Prozess am Landgericht

Zwei Jahre Jugendhaft für Angriff mit Messer

Landgericht Wuppertal
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Das Landgericht in Wuppertal.

Ein Streit unter Zimmernachbarn eskalierte.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Nach einem hoch gefährlichen Messerangriff in einer Remscheider Unterkunft für Geflüchtete muss ein 20 Jahre alter Angeklagter ins Gefängnis. Er habe sich im Streit mit seinem Zimmernachbarn eingeschlossen, seinen Gegner zunächst geschlagen und ihm schließlich Schnittverletzungen zugefügt. Das Landgericht Wuppertal verurteilte den Heranwachsenden nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren Haft, ohne Bewährung.

Eine Anklage wegen versuchten Totschlags erwies sich als nicht tragfähig. Die hatte die Staatsanwaltschaft erhoben. Der vorsitzende Richter stellte klar: „Formal ging der Streit ums Rauchen auf dem Zimmer, letztlich ging es darum, wer dort das Sagen hat.“

Dem Urteil zufolge wohnte der 20-Jährige länger in der Einrichtung als der Geschädigte. Der ist nach unterschiedlichen Angaben 17 oder 20 Jahre alt, war neu eingezogen und soll sich mehrfach über den Angeklagten beschwert haben. Beide haben keine gemeinsame Sprache. Sie sollen bis zur Tat am Nachmittag des 18. November 2020 den Namen des jeweils anderen nicht zu nennen gewusst haben.

Das Gericht geht davon aus, dass der Angeklagte während der Auseinandersetzung ein langes Küchenmesser griff. Er habe damit versucht, seinen Gegner in den Hals zu stechen. Der habe dagegen gehalten.

In dem Moment soll der Hausmeister die Zimmertür geöffnet haben. Er war durch Lärm und Hilferufe aufmerksam geworden. Mit weiteren Unterstützenden aus dem Haus habe er sich mitten im Kampfgeschehen befunden, als die Tür auf war. Helfer trennten die Gegner, bis die Polizei eintraf.

Gegen einen Tötungsversuch spricht aus Sicht des Gerichts der Ablauf des Streits, erläuterte der vorsitzende Richter in der vorläufigen Urteilsbegründung: „Das Geschehen war sehr dynamisch, stand im Zusammenhang mit einer Prügelei und hatte den Hintergrund eines Revierstreits.“

Der Angeklagte ist wegen Körperverletzung vorbestraft. Eine Gerichtspsychiaterin stellte bei ihm eine Persönlichkeitsstörung fest – nach Schlägen als Kind durch den Vater, fünf Jahren Leben auf der Straße im Iran seit dem Alter von zehn Jahren und die Flucht nach Deutschland 2016. Der 20-Jährige steht laut Gericht in seiner Entwicklung einem Jugendlichen näher als einem Erwachsenen.

Der Angeklagte sagte, er bedaure, was geschehen ist.

Corona verändert auch die Arbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten. Beispielsweise hat das für diese Region zuständige Amtsgericht Wipperfürth hat alle Strafgerichtsprozesse bis Juni ausgesetzt. 

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