Teo Otto Theater

Zeremonie des UN-Umweltpreises wurde aus Remscheid in die ganze Welt gestreamt

Organisatoren, Moderatoren, Experten und Gewinner des „Global Call 2021“ im Teo Otto Theater: In der Bildmitte mit ihrer Urkunde und dem Award stehen (v.l.) Jörg O. Schweininger (Vertreter von Chint New Energy Europa), Rainer Hönig (Betteries Amps), das Ehepaar Dean und Myrna Bittner (Runwithit Synthetics) sowie die drei Vertreter von Polycare. Fotos: Roland Keusch
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Organisatoren, Moderatoren, Experten und Gewinner des „Global Call 2021“ im Teo Otto Theater: In der Bildmitte mit ihrer Urkunde und dem Award stehen (v.l.) Jörg O. Schweininger (Vertreter von Chint New Energy Europa), Rainer Hönig (Betteries Amps), das Ehepaar Dean und Myrna Bittner (Runwithit Synthetics) sowie die drei Vertreter von Polycare.

UN-Umweltpreis „Global Call 2021“: Vor 180 Gästen nahmen die Gewinner in vier Kategorien ihren Award im Teo Otto Theater entgegen.

Von Andreas Weber

Brachte den „Global Call“ nach Remscheid: Dr. Peter Schniering.

Remscheid. Häuslebauen einfach gemacht, nach dem Lego-Prinzip binnen zwei Tagen, mit Blöcken aus recycelbaren Materialien, schnell produziert mit Polyesterharz, getrocknet in 20 Minuten, zum Großteil gewonnen aus wiederverwerteten PET-Flaschen, ohne Energie, kostengünstig, langlebig und wiederverwertbar. Die Revolution der Baubranche trägt einen Namen: Polycare, im thüringischen Suhl beheimatet. Mittwochabend wurde Firmenchef Gerhard Dust im Teo Otto Theater für seine faszinierende Innovation ausgezeichnet.

Bei der Verleihung des UN-Umweltpreises „Global Call 2021“ erhielt er mit seinen Mitstreitern Andreas Kunsmann und Chibo Onyeji den Preis in der Kategorie „Kreislaufwirtschaft und industrielle Entwicklung“. Eine große Ehre wird Polycare zuteil. Wie der bei stetig steigendem Bedarf weltweit immer knapper werdende Bausand bei der Betonherstellung ersetzt werden kann, darf Polycare in Glasgow präsentieren. Anfang November werden auf der Weltklimakonferenz in Schottland an 13 Tagen die Weichen für den Planeten Erde gestellt. Auf der „COP26“ ruhen wieder einmal riesige Hoffnungen zum Klimaschutz und einer Begrenzung der fortschreitenden Erderwärmung.

Wie diese mit Leben gefüllt werden, wurde auf der Bühne des Teo Otto Theaters mit bahnbrechenden Ideen gezeigt. In Kooperation mit der UNIDO, der UN-Organisation für industrielle Entwicklung, holte die Denkfabrik Future Clean Architects (FCA) um Dr. Peter Schniering (Schumacher Precision Tools) den „Global Call 2021“ in dessen Heimatstadt. In einer zweieinhalbstündigen Zeremonie wurde der weltweite Klimaschutz-Preis zum zweiten Mal vergeben.

Remscheid: Die Präsentation beim Gipfel in Glasgow ist ein Ritterschlag

Vor 180 Gästen, vornehmlich Fachpublikum, nahmen die Gewinner in vier Kategorien ihren Award entgegen. Die schlichte Trophäe aus Acryl-Glas ist mit Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und einer Vorstellung auf dem Klimagipfel verbunden.

„Mehr als Glasgow geht nicht. Das ist ein Ritterschlag“, erklärt Peter Schniering, der mit Vanessa Völkel locker und souverän in Englisch durch das Programm moderierte, als wäre nicht die internationale Klima- und Energiepolitik sein Spezialgebiet, sondern kompetente Unterhaltung.

