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Wildunfall: Ein Schwein schlägt mit zwei Tonnen auf

Im Herbst und Winter können sich Mensch und Wildschwein leichter begegnen. Das Risiko für den Auto- oder Motorradfahrer ist groß.
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Im Herbst und Winter können sich Mensch und Wildschwein leichter begegnen. Das Risiko für den Auto- oder Motorradfahrer ist groß.
  • Axel Richter
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Wie lässt sich ein Wildunfall verhindern? Was ist danach zu tun? Reh & Co. gehören nicht zum Tierarzt.

Von Axel Richter

Remscheid. Prallt ein Auto mit 50 Kilometern pro Stunde auf ein 80 Kilogramm schweres Wildschwein, wirkt ein Aufprallgewicht von zwei Tonnen auf Fahrzeug und Fahrer ein. Die 21-jährige Frau, die jüngst auf der L 74 zwischen Müngsten und Kohlfurth mit einem ausgewachsenen Keiler zusammenstieß, hatte insofern großes Glück. Sie kam mit leichten Blessuren davon. Für ihr Auto galt das nicht.

Die Gefahr eines Wildunfalls ist gerade jetzt besonders groß. Warum?

„Wild ist in der Dämmerung aktiv“, erklärt Prof. Dr. Hans-Willi Kling, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Remscheid. Im Herbst nimmt das Risiko für einen Zusammenstoß deshalb zu. Dazu trägt auch die Umstellung auf Winterzeit bei. Wir stellen die Uhren zurück, also wird es abends früher dunkel. Dann rollt der Berufsverkehr. Hinzu kommen Nässe und schlechte Sicht.

Wie viele Wildtiere kommen bei Unfällen ums Leben?

Rund 300 000 pro Jahr. Die Zahl nennen die Autoversicherer. In Revieren, die von vielen Hauptverkehrsstraßen durchzogen sind, wird annähernd die Hälfte der geplanten Entnahme nicht von den Jägerinnen und Jägern, sondern von Autos zur Strecke gebracht. In anderen Revieren bleibt Schätzungen zufolge ein Drittel der Jagdstrecke auf der Straße.

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Wie lässt sich ein Zusammenstoß mit Wild vermeiden?

Indem der Autofahrer Vorsicht walten lässt – insbesondere dort, wo Wildwechsel angezeigt werden. „Die Schilder stehen nicht zur Zierde in der Landschaft“, sagt Hans-Willi Kling. Wildtiere können die Geschwindigkeit von Autos nicht abschätzen. Sie warten nicht, sondern springen auf die Fahrbahn. Was hilft, sofern dazu Zeit bleibt: Das Fernlicht ausschalten, um das Tier nicht zu blenden. Dazu hupen.

Was, wenn ich den Unfall nicht vermeiden kann?

Draufhalten. Auch wenn es allen menschlichen Reflexen widerspricht. Wer bei hoher Geschwindigkeit auszuweichen versucht und das Steuer herumreißt, bringt sein eigenes Leben in Gefahr. Allerdings ist auch ein Zusammenstoß nicht gefahrlos. Ein Auto, das auf ein kapitales Schwein von 80 Kilogramm trifft, endet als Totalschaden.

Bringen eigentlich die blauen Reflektoren etwas, die hier und da an den Begrenzungspfählen angebracht sind?

Darüber streiten die Experten. Einiges spricht dafür, dass sich die Tiere an das flackernde Blau gewöhnen. Wildtiere lernen dazu. Das gilt insbesondere für die intelligenten Wildschweine. „Sie haben gelernt, dass ihnen in den Gärten zwischen den Häusern am wenigsten Gefahr droht“, erklärt Hans-Willi Kling. Dort darf nicht gejagt werden. Und der Tisch ist reich gedeckt.

Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

War der Zusammenstoß nicht zu vermeiden, ist unter Telefon 110 die Polizei zu verständen. Und zwar auch, wenn das Tier nur gestreift wurde und davongelaufen ist. In aller Regel hat es dennoch Verletzungen davongetragen, die es qualvoll verenden lassen – zum Beispiel Risse in Milz und Leber. Die Polizei ruft den Jagdpächter, der das Tier sucht und erlöst. „Das ist traurig und fällt keinem Jäger leicht“, sagt Hans-Willi Kling. Alles andere würde das Tierleid aber nur unnötig verlängern.

Gibt es solche Negativ-Beispiele?

Ja. Vor Jahren packte ein Autofahrer das Reh, das er angefahren hatte, in sein Fahrzeug und fuhr es in die Tierklinik. Es war nicht zu retten und wurde am Ende eingeschläfert. Kling warnt vor einer solchen falschen Tierliebe. „Wenn ich ein Wildtier anfasse, versetze ich das Tier zusätzlich zur Verletzung in allerhöchsten Stress“, sagt er. Außerdem: Wer ein Wildtier ins Auto lädt, setzt sich unter Umständen dem Verdacht der Wilderei aus.

Wer zahlt für den Schaden am Auto?

In der Teilkaskoversicherung ist der Wildunfall meist mitversichert. Die Polizei oder auch der Jagdpächter händigen dem Autofahrer eine Wildschadenbescheinigung aus, die zur Schadensregulierung am Auto vorzulegen ist.

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