Stadt hat 61 Wohnungen angemietet

Wohnungsnotfallhilfe unterstützt Remscheider ohne Obdach

Menschen vor der Obdachlosigkeit bewahren: (v.l.) Tanja Klimmeck, Martina Lajewski (Abteilungsleiterin) und Andrea Kulessa. Foto: Michael Schütz
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Menschen vor der Obdachlosigkeit bewahren: (v.l.) Tanja Klimmeck, Martina Lajewski (Abteilungsleiterin) und Andrea Kulessa.

Niemand muss auf der Straße landen.

Von Andreas Weber

Wer kein Dach über dem Kopf mehr hat, von Wohnungslosigkeit bedroht ist oder in inakzeptablen Mietverhältnissen lebt, dem wird in der Haddenbacher Straße 38 bis 42 geholfen. Die städtische Wohnungsnothilfe, die zur neuformierten Agentur für Wohnen im Fachdienst Soziales und Wohnen gehört, ist ein wichtiger Baustein bei einer Erfolgsmeldung, die Remscheid seit langem stolz verkündet: „Es gibt keine sichtbare Obdachlosigkeit in unserer Stadt“, erklärt Tanja Klimmeck, die als Sozialarbeiterin unterwegs ist, um vom Absturz bedrohte Mieter vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Mit „sichtbar“ meint Klimmeck, dass zwar niemand unter Brücken, in Hauseingängen oder Parkbänken nächtigt, aber dass es – unbemerkt von der Öffentlichkeit – „Couch- oder Sofa-Hopping“ bei Freunden und Bekannten der Obdachlosen gäbe. Gleichwohl ist die Stadt bestrebt, niemand ins Bodenlose fallenzulassen. Nach der Schließung der Neuenkamper Straße 54 in 2020 bleibt als Obdachlosenunterkunft die Immobilie Schüttendelle 40 a mit ihren 22 Schlafstellen. Dazu gesellen sich aktuell 61 angemietete Wohnungen, in denen die Stadt in Not geratene Menschen unterbringen kann. Sehr viele davon sind in Gewag-Hand. Benötigt werden oft Wohnungen für Einzelpersonen bis zu maximal 50 Quadratmeter. Diese Wohnungen sind als Übergang gedacht, bis die Betroffenen wieder in der Lage sind, eigene Mietverträge zu unterschreiben und zu erfüllen. Weitere werden gesucht, ob groß oder klein (| Info-Kasten). „Der Unterbringungsbedarf steigt, Wohnungen werden immer benötigt“, sagt Andrea Kulessa, die die Unterkünfte betreut.

Waren es in den ersten drei Quartalen 38, stieg die Zahl bis Ende des Jahres auf 56 und liegt nun noch einmal bei fünf mehr. Tanja Klimmeck ist eine von drei Sozialarbeiterinnen, die bestrebt sind, in der Regel schon präventiv tätig zu werden, Zwangsräumungen zu vermeiden. „Wenn wir vom Amtsgericht informiert werden, dass dies droht, oder anderweitig von gefährdeten Mietverhältnissen hören, schwärmen wir aus.“

Remscheid: Mietschulden sind oft nur das erste sichtbare Zeichen

Bisweilen kann der Rauswurf im Dialog mit Mieter und Vermieter abgewendet werden. Die Klientel der Notfallhilfe stammt zum Teil aus den Karteien des Jobcenters und der SGB II. Die Gründe für säumige Zahlungen sind vielfältig. „Mietschulden sind oft nur das erste sichtbare Zeichen, dahinter stecken hohe Haushaltsverschuldungen, psychische Erkrankungen, Suchtprobleme, Arbeitslosigkeit oder die Trennung vom Partner. Das geht so weit, dass manche nicht mehr an ihren Briefkasten gehen und die Post öffnen, weil ihnen alles über den Kopf wächst“, weiß Tanja Klimmeck.

Nicht jeden erreicht die Wohnungsnotfallhilfe und mancher will die helfende Begleitung nicht annehmen. Aber für diejenigen, die sich unterstützen lassen, auch bei Behördengängen später, findet sich oft eine Lösung. Die Stadt notierte im vierten Quartal 2020 allein 53 Mietschuldenfälle, in elf Fällen übernahm sie die Kosten. Insgesamt lagen in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres die gemeldeten Mietschulden bei 99 206 Euro, davon wurden 15 848 Euro von der Stadt beglichen. Bei den Fallzahlen unterscheidet die Stadt zwischen Publikumsaufkommen, das im vierten Quartal bei 159 Personen lag und aktiven Fällen, die in diesem Zeitraum mit 156 in die Statistik eingingen, die demnächst im Sozialausschuss vorgestellt werden wird.

Fachdienstleiter Carsten Thies stellt eine zunehmende Zahl von Wohngeldanträgen fest, Mieten übersteigen selbst im von den Preisen moderaten Remscheid die Möglichkeiten mancher Mieter. Tanja Klimmeck räumt ein, dass ihre Arbeit in den für die Klientel schwierigen Lebenssituationen erfordere, viel Druck auszuhalten. Dabei gerät das zwölfköpfige Agenturteam an Grenzen. „Das Telefon klingelt ständig, wenn es so weitergeht, sind unsere Kapazitäten erschöpft.“ Unter dem Strich, findet Thies, sei Remscheid mit diesem Hilfssystem gut und zukunftsfähig aufgestellt. Ergänzt wird es durch eine Fachberatungsstelle der Caritas (mit Tagescafé), die sich in der Schüttendelle 40 im Gebäude der Notschlafstelle befindet.

Wohnungssuche

Nachdem am 15. Februar eine Koordinatoren-Stelle besetzt wurde, ist das zwölfköpfige Team der Agentur für Wohnen im Fachdienst Soziales und Wohnen komplett. Es gliedert sich in zwei Säulen und Teams: zum einen die „Wohnungsnotfallhilfe“, zum anderen der „geförderte Wohnungsbau“. Bei ersterem sind Wohnraum- und Unterkunftsmanagement sowie Wohnraumsicherung und wohnbegleitende Hilfen angesiedelt. Die Notfallhilfe lebt auch von den Wohnungen, die gesucht werden. Angebote bei Andrea Kulessa (Tel. 16 32 78) oder per E-Mail „agenturfuerwohnen@remscheid.de“.

Zwölfköpfiges Team bei der Stadt macht Dampf: Kampf gegen Leerstände und für mehr bezahlbaren Mietraum.

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