Die Woche von Axel Richter

Remscheider haben andere Sorgen als Müll im Brunnen

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axel.richter@rga-online.de

Im gerade wieder plätschernden Allee-Brunnen hat irgendwer seinen Dreck hinterlassen.

Der CDU und ihrer OB-Kandidatin war das in dieser Woche eine Einladung zu einem Ortstermin für die Medien wert, und auch die Linkspartei hatte den Missstand bald als solchen erkannt und forderte als Gegenmaßnahmen zusätzliche Abfallkörbe, einen „Brunnenwart“ und die Präsenz des Ordnungsdienstes.

Nach einer aktuellen Mitteilung der Stadt gibt es von der Zange bis zum Markt auf der Alleestraße heute 110 Papierkörbe, am Markt sind es allein 44. Es mangelt mithin nicht an Entsorgungsmöglichkeiten. Wer dennoch mehr Mülleimer auf der Allee fordert, der sollte der Vollständigkeit halber die Bürger ebenfalls wissen lassen, dass der höhere Aufwand für die Entsorger am Ende auch zu höheren Abfallgebühren führen könnte. Mit anderen Worten: Die Idee bringt nicht nur nichts; sie ist auch noch teuer.

Zum Glück ist sie im Wahlkampf geboren, das heißt, die Chance ist groß, dass nichts daraus wird. Das gilt für so einige Vorschläge und Ankündigungen, die derzeit von den Parteien öffentlich lanciert werden. Sei es die SPD, die einen Skywalk in der Müngstener Brücke eröffnen möchte. Oder sei es die CDU, die in dieser Woche per Pressemitteilung wahlweise für eine Sommerrodelbahn oder eine Kletterhalle warb und darüber hinaus kämpfen will für einen Erlebnispfad mit Pflanzschule, einen Barfußpfad, einen Waldspielplatz und ein überdimensionales Klangspiel aus Holz.

Zur Erinnerung: Die hoch verschuldete Stadt Remscheid hatte vor Corona kein Geld, und sie hat mit Corona noch weniger als das. Schlimmer als das: Die Krise wird, das ist zu befürchten, noch vielen Remscheidern den sicher geglaubten Arbeitsplatz kosten. Der Automobilzulieferer Hydro, bei dem bis Ende des Jahres 128 Jobs auf dem Spiel stehen, ist möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs.

Das sind Sorgen, mit denen sich aktuell viele Familien in Remscheid beschäftigen. Die Frage, warum Müll im Brunnen schwimmt, sollte dagegen ebenso verblassen wie Skywalks und Rodelbahnen. Im Wahlkampf 2020 verlangen die Menschen nach Antworten auf existenzielle Fragen. Nicht nach Politikern, die sich darüber beklagen, dass im Brunnen Müll schwimmt. Und nicht nach Politikern, die ihnen Luftschlösser bauen, die am Ende doch niemand bezahlen kann.

TOP Berufsbildungszentrum: Die Remscheider Industrieunternehmen bieten ihren Auszubildenden modernste Arbeitsplätze mit Zukunft.

FLOP Bußgeldkatalog: Das neue Regelwerk lässt Behörden und Temposünder lange im Ungewissen. Nun steht fest: Die Autofahrer dürfen den Lappen behalten.

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