Weihnachten

Zum Verschenken: Vom Thriller bis Wirtschaftsmärchen

Von Nadja LehmannAlles beginnt mit einem „Elefäntle“, das Margarete Steiff näht. 1879 ist sie Filz-Schneiderin in ihrem Geburtsort Giengen auf der schwäbischen Ostalb. Das „Elefäntle“ ist ein Nadelkissen, ein praktisches Geschenk für die Schwägerin. Doch das kleine Tier beweist schnell, dass noch weit mehr in ihm steckt: „Muss alles einen Nutzen haben? Die Kinder haben es sofort erkannt. Ich bin ihr Freund.“ Es ist die Geburtsstunde der Tiere mit dem „Knopf im Ohr“: Warmherzig erzählt Maren Gottschalk von der an Kinderlähmung erkrankten Margarete Steiff, die das Leben liebt, zur Unternehmerin wird und über sich sagt: „Ich bin nicht krank. Ich kann bloß nicht laufen.“ < Fräulein Steiff, Maren Gottschalk, 416 Seiten, Goldmann, 978-3442315949, 24 Euro
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„Fräulein Steiff“ von Maren Gottschalk, 416 Seiten, Goldmann, 978-3442315949, 24 Euro.
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RGA-Redakteurinnen und -Redakteure stellen ihre persönlichen Literaturempfehlungen vor.

Von Axel Richter

Remscheid. In „Never – Die letzte Entscheidung“ beschreibt Ken Follet den Weg in den Dritten Weltkrieg. Aktueller und beängstigender könnte ein Buch kaum sein. Ich habe es verschlungen, wie zuvor Juli Zehs „Über Menschen“. Für heimelige Stunden unter dem Weihnachtsbaum aber eignet sich die Welt am atomaren Abgrund ebenso wenig wie der Nazi-Nachbar am brandenburgischen Gartenzaun. Was zu Herzen Gehendes sollte es deshalb von mir sein. Und auch ein bisschen was mit Kitsch.

Hier präsentiert die RGA-Redaktion Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ihre Buchempfehlungen aus dem zu Ende gehenden Jahr 2022. Krimis sind dabei, die Wirtschaftsgeschichte unseres Landes, Sportliches und etwas, das sowohl Papa Gunnar als auch Hannes und Michel gern vorgelesen bekommen. Vielleicht ist etwas für Sie dabei und die ein oder andere Geschichte findet sich unter dem Weihnachtsbaum wieder. Wenn ja, dann lassen Sie uns doch später wissen, wie das Buch angekommen ist.

Noch ein Wort zu den Flusskrebsen: In diesem Jahr kam auch der Film in die Kinos. Wie er ist? Keine Ahnung. Am Ende ist das Buch doch immer besser.

Daher kommt der „Knopf im Ohr“

Von Nadja Lehmann

Alles beginnt mit einem „Elefäntle“, das Margarete Steiff näht. 1879 ist sie Filz-Schneiderin in ihrem Geburtsort Giengen auf der schwäbischen Ostalb. Das „Elefäntle“ ist ein Nadelkissen, ein praktisches Geschenk für die Schwägerin. Doch das kleine Tier beweist schnell, dass noch weit mehr in ihm steckt: „Muss alles einen Nutzen haben? Die Kinder haben es sofort erkannt. Ich bin ihr Freund.“

Es ist die Geburtsstunde der Tiere mit dem „Knopf im Ohr“: Warmherzig erzählt Maren Gottschalk von der an Kinderlähmung erkrankten Margarete Steiff, die das Leben liebt, zur Unternehmerin wird und über sich sagt: „Ich bin nicht krank. Ich kann bloß nicht laufen.“

Mythos in Pulverform

Von Sven Schlickowey

„Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen“ von Ulrike Herrmann, 320 Seiten, Westend, ISBN 978-3864892639, 12 Euro.

Gerade erst war Ulrike Herrmann mit ihrem aktuellen Bestseller „Das Ende des Kapitalismus“ in der Remscheider Stadtbibliothek zu Gast – ich lese aber noch am Vorgänger. Und das schon zum zweiten Mal.

