Unterhaltung

Remscheider Comedian sorgt auch auf Kreuzfahrtschiffen für gute Laune

Seit 2010 steht er auf der Bühne: Sascha Thamm begann als Poetry-Slammer.
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Seit 2010 steht er auf der Bühne: Sascha Thamm begann als Poetry-Slammer. Foto:  Anette Hammer
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Comedian Sascha Thamm war bei starkem Seegang der Retter in der Not. Das Corona-Jahr 2020 war für ihn allerdings nicht einfach.

Remscheid. Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Sascha Thamm dies ausgerechnet in Corona-Zeiten widerfuhr. Seit Juni 2021 sorgt der Remscheider Comedian auch auf Kreuzfahrtschiffen für gute Laune. Mit der „Mein Schiff“ (TUI) schipperte er seither vier Mal in Skandinavien, dem Baltikum, im Mittelmeer und auf einem Törn von Mallorca nach Hamburg. In einer Zeit, in der Reisen eher weit weg waren, verdiente der 49-Jährige dort sein Geld, wo er zur Erholung noch nie war.

Nach der Show lag mir der Kreuzfahrtdirektor in den Armen.

Sascha Thamm, Comedian

Thamm genoss die Zeit an Bord, präsentierte abends aus seinem Solo-Programm „Gesammelte Abrissbirnen“ das Beste. 250 Gäste fasst der kleine Saal auf der „Mein Schiff“, 1000 das große Theater. Dort einmal das Publikum gerockt zu haben, empfindet er wie einen Ritterschlag. „Es war bei der letzten Tour vor Portugal. Im Atlantik hatten wir starken Wellengang und die Gala-Show wurde für die Künstler zu gefährlich. Der Kreuzfahrtdirektor sagte sie aus Sicherheitsgründen ab und fragte mich eine Minute vor meinem Auftritt auf der Kleinkunstbühne, ob ich danach auf der großen Bühne einspringen könne. Ich überlegte nicht lange, eine solche Chance kriegst du nicht so oft. Ich stand vor 550 Leuten, bekam Standing Ovations. Der Direktor lag mir nach dem Auftritt in den Armen mit den Dankesworten: Du hast uns den Samstagabend gerettet.“

Im Corona-Jahr 2020 suchte er sich andere Beschäftigungen

Sascha Thamm freut sich, dass er einer der ersten Ex-Poetry-Slammer ist, die für die Unterhaltung auf See angefragt wurden. Ein Standbein ist es noch nicht geworden, aber eine schöne Abwechslung allemal. Ist auch nett, tagsüber in Ruhe die Landgänge mitmachen zu können. Ansonsten war Corona lähmend. Anfangs trudelten in seinem E-Mail-Postfach serienweise Ausfälle von Veranstaltungen ein. „Die erste Absage 2020 war der WDR-Literatur-Marathon. Irgendwann herrschte Leere, mein Terminkalender war blank.“ Thamm nutzte die freie Zeit, um sein Haus in Nüdelshalbach auszumisten. Vom Speicher arbeitete er sich runter in den Keller. „Ich habe mein Leben durchsortiert, viel Ballast abgeworfen.“

Für Kreatives war sein Kopf lange nicht frei. Für Bühnenpräsenz vor dem Bildschirm auch nicht. „Ich bin nicht der Typ, der seine Aktivitäten ins Digitale verlagert.“ Eine Lesung hielt er bei Instagram. „Nach einer Stunde Online-Unterhaltung habe ich mein Laptop zugeklappt und mir geschworen: nie wieder.“ Ein Freund sozialer Medien wird Thamm nicht werden. Die 9000 Euro Soforthilfe vom Staat erhielt er, muss sie aber zurückzahlen. „Zum Glück habe ich keinen Riesenapparat am Bein, aber man konnte zusehen, wie mein Erspartes weniger wurde.“ Mangelnde Einkünfte glich er mit zunehmender Fitness aus. „Ich erhole mich beim Wandern und Laufen mehr als auf dem Sofa.“

2021 kehrte seine Kreativität zurück

Im zweiten Jahr der Pandemie kehrten die künstlerischen Ideen zurück. Viel schrieb er, feilte an Texten. Mit den ersten Open Airs 2021 im Sommer kamen Termine rein, die erneut verschoben wurden. Mittlerweile ist er bis Ende 2022 gut durchgebucht mit Mixed- oder Einzelshows. Von einem Besucher-Boom nach Corona kann aber keine Rede sein. „Alle Kollegen bestätigen, dass der Vorverkauf zäh läuft. Das ist vielleicht bei den Schwergewichten der Branche anders, aber bei den Kleinen auffällig.“ Beim Warum kann Sascha Thamm nur spekulieren: „Vielleicht sind die Menschen zu bequem geworden und müssen erst wieder lernen, Kultur zu genießen.“

Jede Menge Termine bis November

Bis in den November hat Sascha Thamm jede Menge Auftritte, hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen. Remscheid ist nicht darunter. Am 13. Juli hat er eine TV-Aufzeichnung in Leipzig für „Olafs Klub“, eine MDR-Show mit Olaf Schubert. Der 49-jährige Komiker, der früher beruflich als Zahntechniker unterwegs war, hat zwei Bücher veröffentlicht: „Dynamitfischen in Venedig“ (2014) und „Wildwasser-Rafting im Nichtschwimmerbecken“ (2020) Hinzukommt die Audio-CD „Gesammelte Abrissbirnen“ (2015). Sein Buchverlag ist Lektora (Paderborn), seine Künstleragentur Moma (Düsseldorf).
www.thamfish.de

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