Bergische Unternehmen

Auch die Wirtschaft in Remscheid ächzt unter Energiepreisen

Mehr IHK-Mitglieder sprechen von einer schwierigen Lage, berichtet Hauptgeschäftsführer Michael Wenge.
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Mehr IHK-Mitglieder sprechen von einer schwierigen Lage, berichtet Hauptgeschäftsführer Michael Wenge.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) bringt Probleme der Industrie im Kanzleramt vor.

Von Katharina Rüth, Manuel Böhnke und Frank Michalczak

Remscheid. In der akuten Energiekrise stehen zahlreiche Jobs in der Remscheider Industrie auf dem Spiel. Diese Botschaft richtete OB Burkhard Mast-Weisz (SPD) nun an die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses: „Unternehmer sprechen nicht mehr nur von Kurzarbeit, sondern auch von Entlassungen“, erklärte er in der vergangenen Woche. Durch die explodierenden Kosten für Strom und Gas könnten sich die oftmals exportorientierten Firmen Remscheids nicht mehr am Weltmarkt behaupten. „Zur Freude der Konkurrenz außerhalb Europas.“

Bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) kommen „laufend Nachrichten von Unternehmen an“, die ihre schwierige Lage erklären, berichtet Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Darunter solche, die sagen „wir kriegen das hin“, aber auch andere, bei denen die Inhaber von einer unmittelbar bevorstehenden Pleite reden.

Auch gebe es Betriebe, die Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Energieversorger zu finden. Ihm seien solche Fälle bekannt, berichtet IHK-Stabsbereichsleiter Ralph Oermann.

„Mit einem warmen Pulli allein ist es aktuell nicht getan.“

Michael Wenge, IHK-Hauptgeschäftsführer

Mike Giera vom Remscheider Energieversorger EWR verwies im Hauptausschuss darauf, „dass wir aktuell, mit Ausnahme von Kleinstmengen, kaum Energie am Markt angeboten bekommen beziehungsweise keine Handelspartner finden“. Das Unternehmen arbeite daran, zumindest ein gewisses Kontingent an sogenannten Spotmarktverträgen für Unternehmen in Remscheid anbieten zu können.

Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten

So wie OB Mast-Weisz verweist auch IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge darauf, dass viele Unternehmen im Bergischen vom Export leben und im Wettbewerb mit US-Unternehmen stünden. „Da ist Energie deutlich preiswerter.“ Aktuell sei es „mit einem warmen Pulli allein nicht getan“, sagt Wenge. Man müsse „auch unbequeme Wege gehen“. Damit meint er, Kernkraft und Kohle weiter zu nutzen.

Mast-Weisz sprach mit Staatsministerin

Um die Situation der bergischen Unternehmen zu erfassen, hat die IHK mit rund 90 Firmen Gespräche geführt, berichtet Ralph Oermann. Ihre Lage habe er in Gesprächen mit Sarah Ryglewski, Staatsministerin im Kanzleramt, verdeutlicht, sagt der Oberbürgermeister, der am Wochenende in Berlin mit dem Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ zu Gast war – eigentlich um über die Kommunalfinanzen zu rechen. „Die Probleme der Industrieunternehmen sind in Berlin angekommen und es wird im Oktober darauf eine Antwort der Bundesregierung darauf geben“, schildert Mast-Weisz seine Eindrücke. Mit Nachdruck habe er deutlich gemacht, dass Industrie-Unternehmen angesichts der Kostenexplosion Hilfe benötigen. Das gilt aus Sicht des Aktionsbündnisses auch für Stadtwerke, für die es einen Rettungsschirm fordert.

Standpunkt von Frank Michalczak: Hilfe für die Industrie

frank.michalczak@rga.de

Bei der Debatte, wie die Folgen des Ukraine-Kriegs zu bewältigen sind, standen in den vergangenen Monaten vor allem die Privathaushalte im Fokus. Entlastungspakete wurden geschnürt, die Versorgungssicherheit im Winter war ebenso ein Schwerpunktthema wie die Frage, wie sich die Inflation eindämmen lässt. Das war richtig. Nun muss es aber vor allem darum gehen, gebeutelten Betrieben aus Industrie und Handwerk zu helfen, die sich in der Gemengelage unterschiedlicher Probleme kaum noch über Wasser halten können. Die Bundesregierung muss mit gezielten Hilfen dazu beitragen, dass Jobs erhalten werden. Ein Instrument ist die Kurzarbeit, ein weiteres sind Finanzhilfen, Bürgschaften und Kredite, die in der akuten Not bereitgestellt werden müssen. Denn nichts anderes erleben wir: akute Not. Wer die Lufthansa oder Bankinstitute retten kann, darf vor den Problemen des Mittelstands nicht die Augen verschließen.

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