Beratung

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt

Alexandra Krüger (46) ist Systemische Therapeutin und Diplom-Sozialpädagogin. In ihrer Praxis „WirkungsWechsel“ am Johann-Vaillant-Platz berät sie Paare, die kinderlos bleiben. Sie versucht, mit ihnen die existenzielle Krise aufzuarbeiten. Nicht selten geht es dabei emotional zu. Foto: Roland Keusch
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Alexandra Krüger (46) ist Systemische Therapeutin und Diplom-Sozialpädagogin. In ihrer Praxis „WirkungsWechsel“ am Johann-Vaillant-Platz berät sie Paare, die kinderlos bleiben. Sie versucht, mit ihnen die existenzielle Krise aufzuarbeiten. Nicht selten geht es dabei emotional zu.
  • Melissa Wienzek
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Die Systemische Therapeutin Alexandra Krüger berät Paare, die kinderlos bleiben. Sie will mit Mythen rund um das Tabuthema aufräumen.

Remscheid. Auch nach einem Jahr intensiver Bemühungen zeigt der Schwangerschaftstest immer noch „negativ“ an. Der Wunsch vom eigenen Nachwuchs bleibt nur ein Wunsch – das zehrt an den Nerven eines Paares. „Vor allem, wenn dann noch kluge Ratschläge von außen kommen wie ,Fahrt doch mal in den Urlaub, entspannt euch mal‘“, sagt Alexandra Krüger (46). Die Systemische Therapeutin weiß, wovon sie spricht. Sie berät in ihrer Praxis „WirkungsWechsel“ im Südbezirk Paare in einer existenziellen Lebenskrise – nicht selten geht es dabei emotional hoch her. Und immer noch ist das Thema unerfüllter Kinderwunsch ein Tabuthema, sagt Alexandra Krüger.

Dabei ist laut dem Bundesfamilienministerium fast jedes zehnte Paar in Deutschland zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. 500.000 Deutsche bleiben ohne Nachwuchs, obwohl sie es seit mindestens einem Jahr versuchen. Oder anders ausgedrückt: 30 Prozent der Frauen und Männer betrifft dies.

Der erste Gang erfolgt zum Gynäkologen. In Remscheid gibt es zudem das Bergische Kinderwunschzentrum von Dr. med. Johannes Luckhaus an der Elberfelder Straße. 138 solcher Zentren sind im deutschen In-vitro-Fertilisations-Register organisiert. 113 von ihnen merkten in Coronazeiten einen deutlichen Anstieg: 2020 wurden dort mehr als 108.000 Behandlungen begonnen, das sind 9000 mehr als 2019. „Das ist durchaus ein Thema“, sagt Krüger. „Paare sind in der Pandemie viel zusammen zu Hause und haben mehr Zeit, sich um die Familienplanung zu kümmern.“

Alexandra Krüger ergänzt die klassische Reproduktionsmedizin um den beraterischen Ansatz. Denn oft gingen mit solch einer Behandlung beim Gynäkologen viele Sorgen, Ängste und Fragen einher. „Leider ist dieses Beratungsangebot vielen noch zu wenig bekannt. Viele Paare informieren sich aus Anonymitätsgründen auf Facebook, Instagram und in Blogs – doch das ist nicht immer seriös.“ Ihr Tipp: Kinderlose Paare, die Beratung wünschten, sollten sich im Informationsportal der Deutschen Gesellschaft für Kinderwunschberatung (BKID) informieren. Hier ist auch sie gelistet.

Männer wollen der Fels in der Brandung sein.

Alexandra Krüger, Therapeutin

Denn die Therapeuten haben nicht nur eine psychosoziale Grundausbildung absolviert, sondern auch eine vertiefende Aus- sowie ständige Fortbildungen. Daneben gibt es zudem die kostenlosen Beratungen von pro familia oder dem Diakonischen Werk. „Natürlich wird man nicht durch die Beratung schwanger“, sagt Alexandra Krüger. „Aber sie hilft in einer schwierigen Lebenssituation, in der die Gefühle Achterbahn fahren.“ Gerade begleitend zu einer reproduktionsmedizinischen Behandlung sei das hilfreich. Denn nicht selten steht plötzlich die ganze Lebensplanung auf dem Kopf.

Wie hilft die 46-Jährige den Betroffenen weiter? „Beim unerfüllten Kinderwunsch geht es um Machtlosigkeit. Man kann noch so viel tun – man hat es schließlich nicht in der Hand. Daher legen wir bei mir in der Beratung den Fokus auf die Stärken.“ Um daraus neue Kraft zu schöpfen. Für die Gesellschaft sei eine Ehe oder eine feste Beziehung heute immer noch fest mit Nachwuchs verbunden – der Druck auf Männer und Frauen ist hoch. Kinderlose seien ständiger Stigmatisierung ausgesetzt. „Es gibt jedoch auch einen Plan B. Die Frage ist: Was macht mir Spaß? Woraus ziehe ich meine Lebensenergie? Bei Paaren versuche ich immer, das Gemeinsame herauszuarbeiten“, sagt die Systemische Therapeutin. Bei dem einen sei es die Musik, andere kochten oder reisten gerne. Glücklich sein – das kann viele Gesichter haben. Krügers Tipp: Wenn es nach einem halben Jahr noch nicht geklappt hat, Hilfe suchen. Ab 25 nimmt die Fertilität bei Frauen übrigens bereits ab, ab 35 wird es noch mal schwieriger.

Die 46-Jährige, die selbst Mutter eines Kindes ist und mit einer halben Stelle in einer Schwangerenberatungsstelle arbeitet, will mit Mythen rund um das Thema aufräumen. „Es stimmt einfach nicht, dass man wegen Stress kinderlos bleibt oder eine Fehlgeburt erleidet.“ Es seien körperliche Prozesse, die dabei abliefen.

Das Problem der Kinderlosigkeit werde zudem immer noch allein den Frauen zugeschrieben. Männer sollten frühzeitig mit in medizinische Untersuchung und Beratung einsteigen. „Männer wollen ihre Partnerinnen eher unterstützen, nicht mit ihren Gefühlen belasten, auf Dauer dürfen sie aber auch andere Stärken von sich einbringen“, sagt Krüger. Denn Männer wollten stets der Fels in der Brandung sein.

Kontakt / Kinderwunschzentrum

WirkungsWechsel: Alexandra Krüger, Systemische Therapeutin und Diplom-Sozialpädagogin, Lenneper Straße 6, Tel. 5 89 51 12; info@wirkunsgswechsel.net
wirkungswechsel.net

Bergisches Kinderwunschzentrum: Gynäkologe Dr. med. Johannes Luckhaus bietet in der Elberfelder Straße 29 Hormondiagnostik, Zyklusoptimierung, In-Vitro-Fertilisation und mehr an. Kontakt: Tel. 7 91 92-0; mail@kinderwunsch-remscheid.de
kinderwunsch-remscheid.de

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