Kirchen hoffen noch

In Remscheid wird es keinen „Glühwein to go“ geben

Die Glühweinwanderung, hier ein Bild vom Wochenende, bleibt angesichts der Infektionslage eine einmalige Sache. Archivfoto: Doro Siewert
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Die Glühweinwanderung, hier ein Bild vom Wochenende, bleibt angesichts der Infektionslage eine einmalige Sache.

Gastronomen ziehen die Reißleine - Gemeinden halten an Gottesdiensten fest - Impfzentrum soll am Dienstag stehen.

Von Sven Schlickowey, Axel Richter und Andreas Weber

Remscheid. Ein „Glühwein to go“ wird es in Remscheid in der Vorweihnachtszeit nicht mehr geben. Die elf Remscheider Gastronomen, die die Glühweinwanderung vergangenes Wochenende erfolgreich ins Leben gerufen hatten, verzichten angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage auf eine Fortsetzung am kommenden Sonntag. Die fünf Kirchengemeinden, die an Heiligabend zwei Gotttesdienste auf dem Schützenplatz feiern wollen, haben die Hoffnung unterdessen noch nicht aufgegeben. „Beide Veranstaltungen sind unter Coronabedingungen darstellbar“, sagt Pfarrer Axel Mersmann auf RGA-Nachfrage, „aber wir sehen natürlich auch die Entwicklung.“

Mitte nächster Woche wollen die Gemeinden entscheiden, ob sie an ihren Plänen festhalten. Liegt die 7-Tage-Inzidenz weiterhin über 200, sind die Treffen von bis zu 500 Menschen pro Gottesdienst ohnehin hinfällig. Anderenfalls wären sie grundsätzlich nach wie vor genehmigungsfähig. Eine Entscheidung des Ordnungsamtes liegt aber noch nicht vor.

„Kritik sollte nicht als Majestätsbeleidigung verstanden werden.“
Dietmar Volk, CDU

Die elf Gastronomen, die am vergangenen Sonntag zur ersten Glühweinwanderung gebeten hatten, ziehen unterdessen selbst die Reißleine. „Das erste Mal ist super gelaufen, aber es gab die Befürchtung, dass es bei der Fortsetzung ausufern könnte“, sagt Niklas Bergmann, Betreiber des Saxo. Bergmann verhehlt nicht, dass es Pro und Contra unter den beteiligten Kollegen gab. Am Ende aber habe die Vernunft gesiegt.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) zollt den Gastronomen Respekt. „Ich bin sehr dankbar, dass die Wirte nicht auf eine Allgemeinverfügung von uns gewartet haben, die die Fortführung der Glühweinwanderung möglicherweise unterbunden hätte, sondern selber gehandelt haben.“

Mast-Weisz sprach von einer „verantwortungsvollen Entscheidung mit Blick auf die Stadtgesellschaft“ und stockte die Spende, die aus dem Glühwein-Erlös an die Ärztliche Kinderschutzambulanz floss, spontan um 50 Euro auf. So konnten Torsten Dehnke (Miro) und Niklas Bergmann stellvertretend 710 Euro an Leiterin Birgit Köppe-Gaisendrees übergeben.

Der städtische Krisenstab kommt derweil am Freitag erneut zusammen. Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen in sieben Tage pro 100 000 Einwohner, liegt seit Mittwoch wieder über 200 und stieg am Donnerstag erneut an.

Unter den Neu-Infizierten sind auch wieder Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen. Nachdem im Haus Lennep bei 93 Bewohnern und Beschäftigten das Virus festgestellt wurde, sind zwei weitere Einrichtungen betroffen. Das Ausmaß sei allerdings geringer, sagt das Gesundheitsamt: „Es sind jeweils nur einzelne Wohnbereiche betroffen.“

Am Mittwoch seien alle Bewohner und Mitarbeiter der betroffenen Bereiche getestet worden, so das Gesundheitsamt. In einer Einrichtung seien 11 von 22 Bewohnern und ein Mitarbeiter positiv getestet worden, in der anderen zwei von elf Bewohnern.

Derweil wird in der Halle West das Impfzentrum aufgebaut. Im Umfeld richtet die Stadt Einbahnstraßenverkehr und Parkverbote ein. Stehen soll das Zentrum am Dienstag. Die Krankenhäuser, die ihr Personal selber impfen, sollen am 23. Dezember impfbereit sein. Wann der Impfstoff verfügbar ist, ist aktuell noch unklar. Die Landesregierung sagt, dies passiere wohl „noch Ende des Jahres oder zu Beginn des neuen Jahres“.

Die Remscheider CDU forderte am Donnerstag, dass die Politik stärker in die Prozesse eingebunden wird. Dass der Krisenstab die Entscheidungen treffe, sei richtig, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Dietmar Volk. „Aber fachliche Beratung und das Überprüfen städtischer Entscheidungen finden im Fachausschuss statt.“

Volk hatte in der Vorwoche den ehemaligen Real-Markt im Allee-Center als Standort für das Impfzentrum ins Spiel gebracht. Doch dort läuft der Umbau. Zudem musste Volk harsche Kritik des Oberbürgermeisters einstecken. In der aktuellen Situation sei es nicht hilfreich, „dass der Krisenstab in der letzten Zeit einfach schlecht kommuniziert hat und Kritik daran von einem etwas dünnhäutig gewordenen Oberbürgermeister als Majestätsbeleidigung verstanden wird“, sagt Volk. 

Schulen

Neu von Quarantäne betroffen sind sechs Kinder der Klasse 1a und vier Kinder der Klasse 3a sowie die OGS-Gruppe Klassen 1a/b mit 22 Kindern der Grundschule Hackenberg. Sie alle werden nach positiven Tests vorerst in häusliche Isolation geschickt.

Standpunkt: Schluss mit dem Gezänk

Von Axel Richter

Dietmar Volk hat recht. Mit beleidigten Reaktionen ist in der Krise niemand gedient. Allerdings gilt das für alle in der Politik. Auch für den gesundheitspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion selbst, der zur Kenntnis nehmen musste, dass das Allee-Center von seiner Idee, das Impfzentrum im ehemaligen Real-Markt einzurichten, mal gar nichts hält.

axel.richter@rga-online.de

Ganz einfach, weil dort gerade die Bauarbeiter den Vorschlaghammer schwingen und weil das Center in der Pandemie nur eine gewisse Zahl an Besuchern einlassen darf. Die Sporthalle Hackenberg wäre allein aus verkehrstechnischer Sicht vermutlich der bessere Standort für das Impfzentrum gewesen. 

Nun ist es auf die Proteste der IGR Remscheid die Sporthalle West geworden. Jetzt wird das Zentrum dort eingerichtet. Am Dienstag muss es stehen. Der Streit sollte deshalb jetzt enden, denn auch die offenen Briefe, die sich diese und jene seit zwei Wochen wechselseitig schreiben, sind der Pandemiebekämpfung nicht dienlich. Es geht jetzt darum, die Menschen fürs Impfen zu gewinnen und ihnen Zuversicht zu vermitteln. Und nicht darum, mit dauerbeleidigter Miene ihr Vertrauen zu verspielen. 

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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