Kirchenaustritte

Woelki-Debatte verunsichert Katholiken

Die katholische Kirche St. Marien. Foto: Doro Siewert
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Die katholische Kirche St. Marien.

Im Januar 2021 sind in Remscheid 16 Personen aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Im Januar 2021 sind in Remscheid 16 Personen aus der katholischen Kirche ausgetreten. „Das ist eine Person weniger, als im Januar des Vorjahres“, sagt Dr. Peter Lässig, Richter am Amtsgericht Remscheid. Dennoch stellt der Kurs des Erzbistums Köln für die Katholiken in Remscheid eine belastende Situation dar. „Die Verunsicherung geht bis in die einzelnen Gemeinden hinein, auch in Remscheid“, sagt Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster.

Damit, dass in diesem Jahr weniger Leute ausgetreten sind, stellt Remscheid einen Gegensatz zu Köln dar. Dort sind zur Zeit alle Termine beim Amtsgericht ausgebucht, zusätzliche mussten angeboten werden. Zügig einen Termin beim Amtsgericht zu bekommen, sei in Remscheid kein Problem. „Hier gibt es keine Warteschlangen“, sagt Lässig. Die langfristige Entwicklung der Austrittszahlen sei allerdings schwer einzuschätzen.

Aktueller Anlass für die Debatte um das Erzbistum und insbesondere Kardinal Rainer Maria Woelki ist ein Gutachten über Missbrauchsfälle innerhalb des Erzbistums Köln und den Umgang damit. Diese Expertise liegt zwar vor, die Bistumsspitze veröffentlicht deren Ergebnisse aber nicht. Aus Bedenken, dass das Gutachten wissenschaftlich angreifbar ist, wird das Ergebnis einer zweiten Studie abgewartet.

Eine konkrete Aussage über den Umgang mit dem Gutachten zu treffen, ist für den Leiter der Pfarrei St. Suitbertus schwer: „Auch ich bekomme viele Informationen nur über die Medien mit“. Dennoch: „Denn wenn Porzellan einmal zerschlagen ist, ist es nicht mehr schönzureden“, so Kaster. „Ich würde mir wünschen, dass es so früh wie möglich Klarheit über alles gibt und damit nicht erst bis zur Veröffentlichung des zweiten Gutachtens gewartet wird.“

„Für die Christen in Remscheid ist das eine belastende Situation. Viele sind an einer guten und schnellen Aufklärung interessiert. Das Zurückhalten der Ergebnisse der ersten Studie ist für viele Christinnen und Christen nicht nachvollziehbar“, sagt Elisabeth Schnocks. Die Vorsitzende des Katholikenrats Remscheid sieht Woelkis Äußerungen, die nach den Vorwürfen aufkamen, als das größere Problem an.

Bei der Christmette im Kölner Dom habe der Kardinal um Verzeihung gebeten, dass viele unter der Kritik an seiner Person und dem Umgang mit dem Gutachten leiden müssten. „Und das wird als problematischer Klerikalismus empfunden – auch wenn der Kardinal das nicht so gemeint haben mag. Letztlich werden die Opfer nicht genug in den Blick genommen.“ Bedeutet, Woelki stellt sich mit seinem Verhalten über die anderen Gläubigen. Die Vorsitzende und der Pfarrer denken, dass nun nicht mehr nur Menschen vom Rand, sondern auch aus der Glaubens-Mitte die Kirche verlassen. „Diese Kirche ist für diese Personen nicht mehr repräsentativ für den eigenen Glauben“, sagt Schnocks.

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