Remscheid: „Global Call“ über YouTube gestreamt

An diesem Abend vernetzte sich Remscheid mit dem Globus. Von drei Kameras aufgezeichnet, wurde der „Global Call“ über Youtube gestreamt. Mit Einspielern auf einer riesigen Leinwand wurden Experten aus Zimbabwe und Nigeria dazugeschaltet, Grafiken, Bilder und Videoclips illustrierend zu Umweltproblemen und der Geschäftsidee der Gewinner präsentiert.

Ein Grußwort von Andreas Pinkwart (FDP) wurde anfangs eingespielt, in dem sich der NRW-Wirtschaftsminister hocherfreut zeigte, dass eine derart hochkarätige Veranstaltung ihren Weg in eine der letzten Industriestädte Deutschlands im Bergischen Land gefunden hat.

Als weiterer Deutscher setzte sich vor der sechsköpfigen, international besetzten Jury Rainer Hönig von Betteries Amps (Berlin) in der Kategorie „Saubere und effiziente Energieerzeugung und -speicherung“ durch. Hönig schenkt alten E-Autobatterien ein zweites Leben und sorgt dafür, dass es saubere Alternativen zu kraftstoffbasierten Generatoren gibt. Das Upcycling aller Batterien von E-Fahrzeugen zu erschwinglichen Stromsystemen schützt Ressourcen und hilft gegen Klimawandel.

Komplexer wurde es bei den Siegern von „Dekarbonisierung wachsender urbaner Lebensräume“. Die Kanadier Myrna und Dean Bittner stellten ihr Rezept gegen unkontrollierte Verstädterung vor. Ihre Firma Runwithit Synthetics simuliert am Rechner exakt die Anforderungen an die Standortinfrastruktur. Menschen, Beschäftigung, Gesundheit, Armut, Elektrifizierung, Transport und Unterbringung fließen ein.

In der letzten Kategorie „nachhaltiges Landmanagement“ siegte Zhejiang Chint New Energy Development (China), das mit seiner Idee der Verwüstung von Ackerland entgegentritt. Pflanzen werden weitflächig geschützt mit schattenspendenden und kühlenden Solarpanelen.

Spannende Projekte wurden beim „Global Call 2021“ vorgestellt. Schnelles Handeln wäre vonnöten, prallt aber auf Bürokratie. Gerhard Dust brauchte mit Polycare acht Jahre, ehe er in Deutschland richtig loslegen durfte.

Hintergrund

Die Messlatte liegt hoch: Der jährliche, weltweite Ausstoß von 51 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent muss deutlich reduziert werden. Die knapp 300 Bewerber aus 71 Ländern leisten mit ihren Start-ups und Firmen einen kleinen Beitrag dazu. In Remscheid erhielten sie eine Bühne. Die 180 Gäste verbrachten einen Tag mit der Zeremonie, zwei vorausgehenden Diskussionsrunden und einem Abschluss beim Netzwerken im „Remscheider Bräu“ im MK-Hotel.

Standpunkt: Signale von Mutmachern

Von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Auf Mailand folgte Remscheid. Dass die zweite Auflage des UN-Umweltpreises „Global Call“ im Bergischen Station machte, in einer Region, die zwischen Rhein und Ruhr eine untergeordnete Rolle spielt, und eigentlich kein Kandidat für eine größere Veranstaltung der Vereinten Nationen ist, zeigt, welches Potenzial in dieser Stadt steckt. Die Future Clean Architects (FCA) haben es geschafft, den roten Teppich auszurollen. Die Denkschmiede, die der Klimakrise mit der Umsetzung von Sprunginnovationen zu sauberen Technologien begegnet, ist international hochkarätig besetzt, hat aber über Gründer Dr. Peter Schniering seine Wurzeln in dieser Stadt. Der Reinshagener Werkzeugunternehmer hat geschafft, was als unwahrscheinlich galt. In Zeiten, in denen viele Menschen bezweifeln, dass sich der galoppierende Klimawandel stoppen lässt, sendete Remscheid Signale von Mutmachern aus, Erfindern, die Lösungen entwickelt haben, um die CO2-Emissionen einzudämmen. Der Abend war ein Erfolg für FCA, aber auch für Remscheid. Die Architekten einer sauberen Zukunft werden diese Bühne bestimmt auch ohne „Global Call“ noch mal nutzen.

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