Düsseldorf gibt grünes Licht

Remscheid will 14 Millionen Euro in das älteste Binnenfreibad Deutschlands investieren

Bisher gibt es nur Skizzen. Im nächsten Jahr wollen Thomas Neuhaus, Burkhard Mast-Weisz, Sven Wiertz und Stefan Grote (v.l.) die Feinplanung beginnen lassen. Das Freibad bekommt danach eine moderne Technik und auch wieder einen Sandstrand.
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Bisher gibt es nur Skizzen. Im nächsten Jahr wollen Thomas Neuhaus, Burkhard Mast-Weisz, Sven Wiertz und Stefan Grote (v.l.) die Feinplanung beginnen lassen. Das Freibad bekommt danach eine moderne Technik und auch wieder einen Sandstrand.
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Von Axel Richter

Das Freibad bekommt danach eine moderne Technik und auch wieder einen Sandstrand.

Alle vier Tage schließt in Deutschland ein Freibad. Das Freibad Eschbachtal wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht dazugehören: Die Stadt Remscheid wird in den nächsten drei Jahren 14 Millionen Euro in das älteste Binnenfreibad Deutschlands investieren. „Und zwar egal, ob wir dafür Fördermittel des Bundes erhalten oder nicht“, sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD): „Wenn wir keine bekommen, machen wir es trotzdem.“

Möglich wird die Million-Investition nach Verhandlungen mit der Düsseldorfer Bezirksregierung. Die Aufsichtsbehörde erlaubt es der Stadt, die Summe in ihren Haushalt 2012/22 einzuplanen. Nun muss der Stadtrat noch sein Einverständnis erteilen. Folgen die Politiker der Verwaltung, soll im nächsten Jahr die Planung beginnen und 2022 die Sanierung europaweit ausgeschrieben werden. Dann kann gebaut werden.

„Unser Freibad ist jeden einzelnen Euro wert.“

Burkhard Mast-Weisz. OB

2023 sollen die Schwimmbecken dann aus Edelstahl bestehen. Die Fliesen, die immer wieder zu ersetzen waren, haben dann ausgedient. Die neuen Becken sollen auch eine längere Nutzung des Bades erlauben. Statt dreit Monaten im Sommer soll das Bad dann mindestens einen Monat länger geöffnet sein.

Bisher gibt es nur Skizzen der Pläne für das Freibad.

Eine besondere Schwachstelle des Bades stellt die Technik zur Wasseraufbereitung dar. Sie stammt aus dem Jahr 1966. Damals war das Bad zuletzt erneuert worden. Immer wieder brachen Rohre, Pumpen fielen aus. Im vergangenen Jahr musste das Freibad deshalb vorzeitig schließen. Das soll nachfolgenden Generationen erspart bleiben. Nach der Erneuerung soll das Freibad für die nächsten 50 Jahre gerüstet sein.

Ist die stolze Summe von 14 Millionen Euro dafür angemessen? „Ja“, sagt Burkhard Mast-Weisz. „Das Freibad Eschbachtal ist einer der wichtigsten Freizeitorte in Remscheid und jeden einzelnen Euro wert.“ „Ja“, sagt auch Sportdezernent Thomas Neuhaus (Grüne). Das Bad sei auch ein wichtiger Standortfaktor für Remscheid.

Bisher gibt es nur Skizzen der Pläne für das Freibad.

Mit eigenen Worten „geplättet“ zeigt sich derweil Stefan Grote (SPD). Seit den 90er Jahren setzt er sich mit dem Förderverein für den Erhalt des Bades ein. Doch erst im vergangenen Jahr waren alle Bemühungen um Gelder aus den Fördertöpfen des Bundes gescheitert. Mit einem solchen Geldregen hatte er deshalb nicht mehr gerechnet.

Dabei hofft die Stadt nach wie vor auf Zuschüsse aus Berlin. Doch hänge die Sanierung davon nicht mehr ab, wie Stadtkämmerer Sven Wiertz (SPD) versichert. Die Stadt darf die 14 Millionen aus der eigenen Schatulle entnehmen. Obwohl sie strenge Sparauflagen erfüllen muss und am finanziellen Tropf des Landes hängt, und obwohl die Corona-Krise die Gewerbesteuer massiv einbrechen lassen wird. Dennoch sei jetzt der richtige Zeitpunkt, Geld auszugeben, erklärte Wiertz. „Wir bekommen Null-Prozent-Darlehen und schaffen damit Werte, die über viele Jahre Bestand haben.“

Bisher gibt es nur Skizzen der Pläne für das Freibad.

