Kultureinrichtung

Die Zukunft der Denkerschmette ist ungewiss

Die Denkerschmette steht für Vielfalt: Auch Gedächtnistraining für Senioren wird in dem nostalgischen Veranstaltungsraum angeboten. Archivfoto: Michael Sieber
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Die Denkerschmette steht für Vielfalt: Auch Gedächtnistraining für Senioren wird in dem nostalgischen Veranstaltungsraum angeboten.
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Im Vorstand des „Treffs“ kündigt sich nach 20 Jahren ein Umbruch an - Reinhard Ulbrich sucht Nachfolger und finanzielle Unterstützer.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Denkerschmette steht am Scheideweg. Ausgerechnet im Jahr ihres 20-jährigen Bestehens ist die Zukunft der Kultureinrichtung ungewiss. Finanziell wie personell ist es für den Kulttreff an der Kippdorfstraße so eng wie noch nie. Vorsitzender Reinhard Ulbrich sucht nach Lösungen, nachdem er und Kassenwartin Christa Müller angekündigt haben, kürzer zu treten.

Weil die Nachfolge in der Führungsetage ungeklärt ist und das stark sponsorenabhängige Kontovolumen gerade noch für sechs Monate reicht, steht es Spitz auf Knopf. Zum 30. April hat der Vorstand vorsorglich den Mietvertrag gekündet. Im Mai hätte das kleine Jubiläum gefeiert werden sollen, das wegen Corona verschoben werden muss.

Durch die Krise kam der Verein bislang erstaunlich gut. Die laufende Miete, Nebenkosten und Versicherungen in Höhe von 1500 Euro monatlich konnten immer aufgebracht werden. Die staatliche Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro, die die Denkerschmette im Frühjahr 2020 beantragt hatte und sofort floss, hat der Verein wohlweislich bis heute nicht angerührt. „Weil wir die Befürchtung hatten, dass wir die Unterstützung vielleicht zurückzahlen müssen“, meint Ulbrich. So könnte es kommen, weil die Bildungsstätte höhere Spenden erhält, die als Einnahmen betrachtet werden. „Unser Steuerberater sagt, dass wir eventuell 2500 Euro behalten können, die aber versteuert werden müssten“, macht Reinhard Ulbrich klar.

In den zwanzig Jahren seit der Gründung wurde die Denkerschmette neben den Einnahmen im Vereinsleben durch die Treue von Sponsoren getragen. „Ohne Sparkasse, Dr. Walter Spelsberg und später Richard Bremicker hätten wir nicht überlebt.“ Der ehemalige Oberbürgermeister, mit Christa Müller das Urgestein aus den Gründungszeiten, kämpft dafür, dass es weitergeht. „Wir haben jetzt drei Monate um einen funktionsfähigen neuen Vorstand zu finden“, sagt Ulbrich. „Die Verantwortung ist nicht gerade klein, weil man oft finanziell am Limit arbeitet, aber es lohnt sich für diesen Verein.“

„Ich bin überzeugt, dass es bundesweit eine einmalige Einrichtung ist.“
Reinhard Ulbrich, Vorsitzender

Seine Überlegungen fokussiert Ulbrich nicht nur auf Einzelpersonen, sondern dehnt sie mittlerweile auf Institutionen wie Awo oder Caritas aus und Sportvereine, in die die Schmette integriert werden könnte. Gespräche laufen. In die eine, wie in die andere Richtung. „Mittlerweile bin ich optimistisch, dass es weitergeht.“

Freigeist Reinhard Ulbrich rief den unkonventionellen Treff nach seiner OB-Tätigkeit 2001 ins Leben. Keinesfalls, wie damals die Konservativen argwöhnten, um eine rote Kaderschmiede zu gründen. In der Schmette wurde und wird bis heute im positiven Sinne gestritten, Meinungen ausgetauscht. Ulbrich denkt gerne an die einmal monatlich mittwochabends stattfindenden Presseclubs, in denen zehn Jahre die Argumente heiß liefen.

Viele hatten ihm und seinen Mitstreitern anfangs höchstens ein Jahr gegeben. „Dass es 20 geworden sind, darauf bin ich sehr stolz. Ich bin überzeugt, dass es bundesweit eine einmalige Einrichtung ist. Wir bieten ein tägliches Programm, um das sich nur Ehrenamtler kümmern, erhalten keine Fördermittel. Die Denkerschmette passt in kein Raster.“

Das urige, beengte Plüschambiente (50 Quadratmeter hat die eigentliche Veranstaltungsfläche) mit dem Gramophon, um mal eine Schellackplatte aufzulegen, steht für Vielfalt. Für die ersten Mitsingnachmittage, lange bevor das Rudelsingen aufkam, für musikalische Unterhaltung von Country bis Schlager, politische wie philosophische Stammtische, Stricken, Filmvorführungen, Bridge, Gedächtnistraining.

Reinhard Ulbrich erinnert sich unter anderem an starke Auftritte von Chris Howland, dem betagten, hiesigen Erfinder Peter Nawrath und an den Pianisten und Entertainer Sascha Klaar, der mit den Füßen Klavier spielte. „Auch wenn ich als Vorsitzender aufhöre, so hänge ich an diesem Unikum und bleibe ihm als Mitglied verbunden“, kündigt der 70-Jährige an. Spätestens nach 2024, wenn er sein Amt im Präsidium des Landessportbundes aufgibt, will sich Ulbrich ganz der Familie (Tochter lebt mit ihren beiden kleinen Kindern in Köln) widmen.

Hintergrund

Die Remscheider Denkerschmette in der Kippdorfstraße 27 versteht sich als der „nostalgisch kultige Treff für jedermann“. Der Vorstand besteht aus Reinhard Ulbrich (Vorsitzender), Christa Müller (Kassenwartin) und Sabine Marquardt (Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen). Letztere würde in einem neu gewählten Vorstand weiter zur Verfügung stehen. Erreichbar ist die Denkerschmette unter Tel. 58 92 02. oder

info@remscheiderdenkerschmette.de.

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