Theater

WTT startet am Freitag ersten Livestream

Wie sieht das Bild durch die Kamera aus? Regisseurin Claudia Sowa hat bei der Probe alles gleich doppelt im Blick.
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Regisseurin Claudia Sowa hat bei der Probe alles gleich doppelt im Blick.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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„Kafkas Tiere“ wird am Freitag ab 19.30 Uhr über die Internetseite gezeigt – Samstag ebenfalls.

Remscheid. Mitten in der Corona-Pandemie bricht das Westdeutsche Tourneetheater (WTT) zu neuen Ufern auf. Konzeptionell feiert die Kulturstätte an der Bismarckstraße am Freitagabend eine Premiere: Der erste Livestream in der Geschichte des WTT geht über die Bühne. „Die Technik ist komplett neu für uns“, gesteht Intendantin Claudia Sowa. Und kostspielig. „Das WTT war finanziell nie so ausgestattet, dass wir einen Livestream überhaupt hätten stemmen können.“ Bis Corona kam. Das Schauspiel Remscheid hatte so Glück im Unglück: Weil die Kulturinstitution im Südbezirk seit einem Jahr so gut wie gar nicht öffnen kann, gab es zuletzt Unterstützung vom Bund. Über das Corona-Sonderprogramm „Neustart Kultur“ flossen 12 000 Euro an die Bismarckstraße. Das WTT musste jedoch, um den Fördertopf anzuzapfen, einen Eigenanteil von 10 Prozent aufbringen. Damit konnte es nicht nur die Internetleitung aufrüsten lassen, sondern auch Laptops und Kameras anschaffen. „Für den Livestream setzen wir allerdings nur eine Kamera ein, weil wir einfach zu wenig Personal haben, um die zweite zu bedienen“, erklärt Sowa.

„Was aussieht, wie im Wohnzimmer, ist ein Riesenaufwand.“

Claudia Sowa, Intendantin

Die Veranstaltungstechniker Kim Preyer und Nils Blumenschein haben sich das Streaming-Wissen draufgeschafft. „Durch die neue 10 000er-Leitung können wir nun in stabilem HD senden“, sagt Preyer. Er steht hinter der Kamera und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Hinzu kommen fünf weitere WTT-Mitarbeiter. „Was aussieht, wie im Wohnzimmer, ist eigentlich ein Riesenaufwand“, sagt Claudia Sowa. „Wir haben drei Leute im Homeoffice verpflichtet, sich den Livestream anzugucken.“ So könne man erste Fehlerquellen für den Stream am Samstag gleich ausmerzen. Und auch direkt sehen: Sieht es auch im Video so gut aus wie in echt? Das Spiel vor der Kamera ist schließlich ein ganz anderes. Vor allem das Licht muss minuziös angepasst werden. Jetzt, zur Streamingpremiere, möchte es das Team einfach halten und ausloten, wie es läuft. Angepeilt ist die Nulllatenz, also keine Verzögerung im Video zu haben.

Wie sieht das Bild durch die Kamera aus?

Gezeigt wird am Freitagabend „Kafkas Tiere“, praktischerweise ein Ein-Personen-Stück mit Björn Lukas in der Hauptrolle – das Proben gestaltete sich in Coronazeiten so risikoarm. „Das Stück passt erschreckend zu unserer aktuellen Situation“, sagt Sowa. Das Bedürfnis nach Sicherheit – aber auch der Drang nach Freiheit. Um 19.30 Uhr wird das Video auf der Startseite der WTT-Internetseite livegeschaltet. Am Samstagabend gibt es eine zweite Live-Vorführung, ebenfalls ab 19.30 Uhr. Für „Kafkas Tiere“, das bereits 2014 Premiere feierte, musste Björn Lukas noch einmal den Text auffrischen. Schließlich ist es eine Stunde Text. Für Lukas ist das Spiel in die Kamera ohne Gäste gänzlich neu. „Ich finde das strange. Ich muss nun mit der Stimme ausprobieren, ob ich es intim hinkriege.“ Witzig: Am Anfang des Stücks spielt der Schauspieler mit der Kamera.

Der Plan auf lange Sicht ist, das Streaming nur in Ergänzung zum Livespiel anzubieten. „Denn auf die ganz besondere Interaktion mit dem Publikum, diese Spannung, die dabei entsteht, wollen wir einfach nicht verzichten“, sagt Claudia Sowa.

Hier zu sehen

Der Livestream wird am Freitag um 19.30 Uhr sowie Samstag, 27. März, ebenfalls um 19.30 Uhr, auf der Startseite der WTT-Internetseite scharfgeschaltet. Dort gibt es auch die Möglichkeit, digital für das WTT und die Schauspieler zu spenden.

wtt-remscheid.de

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