Impfnachfrage drastisch gesunken

Remscheid will Impfstelle noch nicht aufgeben

Die Zahl der Erstimpfungen ist in Remscheid deutlich gesunken.
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Die Zahl der Erstimpfungen ist in Remscheid deutlich gesunken.

Die Impfnachfrage ist zuletzt drastisch gesunken, könnte aber wieder steigen. Private Anbieter reduzieren das Angebot.

Von Timo Lemmer und Sven Schlickowey

Remscheid. 443 Impfungen gegen Corona zählte die Kassenärztliche Vereinigung in der vergangenen Woche in Remscheid, darunter gerade noch 30 Erstimpfungen. Vor zwei Monaten wurden noch rund zehnmal so viele Impfungen, genau 4763, verabreicht. Und Mitte Dezember gar mehr als 10 000 in einer Woche. Diese Zahlen machen deutlich: Die Impfkampagne ist gehörig ins Stocken geraten – auch in Remscheid. Und damit stellt sich die Frage nach der Zukunft der Impfstellen.

Fünf gibt es derzeit in Remscheid, neben der städtischen im Zentrum Süd auch vier private. Und die teilen sich die wenigen, noch verbliebenen Impfungen mit niedergelassenen Ärzten und einigen Apotheken. Dass da für den einzelnen Anbieter nicht viel übrig bleibt, bestätigt Dietmar Volk, kaufmännischer Direktor der Stiftung Tannenhof: Die Zahlen seien „stark rückläufig“, sagt er. In der vergangenen Wochen gab es in Lüttringhausen keine zehn Erst- und nicht einmal 50 Auffrischungsimpfungen.

„Wir wollen eine Infrastruktur, die jederzeit hochgefahren werden kann.“

Sozialdezernent Thomas Neuhaus

Ganz ähnlich das Bild beim Pflegedienst 365˚ in der Innenstadt: „Wir haben im gesamten März bis hierher 88 Impfungen verabreicht. Davon übrigens nur drei mit Novavax, das ist der Ladenhüter schlechthin“, erklärt Geschäftsführer Ralf Mantei. Und mit der Nachfrage sinken auch die Einnahmen der Anbieter – die daraufhin das Angebot einschränken.

In der Stiftung Tannenhof setze man inzwischen deutlich weniger Personal ein, sagt Dietmar Volk. Die Öffnungszeiten einschränken wolle man aber noch nicht, betont er: „Dann können wir es auch gleich lassen.“ Anders bei 365˚, wo ab kommenden Woche nur noch freitags und sonntags, jeweils von 10 bis 18 Uhr geimpft wird. Bereits vor einer Woche hatte die Impfstelle der BeST-GmbH im Gesundheitshaus Hasten ihre Öffnungszeiten reduziert: Geimpft wird dort inzwischen nur noch samstags zwischen 9 und 17 Uhr.

Auch die städtische Impfstelle im Zentrum Süd hatte zuletzt ihre Öffnungszeiten angepasst, ebenfalls als Reaktion auf die nachlassende Nachfrage. Doch aufgeben will man das Angebot nicht, betont Sozialdezernent Thomas Neuhaus: „Wir wollen eine Infrastruktur, die jederzeit hochgefahren werden kann.“ Auch weil es durchaus möglich sei, dass der Bedarf wieder steige – durch neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zum Beispiel für Kinder oder zur vierten Impfung. Oder durch Flüchtlinge aus der Ukraine. „Die kommen nämlich überwiegend ungeimpft zu uns.“

Vor allem aber erinnert Neuhaus an die Erfahrungen mit den Impfzentren. Die waren Ende September auf Weisung der Landesregierung geschlossen worden – nur wenige Wochen später stampften die Kommunen stattdessen ihre Impfstellen aus dem Boden. „Wir können ja nicht jedes Mal wieder bei null anfangen“, sagt Neuhaus. „Und es darf auf keinen Fall wieder dazu kommen, dass wir 650 Menschen vor der Hausmeisterwohnung im Gesundheitsamt bei Regen mit Tee versorgen müssen.“ In der ehemaligen Hausmeisterwohnung hatte die Stadt übergangsweise ein Impfangebot organisiert, davor bildeten sich teils lange Schlagen.

Wie so oft hänge das aber am Geld, sagt Thomas Neuhaus. Die Finanzierung der Impfstelle im Zentrum Süd sei bis Ende Juni gesichert, ohne Geld vom Land könne die Stadt Remscheid das Angebot nicht aufrechterhalten. „Es gibt entsprechende Signale vom Land, dass man die Impfstellen bis Ende des Jahres betreiben möchte“, berichtet der Sozialdezernent. Bisher gebe es aber nicht mehr als reine Lippenbekenntnisse.

Rund um Corona

Mobile Impfung: Die Stadt wird weiter dezentrale Impfungen anbieten. Das nächste Mal voraussichtlich wieder Anfang April – und womöglich erneut im Allee-Center.

Hospitalisierung: Derweil steigt die Zahl der Covid-19-erkrankten Personen in den Krankenhäusern an. Am Dienstag meldete die Stadt 41 Patienten, tags zuvor waren es noch 35 und vor einer Woche 27 Personen. Aktuell sind davon sechs Patienten intensivpflichtig.

Standpunkt: Mut trotz Wahlen

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Wie plant man das Unplanbare? Vor dieser Frage stehen die Verantwortlichen in Zeiten von Corona inzwischen seit zwei Jahren. Dabei lehrt uns die Erfahrung: Bedarf bewegt sich gerne in Wellen. Und die notwendige Infrastruktur durchs Wellental zu tragen, ist sehr viel einfacher, als sie auf dem Wellenberg wieder aufzubauen. Das weiß man sicher auch in Düsseldorf. Aber das wusste man dort auch schon, als Mitte 2021 die Entscheidung fiel, die Impfzentren zu schließen. Zeitlich auffällig nah am Termin der Bundestagswahl. Und vermutlich durchaus verbunden mit der Botschaft, dass man die Pandemie weitgehend im Griff habe. Nun geht es um den Fortbestand der Impfstellen über den 30. Juni hinaus – und wieder liegt eine wichtige Wahl im Weg. Für die Planungssicherheit der Kommunen wäre es unabdingbar, wenn die Finanzierung vor der Landtagswahl am 15. Mai gesichert würde. Mal sehen, ob die Landesregierung den dafür notwendigen Mut aufbringt.

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