Remscheider Linke überrascht mit Aussagen zur Nato

Colin Cyrus (r.) sprang für den verhinderten Direktkandidaten ein. Der Remscheider stellte sich den Fragen von Jürgen Sokoll. Foto: Michael Schütz
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Colin Cyrus (r.) sprang für den verhinderten Direktkandidaten ein. Der Remscheider stellte sich den Fragen von Jürgen Sokoll.

Vater geworden: Direktkandidat Shoan Vaisi sagt Gespräch in Lüttringhausen kurzfristig ab – Genosse springt ein

Von Peter Klohs

Es gibt gute Gründe, eine zuvor angenommene Einladung in letzter Minute abzusagen. Ein Baby zum Beispiel. Shoan Vaisi, Direktkandidat der Partei Die Linke im Wahlkreis 103, kam deshalb nicht ins katholische Freizeitheim zur Ökumenischen Initiative in Lüttringhausen. Der Kandidat aus Essen war am Abend zuvor Vater geworden.

Colin Cyrus sprang für ihn ein. Der Fraktionsgeschäftsführer der Linkspartei im Remscheider Stadtrat stellte sich den Fragen von Jürgen Sokoll, Fachpromotor für Fairen Handel im Eine-Welt-Netzwerk Nordrhein-Westfalen.

Cyrus kritisierte die nach seiner Meinung zu hohen Hürden, die integrationswilligen Flüchtlingen auferlegt würden, damit diese Deutschkurse besuchen können. „Das geht an den Lebensrealitäten dieser Menschen völlig vorbei“, befand der junge Politiker. „Einige der Fragen, die den Menschen gestellt werden, hätte selbst ich nicht beantworten können.“

Von Shoan Vaisi, der im Übrigen auf Listenplatz 12 seiner Partei realistische Chancen habe, als erster Flüchtling in den Bundestag einzuziehen, wusste Cyrus, dass Sport ein gutes Medium für Integration ist: „Shoan ist Ringer, er war Mitglied der iranischen Nationalmannschaft und versteht es, zu kämpfen.“

Die Billigproduktion von Lebensmitteln soll ein Ende haben

Cyrus erklärte im weiteren Verlauf des einstündigen Gesprächs, dass er schon oft in Weltläden zum Einkaufen war, dass seine Partei das Ende der Billigproduktion anstrebe – „vor allem im Lebensmittelbereich“ – und dass gerade dort eine richtige Wahl der Verbraucher nicht stattfinden könne.

„Man hat doch nur eine richtige Wahl“, befand er, „wenn man weiß, was es alles gibt. Und diese große Anzahl von Aufklebern an Lebensmitteln führt nicht zu Transparenz, sondern eher zu mehr Verwirrung“. Das Lieferkettengesetz, das die Unternehmen verpflichtet, auf die Produktionsbedingungen zum Beispiel auch in Schwellenländern einzuwirken, sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Aber auch nicht mehr.“

Bemerkenswert waren die Einlassungen des Remscheiders zu den außenpolitischen Ambitionen seiner Partei. „Wir stehen jetzt bei 6 Prozent. Außenpolitisch hätten wir in einer Regierung nichts zu melden.“ Dient sich da eine Partei als Koalitionspartner von SPD und Grünen an?“ Colin Cyrus klang ganz so: „Wir sind gegen Aufrüstung, ja. Aber ein uns immer wieder nachgesagter Austritt aus der Nato wird nicht Bestandteil einer möglichen Koalitionsvereinbarung sein, das ist sicher.“

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