Uni-Vorträge 2022

So kann Design die Zukunft besser machen

Vom Faustkeil zum Smartphone: In seinem inspirierenden Vortrag geht Prof. Dr.-Ing. Fabian Hemmert am Mittwoch in Lennep darauf ein, wie sich unsere Beziehung zur Technik entwickelt hat.
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Vom Faustkeil zum Smartphone: In seinem inspirierenden Vortrag geht Prof. Dr.-Ing. Fabian Hemmert am Mittwoch in Lennep darauf ein, wie sich unsere Beziehung zur Technik entwickelt hat.

Für Prof. Dr.-Ing. Fabian Hemmert hat die Digitalisierung gerade erst begonnen. Im RGA-Uni-Vortrag in der Klosterkirche Lennep erklärt er Faszinierendes über das Verhältnis von Mensch und Technik.

Von Knut Reiffert

Remscheid. Eine Menge Zündstoff sieht Prof. Dr.-Ing. Fabian Hemmert, wenn er auf die immer rasantere Entwicklung der Technik in unserem Alltag blickt. „Schon heute ist unser Verhältnis zu den meisten Geräten verkrampft“, hat er festgestellt. Insbesondere die Beziehung zum Smartphone sei von einer regelrechten Hassliebe geprägt. Einerseits mache es vieles leichter - neben dem Kommunizieren auch das Festhalten von Gedanken, das Fotografieren und vor allem das Nachschlagen von Wissen. „Andererseits rauben Handys unsere Präsenz im Moment“, sagt Hemmert „Sie sorgen dafür, dass wir häufig abgelenkt sind, eigentlich gar nicht anwesend.“ Eine Tatsache, die auch begeisterte Smartphone-Nutzer nicht leugnen.

RGA-Uni-Vorträge gehören zum offiziellen Jubiläums-Programm

Dass die Beziehung vieler Menschen zur Technik schon jetzt kompliziert ist, macht Hemmert Sorgen, weil die Digitalisierung des Alltags seines Erachtens nach erst begonnen hat. Die Geräte würden immer kleiner oder verschwänden sogar. „In Zukunft ist der Computer überall und nirgends“, lautet die Überzeugung des 40-Jährigen. Als einfache Beispiele, die schon Realität sind, nennt er schlüssellose Türschlösser oder die Lichtschalter eines Smart-Home-Systems.

Vor diesem Hintergrund zeigt der Leiter des Bachelor-Studiengangs Industrial Design der Bergischen Universität in seinem Uni-Vortrag auf, welche Geräte den Alltag von morgen prägen, und welche Beziehung wir als Nutzer zu diesen Geräten haben werden. Die Veranstaltung findet wegen Fronleichnam ausnahmsweise am Mittwoch, 15. Juni, um 19 Uhr in der Klosterkirche in Remscheid-Lennep statt. „Ich will mit den Besucherinnen und Besuchern über die Zukunft reden“, kündigt Hemmert an. Ein Ansatz ist dabei seine Erkenntnis: „Die Technik wird immer komplizierter, wir aber nicht unbedingt schlauer.“

Referent stellt Projekte des Studiengangs vor

Zu verhindern, dass die Menschen resignieren, weil sie sich von der Technik überfordert oder gar beherrscht fühlen, sei eine vorrangige Aufgabe seiner Branche.

Wie das möglich ist, schildert Hemmert in seinem inspirierenden Vortrag anhand von Projekten des Studiengangs. So soll das „Bolle“ genannte Projekt der Studentin Ute Peppersack zeigen, wie Produktdesign Menschen zueinanderfinden lässt. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam zu kochen, hat sie eine mobile Küche entwickelt, die sich einfach an verschiedene Nutzungssituationen – als Handwagen, Kochstelle oder Esstisch – anpassen lässt. „Die Baupläne liegen als Open-Source-Dateien vor, so dass jeder Schreiner mit einer marktüblichen CNC-Fräse die Küche nachbauen kann“, weiß Professor Hemmert..

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„Wenn Technik gut gestaltet ist, kann sie uns auch helfen, mit uns selbst in Kontakt zu treten“, berichtet der Experte für Interface- und User-Experience-Design. Als Beispiel führt er das durch das Katholische Bildungswerk Bonn geförderte Projekt „Mensch-Gott-Schnittstellen“ an. Hier stellten sich Studierende der Bergischen Universität die Frage, wie kirchliche Rituale wie Fasten oder Beichten in Alltagsobjekte überführt werden können. Eine Antwort ist die von den Studierenden Maximilian Klaiß und Thanh Ta Duy geschaffene „Candle of Sins“. Für jede sogenannte Sünde werfen Gemeindemitglieder ein Wachspellet in einen zylinderförmigen Behälter in der Kirche. Die daraus im Laufe der Zeit entstandene Kerze wird anschließend in der Gemeinschaft entzündet.

Teil von Hemmerts Multimedia-Präsentation in Lennep ist auch ein Kurzfilm, den Industrial-Designer-Studierende produziert haben. „Diese dystopische Zukunftsvision zeigt, was droht, wenn unser Zusammenleben ausschließlich von Algorithmen bestimmt wird“, kündigt der Professor an, „etwa wenn es im Supermarkt personalisierte Preise gibt.“

Vortrag soll Interesse für Studiengang wecken

Als Zielgruppe seines Vortrags nennt Fabian Hemmert „alle, die sich für das Verhältnis von Mensch und Technik interessieren“. In der anschließenden Diskussion freut er sich auf konstruktiv-kritische Fragen.

Darüber hinaus möchte er das Interesse für den Bachelor-Studiengang Industrial Design wecken. Das im Studiengang bearbeitete Themenspektrum ist breit: Gestaltet wurden hier unter anderem eine Uhr für Demenzkranke, ein Mini-Computer und ein Mikroskop für Schulen sowie eine intelligente Jacke für Radfahrer, deren Ärmel beim Abbiegen blinken. Außerdem empfiehlt er den im Studiengang entwickelten Chatbot Creactivities (www.creactiviti.es), als Kreativtraining für Schüler sowie den auf allen gängigen Portalen erhältlichen Podcast „Zukunft gestalten“.

Weitere Informationen zum Studiengang gibt es unter www.uwid.de

Uni-Vortrag

Thema: „Design und Innovation – Wie werden wir in Zukunft leben?“

Referent: Prof. Dr.-Ing. Fabian Hemmert ist seit 2016 Professor für Interface- und User Experience-Design an der Bergischen Universität und seit 2018 Leiter der Studiengänge Industrial Design (B.A.) und Strategische Produkt- und Innovationsentwicklung“ (M.A.). Der gebürtige Gütersloher ist 40 Jahre alt und lebt mit Frau und Tochter (4) in Langenfeld.

Termin: Mittwoch, 15. Juni, 19 Uhr, Klosterkirche Remscheid-Lennep, Klostergasse 8, Parkhaus Hardtstraße. Der Eintritt ist frei. Um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird gebeten.

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