Die Wochen der älteren Generation

Zwei Beiräte zoffen sich um einen Kochabend für Senioren

Erden Ankay-Nachtwein vom Integrationsrat wundert sich über die Erklärung des Seniorenbeirates. Archivfoto: Roland Keusch
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Erden Ankay-Nachtwein vom Integrationsrat wundert sich über die Erklärung des Seniorenbeirates.

Die Wochen der älteren Generation sorgen zurzeit für Krach zwischen dem Integrationsrat und dem Seniorenbeirat.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ein geplanter Kochabend für Senioren sorgt für Knatsch zwischen zwei politischen Gremien. Der Integrationsrat fühlt sich vom Seniorenbeirat vor den Kopf gestoßen, weil sein Beitrag zu den Wochen der älteren Generation abgelehnt wurde. Grund seien allein die geltenden Regularien, betont der Seniorenbeirat. Inzwischen vermittelt der Oberbürgermeister in dem Fall.

„Es entsteht schon der Eindruck, als ob man uns nicht wollte“, sagte Jutta Velte, für die Grünen im Integrationsrat, bei der Sitzung am Dienstag. Sie sei „fassungslos“ meinte gar Yurdakul Kaya (SPD): „Von Migranten wird verlangt, dass sie kooperieren. Und dann wird ein solches Angebot einfach abgelehnt.“

Anfang März hatte der Integrationsrat, der sich um die Belange von Remscheidern mit ausländischen Wurzeln kümmert, einstimmig beschlossen, an den Wochen der älteren Generation teilnehmen zu wollen. Unter dem Namen „Wir kochen und genießen gemeinsam“ möchten Mitglieder des Beirates zusammen mit Besuchern unterschiedliche internationale Gerichte zubereiten.

Doch der Seniorenbeirat, der die Aktionswochen mit dem zuständigen Fachdienst veranstaltet, nennt das eine „einseitigen Willenserklärung“ – ohne einen entsprechenden Beschluss durch die Interessensvertretung der Remscheider ab 60 Jahre sei eine gemeinsame Veranstaltung nicht möglich. „Wenn uns etwas direkt tangiert, wollen wir auch unser Votum dazu abgeben“, sagt Gundula Michel (CDU), Vorsitzende des Seniorenbeirates, im Gespräch mit dem RGA.

Doch genau das sei in diesem Fall nicht möglich. Die letzte Sitzung des Seniorenbeirates habe es am 8. März vormittags gegeben, wenige Stunden vor der Sitzung des Integrationsbeirates, bei der dieser seine Teilnahme beschloss. Die nächste sei für den 10. Juni geplant – da sei das Programm der Aktionswoche längst beschlossen.

Auch andere Vorschläge sind gestrichen worden

„Das heißt absolut nicht, dass wir nichts zusammen mit dem Integrationsrat veranstalten wollen“, betont Gundula Michel. Aber es gebe bestimmte Regularien, die einzuhalten seien. Auch andere Vorschläge seien bei der Zusammenstellung des Programms gestrichen worden. „Vieles davon kann man sicherlich fürs nächste Jahr noch einmal ins Auge fassen.“

Veranstalter aller Aktionen im Rahmen der Wochen der älteren Generation sei der Seniorenbeirat, sagt Gundula Michel. Eine Ausnahme gebe es nur für die beliebte „Fahrt ins Blaue“, die aber pandemiebedingt auch in diesem Jahr wieder ausfallen muss. Darum hätten sich in der Vergangenheit meist Caritas oder Diakonie gekümmert, berichtet die Vorsitzende des Seniorenbeirates. Ob es dazu dereinst einen einzelnen Beschluss des Gremiums gegeben habe, sei ihr nicht bekannt: „Das ist gelebte Praxis seit vielen Jahren.“

Dass es allein an einem fehlenden Beschluss des Seniorenbeirats hängen soll, ist für den Integrationsrat offenbar keine schlüssige Erklärung, wie dessen Vorsitzende Erden Ankay-Nachtwein (SPD) bei der letzten Sitzung deutlich machte. Ähnlich sah das auch Jutta Velte: „Die Teilnahme an einer Veranstaltung muss doch kein Beirat beschließen.“

Ein Gespräch von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz mit den beiden Vorsitzenden brachte kein Ergebnis. Doch der OB will dran bleiben: „Das müssen wir vom Tisch bekommen, so schwierig dürfte das nicht sein.“

Von den Ergebnissen dieses Vermittlungsversuchs will der Integrationsrat seinen geplanten Kochabend mit bis zu 25 Teilnehmern aber nicht abhängig machen. Man werde die Veranstaltung so oder so durchziehen, betonte Ankay-Nachtwein. Egal, ob sie im Programm der Aktionswoche zu finden sei oder nicht. Derweil lädt der Seniorenbeirat ausdrücklich auch ältere Menschen mit Migrationshintergrund zu den Wochen der älteren Generation vom 29. September bis zum 9. Oktober ein: Die Veranstaltungsreihe sei ausdrücklich für alle Seniorinnen und Senioren in Remscheid gedacht.

Standpunkt: Rauft euch zusammen!

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey @rga.de

Als ob der Oberbürgermeister nicht ganz allgemein und in Zeiten der Pandemie im Besonderen genug anderes zu tun hätte, kümmert er sich nun also auch noch um den Zoff zwischen zwei Beiräten, der ein wenig anmutet als ob da statt Vertretern von Migranten und Senioren eher Kinder im Sandkasten miteinander streiten. Der Seniorenbeirat will selber entscheiden, wer in seiner Kiste mitbuddeln darf. Der Integrationsrat ist beleidigt, weil niemand zum angebotenen Förmchen greift. Wenn es dafür wirklich keine praktikable Lösung gibt, wenn unser politisches System wirklich so verfahren ist, dass man das nicht doch noch hinbekommt, dann haben wir ganz andere Probleme als einen Kochabend. Wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Diese Kuh müssen die Verantwortlichen nun doch noch vom sprichwörtlichen Eis bekommen. Sonst droht nicht nur ein Misstrauensverlust zwischen den Beiräten, sondern auch ein grundsätzliches Problem für die Politik im Allgemeinen innerhalb der Bevölkerung. Also bitte: Rauft euch zusammen!

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