Galerie Rouge

Zwilling-Logo zählt zu seinen Arbeiten

Arno Mersmann (rechts) zeigt in der Galerie Rouge in Lennep Arbeiten des Grafikers Wilhelm Winterschlade, der zu den Vertretern der „Neuen Sachlichkeit“ zählt, aus. Ruppert Winterschlade bedauert, dass er sich nicht früher für die Arbeiten seines Vaters interessiert hat. Foto: Roland Keusch
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Arno Mersmann (rechts) zeigt in der Galerie Rouge in Lennep Arbeiten des Grafikers Wilhelm Winterschlade, der zu den Vertretern der „Neuen Sachlichkeit“ zählt, aus. Ruppert Winterschlade bedauert, dass er sich nicht früher für die Arbeiten seines Vaters interessiert hat.

Die Galerie Rouge zeigt Arbeiten von Wilhelm Winterschlade – Grafiker der „Neuen Sachlichkeit“

Von Stephanie Licciardi

Remscheid. Mit einer Staffelei auf dem Alter Markt fing alles an. Arno Mersmann war in seine Skizzen der alten Häuserfassaden vertieft, als ihn ein Mann ansprach. Dieser meinte zu ihm „Mein Vater hat auch Bilder von Lennep gemalt.“ Dieser Mann heißt Ruppert Winterschlade. Er ist ein alteingesessener Lenneper Jong, doch mit Kunst habe er, wie Ruppert Winterschlade gesteht, nicht viel am Hut. „Obwohl mein Vater einst Grafiker war.“

Wilhelm Winterschlade, Jahrgang 1908, war einst ein bekannter Grafiker der „Neuen Sachlichkeit“. Ihre Spuren hat diese Stil- und Kunstrichtung vor allem in der Gebrauchsgrafik der Weimarer Republik (1918 bis 1933) und in den 1930er Jahren hinterlassen.

Ruppert Winterschlade hat erst spät begonnen, sich mit dem Werk seines Vaters auseinanderzusetzen. „Das war kurz nach dem Tod meiner Mutter. Aber viel erzählt hat mein Vater eigentlich nie.“ Im Nachhinein, wenn Winterschlade junior die Drucke, Grafiken und Zeichnungen betrachtet, tue es ihm leid, nicht mehr nachgefragt zu haben. „Heute hätte ich viel, viel mehr Fragen an ihn.“

Nach der Schriftsetzerlehre die Barmer Gewerbeschule besucht

Der Geschichte von Winterschlade senior hat sich Arno Mersmann vorgenommen. Der Remscheider ist nicht nur an Kunst interessiert, sondern arbeitet so manche längst vergessene Besonderheit der Remscheider Geschichte auf. „Es ist ein reiner Zufall, dass ich auf den Lenneper Grafiker gestoßen bin“, erzählt Arno Mersmann.

Ruppert Winterschlade: „Mein Vater erlernte zunächst das Handwerk eines Schriftsetzers bei der Druckerei Müller, die einst am Bismarckplatz lag. Doch er verspürte bereits in jungen Jahren, dass er mehr wollte und wandte sich der Grafik zu.“ Die war in jenen Jahren gekennzeichnet von klaren und strengen Formen, die sich vollkommen von den verspielt-schnörkeligen Werbebannern der Kaiserzeit abwandte.

Winterschlades nächste Station war die Barmer Gewerbeschule, an der er sich von Schriftspezialist Hans Schreiber in die hohe Kunst der Schrift einweihen ließ. Sein nächstes Ziel war Magdeburg. „Doch an der dortigen Schule sagten die Lehrer dem damals 24-jährigen nur ‚Was wollen wir Ihnen noch beibringen; Sie beherrschen doch schon alles‘“, schildert Ruppert Winterschlade. „Und so lehrte mein Vater dort zunächst selbst.“

Neben Grafiken entwarf Wilhelm Winterschlade auch Zeichnungen

Auch Aufträge ließen nicht lange auf sich warten. 1931 entwarf der erfolgreiche Grafiker, zu dessen Kollegen neben Wilhelm Deffke und Mies van der Rohe auch Bauhaus-Künstler zählten, ein Stadtwappen für Wuppertal.

Die Gebrauchsgrafik nahm in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg an Fahrt auf. Ein Logo für den Lenneper Zigarrenladen von Erich Winterhagen entwarf Wilhelm Winterschlade ebenso wie das berühmte Zwilling-Logo der gleichnamigen Solinger Firma.

Neben Grafiken entstanden auch Zeichnungen, die noch heute im Familienbesitz sind. Nicht nur seiner Heimatstadt setze Winterschlade ein Denkmal, auch Aufenthalte in Lübeck und an der Ostsee hielt er in Bildern fest.

Künstler kehrte erblindet aus dem Krieg zurück

Doch der Zweite Weltkrieg, in den Wilhelm Winterschalde als Soldat zog, machte seine Berufung zunichte. „Mein Vater kehrte erblindet aus dem Krieg zurück.“ Seinem Gespür für Kunst ging er nach dem Krieg weiter nach. In den kommenden Jahren entstanden kleinere Mosaikarbeiten. Einige dieser Arbeiten, ein ausklappbarer Teetisch aus grünen, blauen und weißen Mosaiken ist Teil der Ausstellung in der Galerie Rouge.

„Obwohl mein Vater erblindet war, hat er sein Gespür für Formen behalten“, sagt Ruppert Winterschlade. „Er hat schon eine Menge geschaffen, und er war ein genialer Mensch, der immer wieder Ideen umsetze, etwas Neues zu erschaffen.“

Grafiker der Neuen Sachlichkeit

Zur Gebrauchsgrafik, zählen Buch- und Druckgrafik, Schriftkunst und Typographie, Briefmarken oder Filmplakate sowie Werbegrafiken. Die Neue Sachlichkeit war eine Kunstströmung der Weimarer Republik, die sich durch klare Formen und Darstellungen von der Kunst der Kaiserzeit abhob.

Lenneper Grafiker: Die Ausstellung über Wilhelm Winterschlade (1908-1994) ist vom 9. April bis 9. Mai in der Galerie Rouge, Kraspütt 9, donnerstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr zu sehen. Anmeldungen bei Arno Mersmann telefonisch unter Tel. 0176 326 101 13.

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