Theater

WTT führt Stück made in Lütterkusen auf

Björn Lenz (r.) spricht Nazi-Größe Pleiditz, Thomas Ritzinger den Wärter Schuyler. Das Stück stammt von Christian Wüster (kleines Foto oben: mw). Foto: Roland Keusch
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Björn Lenz (r.) spricht Nazi-Größe Pleiditz, Thomas Ritzinger den Wärter Schuyler. Das Stück stammt von Christian Wüster.
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Szenische Lesung von Autor Christian Wüster feiert Premiere. Das Thema ist aktueller denn je.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Es ist 1962. Viele der alten Naziverbrecher haben sich das Leben genommen oder wurden verhaftet. In einem Gefängnis in Essen wartet die bekannte Nazi-Größe Leopold Pleiditz auf seinen Prozess. Unbeirrt rattert er alte Possen runter. Pleiditz, auch bekannt unter dem Namen „Das Monster von Treblinka“, wird eines Tages auf ein Geräusch aufmerksam: Ein Tunnel führt genau zu seiner Zelle. Und diesem entsteigt plötzlich eine Person, um Pleiditz zu treffen. Es ist, wie sich herausstellt, nicht ihr erstes Aufeinandertreffen. . .

„Der Durchbruch“ heißt das Kammerspiel, das aus der Feder des Lüttringhauser Autors Christian Wüster (37) stammt. Er ist nicht nur Vorsitzender und Autor der Lüttringhauser Volksbühne, sondern auch freier Stückeschreiber und bietet seine Werke Theatern und Verlagen an. Rund zehn hat er im Repertoire. Und eines davon kommt nun in seiner eigenen Heimatstadt zur Aufführung: Das WTT zeigt „Der Durchbruch“ als szenische Lesung. Premiere ist am kommenden Samstag, 13. November, um 19.30 Uhr. Das WTT versteht sich als offenes Haus und bekennt sich zu seiner Stadtgesellschaft, sagt Intendantin Claudia Sowa. Insofern gebe sie gern die Bühne für die freie Szene frei.

Dass ein Remscheider Stück im Theater im Studio aufgeführt wird, ist eine Seltenheit, sagt Claudia Sowa. „Wir kaufen normalerweise Stücke von Verlagen ein, für deren Rechte wir zahlen, oder erstellen eigene Bühnenfassungen daraus. Das Stück von Christian Wüster ist erfrischend anders – und das habe ich so auch noch nie gelesen.“

Ich wollte nicht den typischen Nazi-Bösewicht mit Wagner-Musik im Hintergrund darstellen.

Christian Wüster, Autor

Denn in „Der Durchbruch“ wird die Nazizeit einmal nicht aus der Sicht des Opfers, sondern aus der des Täters beleuchtet. „Der Versuch, nach Begründungen zu suchen, nach Entschuldigungen für das Böse, scheitert. Es passiert hier nicht. Der Protagonist hängt an seiner Ideologie – so unglaublich uns anderen das auch erscheinen mag.“ Damit spreche Christian Wüster ein aktuelles Thema an. Schließlich gebe es derzeit „einen ordentlichen Rechtsruck in der Gesellschaft“. „Wir haben aber heute das Privileg, in Freiheit und Demokratie zu leben und wissen um die Vergangenheit – trotzdem gibt es immer noch viele Menschen, die diese Ideologien vertreten. Das ist erschreckend“, sagt Sowa.

Daher ist das Publikum auch eingeladen, im Anschluss an die Aufführungen mit Christian Wüster im Foyer bei einem Getränk ins Gespräch zu kommen. „Ich finde es wichtig, dass man diesen Perspektivwechsel erlaubt“, sagt der Autor, der den „Durchbruch“ erstmalig 2019/2020 schrieb. Das aktuelle Kammerspiel ist die Drittfassung aus dem Oktober.

Inspiriert wurde er durch Hannah Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“. „Ich wollte nicht den typischen Nazi-Bösewicht mit Wagner-Musik im Hintergrund darstellen wie im Film, sondern das Ganze spartanisch darstellen.“ Wie Claudia Sowa, Björn Lenz, Björn Lukas und Thomas Ritzinger seine Idee umgesetzt haben, gefällt ihm gut. Nun ist er gespannt auf die Meinungen des Publikums.

Zeiten und Preise

Premiere: Samstag, 13. November, 19.30 Uhr, im WTT, Bismarckstraße 138. Weiterer Aufführungstermin: Freitag, 26. November, 19.30 Uhr.

Eintritt: Karten kosten im Vorverkauf 12 Euro inklusive einem Freigetränk. Karten sollten beim WTT reserviert werden (Tel. 3 22 85) oder online gekauft werden:
remscheid-live.de

Corona-Regeln: Es gilt 3 G. Es werden nicht alle Plätze besetzt im Theater.

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