeln, wenn wir den Kindern spielerisch, aber nachhaltig das Remscheider Platt näher bringen wollen.“ Wüster selbst hat es sich damals von seinem Großvater abgehört. In seiner Theatergruppe arbeitet er mit bis zu 15 Kindern und Jugendlichen, die Platt lernen. Mit frischen Texten hat der Stückeschreiber es geschafft, junge Leute heranzulocken. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für das Remscheider Platt.

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