Westdeutsches Tourneetheater

Zuschauer sehen tolle Livestream- Premiere

Björn Lukas glänzte in seiner Rolle, die nicht eindeutig erkennen ließ, ob er einen Menschen oder ein Tier verkörperte. Foto: Roland Keusch
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Björn Lukas glänzte in seiner Rolle, die nicht eindeutig erkennen ließ, ob er einen Menschen oder ein Tier verkörperte.

Das WTT geht neue Wege mit „Kafkas Tiere“.

Von Sabine Naber

Remscheid. Zum ersten Mal hat das Westdeutsche Tourneetheater (WTT) am Freitag- und Samstagabend eine ihrer Produktionen im Livestream gezeigt. Eine geglückte Premiere. Für diese Inszenierung von „Kafkas Tiere“, ein Ein-Personen-Stück, mit dem der Schauspieler Björn Lukas bereits 2014 auf der Bühne des kleinen „Theaters im Studio“ an der Remscheider Bismarckstraße gestanden hatte, musste das Team um WTT-Intendantin Claudia Sowa, was die technische Umsetzung anbelangt, viel Neues dazu lernen. Abgesehen davon, dass die Internetleitung aufgerüstet wurde, mussten auch Laptops und Kameras angeschafft werden.

Für die Veranstaltungstechniker Kim Preyer und Nils Blumenschein schien der Umgang mit den neuen Gerätschaften kein Problem zu sein. Das rund eine Stunde dauernde Kammerspiel flimmerte in einer großartigen Inszenierung über den Bildschirm im heimischen Wohnzimmer.

Wenn auch überzeugten Theaterbesuchern sicherlich die besondere Atmosphäre im familiär anmutenden Saal des kleinen Theaters, die Gespräche mit Gleichgesinnten im Anschluss und nicht zuletzt die im WTT übliche Premierenfeier fehlte – was an den beiden Abenden gezeigt wurde, war perfekt. Sowohl Ton, als auch Licht und Einspielungen – alles klappte wunderbar.

Björn Lukas glänzte in seiner Rolle, die nicht eindeutig erkennen ließ, ob er einen Menschen oder ein Tier verkörperte. Zunächst zeigte der Protagonist per Overhead-Projektion die pfiffig ausgeklügelte Lage und Konstruktion seines unterirdischen Baus mit Gängen, Zimmern und Plätzen und kommentierte sein Werk voller Stolz: „Ich habe den Bau eingerichtet, und er scheint wohlgelungen.“ Dann hebt sich der Vorhang und das Bauwerk wird sichtbar. Die anfängliche Zufriedenheit, ein abgesichertes, behagliches Zuhause und einen bis ins kleinste Detail abgesicherten Wohnsitz zu haben, schlägt allerdings schnell bei ihm um. Zweifel, ob er alles richtig gemacht hat, die Angst vor der verzehrenden Wirkung der Sorgen, und die Panik, irgendwann den Ausgang versperrt vorzufinden, plagen ihn.

Ein gut gewähltes Bühnenbild

Die Gefahr, die allein in seinem eigenen Gehirn entstanden ist, spiegelt das Chaos wieder, das ihn am Ende umgibt. Er sammelt Vorräte, erfreut sich an der Menge, verteilt sie und hat doch das Gefühl, sie seien nicht ausreichend.

Das Bühnenbild mit seinen unterschiedlich großen, weißen Kisten ist gut gewählt. Völlig außer Atem schiebt der Protagonist sie zusammen, stapelt sie, lässt die Barrikaden immer enger und den zunächst offen angelegten Burgplatz verschwinden. Kurze Toneinspielungen anderer, tierbezogener Kafka-Texte wie: „Ach“, sagt die Maus. „Die Welt wird jeden Tag enger und in der Ecke steht schon die Falle, in die ich laufen soll.“ „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, antwortet die Katze. Und frisst die Maus.

Ein vieldeutiges Theaterstück, das an Aktualität nichts verloren hat, obwohl Franz Kafka es bereits vor knapp einhundert Jahren geschrieben hat. Der Plan des WTT-Ensembles, das Streaming auch nach Corona-Zeiten als Ergänzung anzubieten, hat sicherlich Zukunft.

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