Gespräch mit OB

Wohlfahrtspfleger warnen vor Rotstift

Gespräch mit fünf OB-Kandidaten im Neuen Lindenhof: die Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege (v.l.) Rainer Morteln, Sandra Engelberg und Ute Feldbrügge. Foto: Roland Keusch
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Gespräch mit fünf OB-Kandidaten im Neuen Lindenhof: die Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege (v.l.) Rainer Morteln, Sandra Engelberg und Ute Feldbrügge.

Arbeitsgemeinschaft lud OB-Kandidaten zur zweistündigen Diskussion und formulierte Forderungskatalog.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Freie Wohlfahrtspflege Remscheid gab fünf Oberbürgermeister-Kandidaten vor der Kommunalwahl eine Botschaft auf den Weg: „Wir möchten eindringlich davor warnen, zukünftig im Sozialbereich den Rotstift anzusetzen“, formulierte Florian Schäfer (Diakonie im Kirchenkreis Lennep) gestern zusammenfassend am Ende eines zweistündigen Austausches im Neuen Lindenhof.

Auf eine normale, offene Podiumsdiskussion im Wahlkampf hatten Awo, Caritas, DRK, Der Paritätische und die Diakonie in Corona-Zeiten verzichtet. Stattdessen wurden Burkhard Mast-Weisz (SPD), Alexa Bell (CDU), Roland Kirchner (WiR), Fritz Beinersdorf (Linke), Bettina Stamm (Echt.Remscheid) sowie die Parteienvertreter Ilka Brehmer (Grüne) und Sven Chudzinski (FDP) mit Forderungen in drei Themen- und zwei Querschnittsfeldern konfrontiert.

Ute Feldbrügge (Der Paritätische) wies daraufhin, dass Kinder und Jugendliche nicht länger die Benachteiligten im Bildungssystem sein dürften. Kinderarmut wirke sich insbesondere bei notwendiger Nachhilfe, Teilnahme an Klassenfahrten oder beim Home-Schooling aufgrund fehlender technischer Mittel aus. Feldbrügge fragte die OB-Kandidaten auch, wie sie sicherstellen wollten, dass aus der Einzelfalllösung zur Übernahme des Trägeranteils der Kitas, die für alle Träger mit Risiken und Planungsunsicherheiten verbunden seien, eine verbindliche Übernahme des Trägeranteils durch die Kommune erfolgen könne.

Der soziale Wohnungsbau muss angekurbelt werden

Sandra Engelberg (Caritas) ging auf Jobverlust und speziell auf Langzeitarbeitslose ein. Eine Teilnahme am Arbeitsmarkt müsse in Corona-Zeiten mehr denn je sichergestellt werden. „Die Politik muss aktiv kommunale Maßnahmen, wie bei ‘Jobaktiv’ geschehen, einleiten und Mittel zur Verfügung stellen, um dem Trend der steigenden Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken.“

Rainer Morteln (DRK) nahm sich den Wohnungsmarkt vor. Zahlreiche Remscheider seien ordnungsbehördlich untergebracht, weil sie keinen Wohnraum fänden. „Es gibt Personen, die trotz Unterstützung und Nachweis, dass sie im letzten Jahr ihrer Mietzahlung nachgekommen sind und sich an die Hausordnung gehalten haben, keinen Mietvertrag erhalten, weil ein Schufa-Eintrag vorliegt.“ Selbst Sozialraumwohnungen hätten oft einen zu hohen Mietpreis. Auch werde deren Zahl in den nächsten Jahren abnehmen. Rainer Bannert (Awo) sprach in dieser Hinsicht von einer „dramatischen Tendenz“.

Rainer Morteln wehrte sich gegen Ausgrenzungen: „Haben Klienten keinen eigenen Mietvertrag, steht ihnen bestimmte Hilfe und Unterstützung nicht zur Verfügung, wie das Ambulant Betreute Wohnen für Menschen mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen oder Menschen, die wohnungslos waren.“ Auch der Ausbau von barrierefreien bzw. barrierearmen Wohnungen gerade im privaten Wohnungsmarkt müsse forciert werden, legte Rainer Morteln den OB-Kandidaten ans Herz.

Bei den Querschnittsthemen sensibilisierte Ute Feldbrügge für Digitalisierung. Bund und Land hätten zwar Finanzpakete geschnürt, es sei aber wichtig, dass diese nicht nur am Lernort Schule erfolgten, sondern Strukturen geschaffen würden, die es ermöglichten, dass Senioren sowie Geringverdiener digital nicht abgehängt würden. Feldbrügge denkt auch an die Stiftung Wohlfahrtspflege, die anlässlich von Covid-19 einen großen Topf öffnet, der es Kommunen ermöglichen soll, digitale Lernorte zu schaffen.

Auch die Quartiersarbeit wollen die Wohlfahrtspfleger als weiteres Querschnittsthema stärken. „Wir fordern, dass die Aktivitäten in der Quartiersarbeit vom Leitbild einer ‘sorgenden Gesellschaft’ zusammengehalten werden und der Ausbau in und zwischen den Quartieren gestärkt wird“, betonte Florian Schäfer.

OB-Kandidaten sichern Unterstützung zu

Das nichtöffentliche Treffen der fünf Vertreter der AG Freie Wohlfahrtspflege und Karin Volk (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Lennep), wurde beim Pressegespräch hinterher im Neuen Lindenhof als konstruktiv bewertet. Sandra Engelberg sprach generell davon, dass der Freien Wohlfahrtspflege nicht nur Wertschätzung, sondern Unterstützung zugesichert worden sei. Vielfach gab es bei den Parteienvertretern einhellige Zustimmung, bei manchen Aspekten seien sie aber auch für Positionen, die sie bislang nicht auf dem Schirm hatten, sensibilisiert worden.

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