Einige Betroffene sehen Lockerungen kritisch

Heime: Wiedersehen hinter Plastikfolie

Eigentlich trennt ein Plastikvorhang Angela Rehtanz (l.) und ihre Mutter Edith Schaeffer im Seniorenheim Haus Lennep. Für das Foto nahmen sie am Tisch Platz – natürlich auf Abstand. Foto: Doro Siewert
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Eigentlich trennt ein Plastikvorhang Angela Rehtanz (l.) und ihre Mutter Edith Schaeffer im Seniorenheim Haus Lennep. Für das Foto nahmen sie am Tisch Platz – natürlich auf Abstand.

Besuche in Senioreneinrichtungen sind seit Sonntag wieder erlaubt

Von Sabine Naber

Remscheid. Dass ihre Tochter ihr am Muttertag nach langem Besuchsverbot wegen des Coronavirus wieder gegenüber sitzen konnte, fand Edith Schaeffer wunderbar. Seit Mai vergangenen Jahres lebt die 82-Jährige im Seniorenheim Haus Lennep und ist es seitdem gewohnt, dass ihre Kinder sie regelmäßig besuchen. „Ich war sonst fast jeden Tag hier“, erzählt Schaeffers Tochter Angela Rehtanz. „Sie hat auch fast schon bei uns gewohnt“, scherzt Melanie Halscheid, Ergotherapeutin im Haus Lennep. Dann kam der Lockdown.

„Natürlich habe ich mir große Sorgen um meine Mutter gemacht. Aber wenn wir telefoniert haben, dann hat sie mir immer versichert, dass das nicht nötig sei“, sagt Rehtanz. „Umso ängstlicher man ist, umso schlimmer fühlt man sich“, fügt ihre Mutter Edith Schaeffer hinzu. Sie ist überzeugt: „Was man an Krankheiten kriegen soll, das kriegt man sowieso.“ Wenn es nach ihr gegangen wäre, dann hätte es mit der Öffnung der Altenheime ruhig noch ein bisschen länger dauern dürfen.

33 Besucher hatten sich gestern namentlich angemeldet

Ebenso wie ihre Tochter sieht auch sie die Entscheidung mit Skepsis. „Die Lockerungen kommen zu früh. Man hätte gut noch ein oder zwei Monate warten können“, sind sich beide einig. „Ich konnte ja in den vergangenen Wochen mit meiner Mutter telefonieren. Und sie zumindest hinter dem gekippten Fenster sehen und mit ihr sprechen“, sagt Rehtanz.

Gestern saß sie ihrer Mutter an einem breiten Tisch gegenüber, zwischen ihnen hing eine Plastikfolie von der Decke, beide mussten einen Mund-Nasenschutz tragen. Vorsorglich lagen Taschentücher bereit, falls nach den langen Einschränkungen ein paar Tränen der Freude, der Erleichterung fließen sollten. Sie blieben allerdings unbenutzt. „Schlimm finde ich an der Situation, dass schon so lange keine Massage, keine Fußpflege stattfindet und keine Friseurin herkommen darf. Aber inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt“, sagt die 82-Jährige.

33 Besucher hatten sich gestern im Haus Lennep zu einem Besuch angemeldet. Namen und Wohnort wurden von Heimleiterin Jutta Behrendes notiert. „Wir haben gemeinsam mit dem Bewohnerbeirat ein Besuchskonzept erarbeitet. Und mussten uns erst mal zurechtfinden, denn das ist ja eine Situation, die wir alle noch nicht erlebt haben.“ Bei all den Problemen, die durch Corona entstanden seien, gebe es auch schöne Erlebnisse. „Wir sind alle ein Stück zusammengewachsen. Nachbarn, Ehrenamtler oder auch die Gemeinde haben uns unterstützt.“ Von einigen ihrer 119 Bewohner habe sie den Satz gehört: „Wir haben doch schon ganz andere Sachen erlebt.“ Die meisten fanden das Besuchsverbot richtig. Nur wenige hätten sich schlecht damit abfinden können. Alle auch über die weiteren Lockerungen ab dem 11. Mai lesen Sie im Live-Blog.

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