Eine ungeplante Karriere

Rettungsdienst: „Wir wollen den hohen Standard halten“

Michael Hill erklärt: Acht Fahrten pro Rettungswagen in der 24-Stunden-Schicht sind normal – in Spitzen 12 bis 13. Foto: Doro Siewert
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Michael Hill erklärt: Acht Fahrten pro Rettungswagen in der 24-Stunden-Schicht sind normal – in Spitzen 12 bis 13.

Michael Hill ist seit einem Dreivierteljahr Abteilungsleiter des Rettungsdienstes.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Geplant hatte er es nicht. Wie eigentlich meistens in seiner Laufbahn. Aber Michael Hill war immer zur „rechten Zeit am rechten Ort“, meint er. Man müsse schon auch Glück haben. Was der Remscheider damit natürlich vornehm verschweigt: Die Fähigkeiten, die richtige Laufbahn und Ausbildung, schlicht jede Menge Qualitäten gehören auch dazu. „Natürlich ist man irgendwo auch stolz“, sagt Hill, der nunmehr seit rund einem Dreivierteljahr Abteilungsleiter des Rettungsdienstes ist. Für ihn ist es die Krönung einer ungeplanten Karriere.

Für seine Zeit bis zur Pensionierung hat sich der 58-Jährige einige Ziele gesetzt. Doch die bekommen aktuell weniger Aufmerksamkeit als erhofft. Die Pandemie bindet alle Kräfte: „Die letzten zwei Jahre haben viele Ressourcen geraubt. Wir sind total eingespannt.“ Gerade mit der Omikron-Variante, die im Hinblick auf die kritische Infrastruktur Sorgen bereitet, sind die Schutzvorkehrungen noch einmal erhöht worden. Auf dem Knapp wurde alles entzerrt, die direkten Begegnungen werden aktuell wieder aufs absolute Minimum reduziert, getestet wird am laufenden Band.

Ich habe den Wechsel zur Feuerwehr nie bereut.

Rettungsdienstleiter Michael Hill ist gelernter Maschinenschlosser

Die ungeplante Karriere hatte 1987 Fahrt aufgenommen. Der gelernte Maschinenschlosser hatte in der Industrie beileibe nicht schlecht verdient. Aber irgendwie habe etwas gefehlt, sagt Hill heute. Es mag der höhere Sinn gewesen sein. Er bewarb sich bei der Feuerwehr, fuhr Rettungswagen, Löschzüge und wurde zum Gruppenführer. „Als ich eine Stellenanzeige gelesen habe, habe ich gedacht, die beschreiben mich. Ich habe es nie bereut, zur Feuerwehr gegangen zu sein.“

Notfallsanitäter: Hill nimmt sich vor, den hohen Standard zu halten

Abwechslungsreich war der neue Job allemal. Nach einem Laufbahnwechsel vom mittleren in den gehobenen Dienst kurz vor dem Jahrtausendwechsel betreute Hill die Freiwillige Feuerwehr oder wickelte für den Zivil- und Katastrophenschutz Bunker ab. „Die Bedrohungslage damals war einfach eine andere geworden“, blickt er auf diese Aufgabe zurück. So ging es weiter für den Familienvater. Über zehn Jahre war er im Rettungsdienst tätig, wurde zum Rettungswachenleiter: „Das ist die Lehrstube schlechthin“. Dann folgte der letzte Karrieresprung.

Mit historischem Blick auf seinen Werdegang zeigt sich Hill besonders erfreut, dass inzwischen Notfallsanitäter ausgebildet werden. Die Umstellung vom Rettungsassistenten sei ein Quantensprung gewesen: „Die neuen Notfallsanitäter werden noch viel gründlicher ausgebildet, können noch mehr und dürfen deutlich mehr.“ Das zahle sich aus, wenn nicht einer der beiden Notärzte – einer ist in der Innenstadt-Wache, einer Auf dem Knapp postiert – dabei ist, sich die Lage vor Ort aber dramatischer darstelle. Insofern begrüßt es Hill total, dass das Telenotarzt-System auch in Remscheid eingeführt werden wird: Die Notfallsanitäter können ihre Qualitäten dann noch selbstbewusster einsetzen. „Wenn ich im April 2023 in Pension gehe, sind wir sicherlich schon in der Startphase.“

Es sind letztlich nämlich nur zwei Jahre, die der Lenneper Ehemann und Familienvater – zwei Töchter, ein Sohn, drei Enkelkinder – in seiner jetzigen Rolle verbringen wird. Etwas hinterlassen, das will Hill aber dennoch – der kurzen Zeit und der intensiven Zusatzbelastung durch Corona zum Trotz: „Wenn die Notfallsanitäter ausgebildet zu uns kommen, sind sie auf Top-Level. Das ist die erste Liga. Unser Anliegen ist es, sie auch nach der Schule so zu fordern und fördern, dass wir den hohen Ausbildungsstandard halten.“

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Hintergrund

Nachfolger: Der designierte Nachfolger von Michael Hill ist der aktuelle Rettungswachenleiter Sebastian Huß. Es sei totaler Luxus, den möglichen Nachfolger einarbeiten zu können, sagt Hill. Vor Hill hatte Ulrich Schnell den Posten rund 20 Jahre inne.

Rettungsdienst: „Viele glauben, Rettungswagen stehen in den Krankenhäusern“, schmunzelt Hill. „Aber in NRW unterhält in der Regel die Feuerwehr den Rettungsdienst.“ In Remscheid sind zudem DRK, Johanniter und Kießling mit Aufgaben betraut.

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