In einem ersten Schritt soll der Stadtrat 565 000 Euro für die Fachplanung freigeben. Sie soll sich an ersten Entwürfen orientieren. Danach erhält das neue Bad nicht nur eine neue Technik und neue Becken mit barrierefreien Zugängen sowie Hygienebereiche, die dem modernen Standard entsprechen. Das Freibad im Eschbachtal wird auch wieder einen Sandstrand erhalten – so wie es ihn am 29. Juni 1912 gegeben hatte, als die neue Anlage zur Leibesertüchtigung – übrigens bei strömendem Regen – eröffnet wurde.

Für die Wiederöffnung nach der Umbaupause kündigte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gegenüber dem RGA übrigens einen Freudensprung an. Im Anzug ins frisch gefüllte Schwimmbecken.

Standpunkt: Ausgabe für 50 Jahre

Von Axel Richter

14 Millionen Euro sind eine stolze Summe. Ist es angemessen, so viel Geld in ein Freibad zu investieren? In eine städtische Einrichtung zumal, die heute gerade einmal drei Monaten im Jahr geöffnet ist? Wer sich vergegenwärtigt, welche Summen die Stadt für andere Institutionen aufwendet, kann diese Fragen nur mit einem Ja beantworten. 4 Millionen Euro gibt die Stadt als Zuschuss dem H2O. Pro Jahr. 3,5 Millionen erhalten die Bergischen Symphoniker. Ebenfalls pro Jahr. Bei den 14 Millionen Euro, mit dem das älteste Binnenfreibad Deutschlands für die Zukunft gerüstet werden soll, handelt es sich dagegen um eine Investition für die nächsten 50 Jahre. In dieser Zeit erfüllt das Bad für die Stadtgesellschaft eine wichtige soziale Funktion.

Axel Richter

Und das nicht nur in Coronazeiten, denn es gibt in Remscheid einige Familien, die nicht in Urlaub fahren können, weil ihnen schlicht das Geld dafür fehlt. Auch außerhalb des Wahlkampfes sind sich die wesentlichen Parteien deshalb darin einig, dass das Freibad erhalten bleiben muss. Nachdem die Bezirksregierung keine Einwände gegen die Ausgabe hat, sollten sie das Geld deshalb bald freigeben.

Artikel vom 24.8., 18 Uhr: Alle vier Tage schließt in Deutschland ein Freibad

Remscheid. Das Remscheider Bad im Eschbachtal wird einiger Wahrscheinlichkeit nicht dazugehören. Die Stadt Remscheid wird in den nächsten drei Jahren 14 Millionen Euro in das älteste Binnenfreibad Deutschlands investieren. „Und zwar egal, ob wir dafür Fördermittel des Bundes erhalten oder nicht“, erklärte soeben Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD). Die Bezirksregierung Düsseldorf hat der Stadt erlaubt, die Summe in ihren Haushalt 2012/22 einzuplanen.

Der Rat muss der Ausgabe noch seine Zustimmung erteilen. Folgen die Politiker dem Vorschlag der Verwaltung, soll im nächsten Jahr die Planung beginnen und 2022 die Millioneninvestition europaweit ausgeschrieben werden. Dann beginnen die Bauarbeiten. Mit Fertigstellung 2023 sollen dann Stahlbecken die Fliesenbecken ersetzt haben, eine neue Technik zur Wasseraufbereitung soll installiert sein und das Freibad ein Stück weit an seine Anfänge erinnern. Ein Sandstrand soll entstehen - so wie es 1912 der Fall war, als das Bad übrigens an einem völlig verregneten Tag eröffnet worden war. Für seine Wiederöffnung nach der Umbaupause kündigte OB Mast-Weisz einen Freudensprung an. Mit Anzug ins frisch gefüllte Schwimmbecken. ric

Mit 750 Besuchern: Am heißesten Wochenende des Jahres war das Freibad im Corona-Sommer erstmals ausverkauft.

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