Prozess

Zeugen schätzen Beschuldigten als brandgefährlich ein

Landgericht Wuppertal
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Das Landgericht in Wuppertal.

Prozess wegen eines Angriffs mit kochendem Wasser in der Psychiatrie der Stiftung Tannenhof

Remscheid. Im Prozess um einen Angriff mit heißem Wasser in der Psychiatrieklinik Tannenhof befragt das Landgericht Wuppertal Zeugen über den 63 Jahre alten Beschuldigten. Deren Einschätzungen streuen zwischen „unberechenbar“ und „brandgefährlich“.

Der Vermieter (58) des 63-Jährigen berichtete, er habe den Mann einmal auf einer Grüninsel inmitten einer zehnspurigen Straßenkreuzung gesehen: „Ich habe gedacht: Was läuft denn da für ein Irrer rum?“ Anschließend habe er erkannt, dass es sich um seinen Mieter handelte.

Dem erkrankten 63-Jährigen legt die Staatsanwaltschaft gefährliche Attacken in der Öffentlichkeit zur Last. Aus einem Fenster seiner Wohnung soll er schwere Figuren und andere Gegenstände geworfen haben. Bei dem Vorfall im Tannenhof vom Oktober 2019 war ein Patient Geschädigter, der inzwischen selbst als gemeingefährlich gilt. Der 63-Jährige hat angegeben, er habe Angst gehabt und sich nur gewehrt. Der Verletzte erlitt Verbrühungen im Gesicht und am Oberkörper.

Weitere Geschehnisse sollen sich am Wohnort des 63-Jährigen zugetragen haben, in Wuppertal. Der Vermieter berichtete: „2015 war noch alles in Ordnung. Da hatte er den Hausmeisterdienst übernommen.“ Später habe sich die Erkrankung des Beschuldigten entwickelt: „Er hat rumgeschrien, Sperrmüll mitgebracht und die Fluchtwege verbaut.“ Der 63-Jährige habe Militärkleidung angelegt, etwas eingesteckt, das wie ein Dolch aussah, und sei so herum gelaufen. Der Vermieter erläuterte: „Ich habe mich gefragt, was der vor hat. Er ist an sich friedfertig.“ Eine Wesensänderung gebe es unter Alkohol, wenn der Mann seine Medikamente auslasse.

Eine mehr als 30 Zentimeter hohe Marienfigur hatte der Zeuge mitgebracht: Mit solchen Dingen stünde die Wohnung des 63-Jährigen voll. Der komme nicht mal mehr in die Küche. Der vorsitzende Richter fragte nach Einzelheiten und erläuterte: „Wir müssen überlegen, ob wir ihn auf Dauer in die Psychiatrie einweisen. Das ist schlimmer als lebenslang, sagt der Bundesgerichtshof. Da kommt man nur wieder raus, wenn ein Arzt sagt, dass man nicht mehr gefährlich ist. Wir müssen ein hohes Gefährdungspotenzial feststellen.“

Der 63-Jährige lebt während des Prozesses in einer geschlossenen Klinik. Sein Vermieter kündigte an, er werde ihn aus dem Mietvertrag klagen, falls er entlassen wird. Das Gericht will Anfang Mai weiter verhandeln. dilo

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