Denn die renommierte Wirtschaftsjournalistin wirft in „Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen“ einen Blick auf die Geschichte der Bundesrepublik, wie es vor ihr vermutlich noch niemand sonst getan hat, und schreibt dabei ein Buch, das so unterhaltsam wie lehrreich und interessant ist. Und – ganz nebenbei – manchen liebgewordenen Mythos geradezu pulverisiert. Das hat eine zweite Runde verdient.

Weihnachtsgeschichte einmal anders

Von Gunnar Freudenberg

„Wer das Christkind beschützte“ von Annette Langen, 40 Seiten, Coppenrath, ISBN 978-3649623212, 14 Euro.

Mit eigenen Kindern erlebe ich das Weihnachtsfest ganz anders als noch vor einigen Jahren – oder gar als Kind. Es ist eben alles immer eine Frage der Perspektive. Genau damit spielt das wunderschön illustrierte Kinderbuch „Wer das Christkind beschützte“ von Annette Langen.

Viele Tiere waren in der Nacht, in der das Christkind geboren wurde, zugegen: Ochs, Esel, Schafe – doch die kleine Spinne, die ein Netz zwischen den Ohren des Esels spinnt, spielt erst in diesem Buch eine Rolle. Auf eine schnoddrige, aber sehr witzige Art erzählt sie die Weihnachtsgeschichte aus ihrer Sicht. Überraschend und faszinierend!

Mit Mitgefühl und Ergriffenheit

Von Axel Richter

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens, 464 Seiten, Heyne, ISBN 9783446264199, 11,99 Euro.

Ich mag keine Krimis. Liebesgeschichten auch nicht. Der Gesang der Flusskrebse ist eine Mischung aus beidem. Dass ich die Geschichte empfehle, soll also was heißen. Es geht um Kya, die als Kind erst von der Mutter, dann von allen Geschwistern verlassen wird und sich mit ihrem nichtsnutzigen Vater herumschlagen muss, bis auch der verschwindet.

In der Sumpflandschaft North Carolinas muss sie sich danach allein behaupten. Man verfolgt das Schicksal des Mädchens mit einer Mischung aus Mitgefühl und Ergriffenheit. Bis hinein in einen Gerichtsprozess, in dem es um die Frage geht, ob die Außenseiterin nicht doch zur Mörderin wurde.

Eiskalter Krimi aus Dänemark

Von Leon Hohmann

„Winterland“ von Kim Faber und Janni Pedersen, 624 Seiten, Blanvalet, ISBN 978-3-7645-0724-4, 15 Euro.

Das ist was für Krimifans, denen manche Geschichte aus dem hohen Norden etwas zu viel ist: Entdeckt im Sommer, ist „Winterland“ als Auftakt einer Krimireihe um die dänischen Ermittler Martin Juncker und Signe Kristiansen für mich eher eine Lektüre für gemütliche Wintertage.

Eigentlich arbeiten die Polizisten an unterschiedlichen Fällen: einem spektakulären Mord und am Attentat auf den Kopenhagener Weihnachtsmarkt – doch plötzlich laufen die Fäden zusammen. Spannend, unterhaltsam, kurzweilig. Auf „Winterland“ folgten bereits „Todland“ (beide 2021 erschienen) und „Blutland“ (2022) vom Bestseller-Autorenduo Kim Faber und Janni Pedersen.

„Kauz“ Tuchel liefert immer

Von Andreas Dach

„Thomas Tuchel“ von Daniel Meuren/Tobias Schächter, 196 Seiten, Die Werkstatt, ISBN 978-3-7307-0466-0, 22 Euro

Für mich ist Thomas Tuchel der Beste seines Fachs. Er kann motivieren wie Jürgen Klopp, taktieren wie Pep Guardiola. Das Gesamtpaket stimmt bei dem Mann, der den FC Chelsea zum Champions-League-Sieger gemacht hat und keinesfalls zufällig für das Amt des Nationaltrainers in England gehandelt wird.

Die Autoren zeichnen das Bild eines Fußballbesessenen nach: Mal ist er stur, mal kauzig, mal launisch. Wer ihn verpflichtet, muss sich auf ihn einlassen. Muss ihm Vertrauen schenken, seine wechselnden Stimmungen aushalten. Dann liefert der Unterschiedstrainer. Immer und überall. Ich bin gespannt, wer sich als Nächster traut, sich davon zu überzeugen.

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