Immer mehr Sichtungen im Bergischen Land

Erneut Wolfssichtung in der Region - Wie gefährlich ist der Wolf?

Bisher ließen sich im Bergischen Land nur solche Einzelgänger sehen. Sie legen am Tag bis zu 70 Kilometer zurück und sind auf der Suche nach neuen Lebensläufen.
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Bisher ließen sich im Bergischen Land nur solche Einzelgänger sehen. Sie legen am Tag bis zu 70 Kilometer zurück und sind auf der Suche nach neuen Lebensläufen.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Sichtung auch in Ennepetal. In Radevormwald hat eine Wildkamera einen Wolf gefilmt. Naturschützer freuen sich, Nutztierhalter sind beunruhigt.

Update 13. Januar: Der Wolf ist im Ennepe-Ruhr-Kreis angekommen. Ob es sich um das gleiche Exemplar handelt, das zuvor in Radevormwald gesichtet wurde, ist unklar. Da die Tiere am Tag bis zu 70 Kilometer zurücklegen, liegt es aber im Bereich des Möglichen. Jäger berichteten von einer Sichtung im Ort Schweflinghausen.

Nach Presseberichten aus dem Nachbarkreis will eine Spaziergängerin dem Tier begegnet sein. Das Aufeinandertreffen von Mensch und Raubtier blieb folgenlos. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Münster ist eingeschaltet. Es ist Ansprechpartner nach Wolfsichtungen und klärt anhand von Bildern oder auch dem Kot der Tiere, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt.

Wolf im Bergischen: Was Schäfer, Naturschützer, Jäger dazu sagen

Bis zu 50 Mutterschafe zählt die Herde von Klaus-Louis Hanne. Plus Lämmer. Seit 2008 züchtet der Remscheider im Bornstal die seltenen Bergschafe. Das ist sein Beitrag zum Artenschutz, denn die Rasse ist vom Aussterben bedroht. Bedroht wie der Wolf, dessen Rückkehr ins Bergische Land von Natur- und Tierschützern deshalb freudig begrüßt wird. Nutztierhalter wie Klaus-Louis Hanne teilen die Euphorie nicht: „Ich mache mir große Sorge um meine Tiere.“

Das gilt umso mehr Canis Lupus sich neuerdings häufiger im Bergischen sehen lässt, wie zuletzt Anfang Dezember in Radevormwald. Unweit der Motocross-Strecke, nördlich der Bundesstraße 229 hielt eine Wildkamera das weibliche Tier fest. Der Jagdpächter informierte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, das die Sichtung bestätigte.

Wo sich die Einzelgängerin heute aufhält, weiß niemand. Wölfe legen am Tag bis zu 70 Kilometer zurück. Die Fähe ist zudem nicht das erste Tier, das auf der Suche nach einem neuen Revier im Bergischen und im benachbarten Sauerland auftauchte. Bestätigte Sichtungen gab es auch in Halver und Hückeswagen. Und auch bei der jüngsten Drückjagd des Remscheider Forstamtes an der Neyetalsperre bei Wipperfürth wollen Jäger einen Wolf im Treiben gesichtet haben.

Dort gibt es vergleichsweise große Waldflächen. Für Experten ist es dennoch nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Exemplare auch durch die Remscheider Wälder streifen. Die Natur um Bergisch Born, die Herbringhauser Talsperre und den Marscheider Wald nennt Frank Stiller als Lebensräume, in denen sich ein Rudel ansiedeln könnte. Dazu alles, was östlich von Remscheid in Richtung Radevormwald in Richtung Ennepetalsperre liegt.

„Wir haben dort vergleichsweise störungsarme und unzerschnittene Landschaftsräume“, sagt der Leiter der Abteilung für Naturschutz und Landschaftspflege in Remscheid. Stiller freut sich und erinnert an den Biber, der in die Wupper zurückgekehrt ist: „Da hatten zuvor auch alle Sorge, dass der überall die Bäume fällt. Wir sollten stolz darauf sein, zeigen, dass unsere Landschaft diese Tierarten wieder zulässt.“

Genau daran hegen andere Zweifel. „Die letzten Wölfe lebten vor 200 Jahren in Deutschland. Unser Land hat sich seither verändert“, sagt Prof. Dr. Hans-Willi Kling, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Remscheid: „Wir haben eine stark zersiedelte Landschaft, die wir intensiv nutzen. Die Frage ist, wie kompatibel ist diese Landschaft als Wolfsbiotop. Wir Jäger sind nicht grundsätzlich gegen den Wolf“, sagt Kling: „ Aber eine Schafherde ist für den Wolf ein gedeckter Tisch.“

Unterdessen verspricht der Staat den Tierhaltern finanzielle Hilfen. In Wolfsgebieten, Pufferzonen und Wolfsverdachtsgebieten will er den Bau hoher Zäune oder die Haltung von Hütehunden fördern. Doch Remscheid ist weder Wolfsgebiet noch Pufferzone und auch kein Wolfsverdachtsgebiet.

Klaus-Louis Hanne, der Schäfer im Bornstal, glaubt außerdem nicht daran, dass Zäune und Hunde einen hungrigen Wolf von seiner Herde fernhalten. Bevor seine Tiere gerissen werden, will er sich von den meisten von ihnen trennen und sie nicht mehr außerhalb des Bornstals die Weiden pflegen lassen. „Dabei“, sagt er, „handelt es sich bei denen doch auch um eine erhaltenswerte Art.“

Verhalten

Wölfe sind scheu und meiden den Menschen. Wer ihm wider Erwarten dennoch im Wald begegnet, macht sich groß, lautstark auf sich aufmerksam und läuft auf keinen Fall weg. Hunde sind an der Leine zu führen, um nicht als Konkurrent oder Beute angesehen zu werden.

Standpunkt von Axel Richter: Romantik fehl am Platz

axel.richter@rga.de

Wo der Wolf jagt, lebt der Wald. So lautet ein russisches Sprichwort. Neben dem Fuchs gilt er als Gesundheitspolizist des Waldes. Denn der große Beutegreifer reißt und frisst als Erstes kranke und schwache Tiere und hält damit den Bestand seiner Beute gesund. Das Problem: Auch Schafe und Fohlen sind für ihn leichter zu erbeuten als ein gesundes Reh, das vor ihm davonspringt. Das macht den Wolf zum Feind vieler Nutztierhalter. Ihnen ist es nicht damit getan, Zäune und Hunde offeriert zu bekommen. Oder Schadenersatz, wenn ihre Tiere gerissen werden.

Die von manchen romantisch verklärte Rückkehr des Raubtieres birgt mithin noch viel Konfliktpotential. Dazu gibt es allerdings keine Alternative, denn der Wolf ist auf dem Weg zu uns und wird bleiben, so er kein besseres Revier findet. Je größer die Population wird, umso häufiger wird er uns deshalb auch im Bergischen Land begegnen. Mensch und Tier werden sich neu aneinander gewöhnen müssen.

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