21 Anwohner wollen Remscheider werden

Stadtwechsel: Wuppertaler sammeln Unterschriften für Umgemeindung

An der zerstörten Brücke: Otto Mähler (2. v. r.) nimmt die Liste von Silke Maczewski (r.) entgegen. Foto: Roland Keusch
+
An der zerstörten Brücke: Otto Mähler (2. v. r.) nimmt die Liste von Silke Maczewski (r.) entgegen.

Bezirksbürgermeister Otto Mähler nahm Liste entgegen. 21 Anwohner bekunden ihre Absicht, die Stadt zu wechseln.

Von Andreas Weber

Wuppertal/Remscheid. 21 Anwohner aus der Beckeraue und dem Morsbacher Berg haben jetzt offiziell ihren Willen bekundet, von Wuppertal nach Remscheid wechseln zu wollen. Am Freitag übergab Silke Maczewski im Auftrag der acht Haushalte auf der Cronenberger Seite des Morsbachtals eine entsprechende Unterschriftenliste an Bezirksbürgermeister Otto Mähler. Wie CDU-Politiker Norbert Schmitz versicherte Mähler: „Wir stehen auf eurer Seite.“

Es sei völlig unverständlich, warum ein Teil der Morsbachtaler, deren tägliches Leben fast komplett nach Remscheid orientiert sei, weiter zu Wuppertal gehören müsse. Wie lange der Prozess der Umgemeindung dauere, vermochte Mähler nicht zu sagen. „Wir haben damit keine Erfahrung.“ Der Prozess bedarf der Zustimmung der beiden Städte, der Aufsichtsbehörde und des Landes NRW. Nicht zuletzt müssen sich die Betroffenen einig sein.

Remscheid: Zwei Drittel der kleinen Gemeinde haben klare Meinung

Zwei Drittel der kleinen Gemeinde, die verkehrstechnisch abgeschnitten von Cronenberg auf Wuppertaler Seite liegt, haben dies mit ihrer Unterschrift signalisiert. „Und die restlichen drei Haushalte sind nicht prinzipiell dagegen, sondern verhalten sich neutral“, erfuhr Silke Maczewski, die auf Remscheider Seite im Morsbach lebt, bei ihren Gesprächen. Uwe Freund ist einer von ihnen. Er lebt in der Beckeraue 3a. Der 63-jährige Pensionär hat 34 Jahre bei der Firma Vorwerk in Wuppertal gearbeitet, gleichwohl ist seine Beziehung zu der bergischen Metropole gleich null: „Ich kann über Wuppertal nichts erzählen.“ Seit 1968 lebt er in Morsbach, ging in Remscheid zur Schule, in die Berufsschule und die Lehre. „Alles von der Telefonvorwahl, der Postleitzahl bis zum Finanzamt und unserem persönlichen Lebensumfeld hat seinen Mittelpunkt in Remscheid“, will er endlich dahin, wo er nach der Hochwasserkatastrophe beim Sperrmüllabtransport volle Unterstützung erfuhr. „Bei uns ist es so“, verdeutlicht Freund: „Wenn wir nach Remscheid fahren, sagen wir: ,Wir fahren in die Stadt’. Sonst heißt es: ,Wir fahren nach Wuppertal.’“

Standpunkt: Die Weltvereinfacherin

andreas.weber@rga.de

Kommentar von Andreas Weber

Silke Maczewski sagt, sie sei eine kleine Weltverbesserin. Darum übernähme sie Verantwortung für diejenigen, die in unmittelbarer Nachbarschaft jenseits des Morsbachs Veränderung von Wuppertal nach Remscheid wünschen. Weltvereinfacherin würde es eher treffen. Denn Silke Maczewski organisiert die Wende. Eine Umgemeindung hatte vorher, bei allem Verdruss über die Stadt Wuppertal, niemand der rund 30 Betroffenen in Betracht gezogen. Maczewski kann zurecht nicht verstehen, warum am anderen Ufer ihrer Hofschaft eine andere Stadtzugehörigkeit gilt, wo man sich in Morsbach doch traditionell zusammengehörig fühlt und in den Süden Wuppertals nur über einen Wanderweg nach Sudberg gelangt. Das Leben ist auf der Remscheider Seite, der trennende Wald auf der anderen. Wuppertal ist in der Beckeraue und am Morsbacher Berg weit weg. Wer hier geboren wird, wird in Remscheid in die Kita und zur Schule geschickt. Lieber wollen sie mit der 42 857 vollwertige Remscheider sein und dazu gehören, als mit 42 349 für Cronenberg weiter alleingelassen zu werden. Einfacher wäre es für alle Beteiligten und logischer sowieso.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
DOC kommt im Januar 2022 vor Gericht
DOC kommt im Januar 2022 vor Gericht
DOC kommt im Januar 2022 vor Gericht

Kommentare