Etwa 30 Anfragen gab es bisher

Wenig Interesse an Hochwasser-Beratung

Das Hochwasser vom 14. und 15. Juli hat nicht für einen Ansturm auf die Starkregen-Stelle der Stadt gesorgt. Die versucht seit vielen Jahren Immobilienbesitzer für das Thema zu sensibilisieren. Foto: Michael Schütz
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Das Hochwasser vom 14. und 15. Juli hat nicht für einen Ansturm auf die Starkregen-Stelle der Stadt gesorgt. Die versucht seit vielen Jahren Immobilienbesitzer für das Thema zu sensibilisieren.

Die Remscheider Stadtverwaltung unterhält eine eigene Starkregen-Stelle.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Marc Riehmer hat derzeit alle Hände voll zu tun. Aber noch nicht so viel, wie man vielleicht erwarten würde. Der Mitarbeiter des städtischen Umweltamtes kümmert sich um das Thema Starkregen und dient dabei auch als Ansprechpartner für Hausbesitzer. Doch deren Interesse an seiner Arbeit, berichtet Riehmer, sei offenbar trotz des Hochwassers vor zweieinhalb Wochen nicht allzu groß: „Der Ansturm hält sich erstaunlicherweise sehr in Grenzen.“ 30 bis 40 Anfragen habe es seither etwa gegeben, überwiegend von Geschädigten, bei denen ein Rückstau im Kanal für nasse Keller gesorgt hat: „Einige waren erstaunt, dass auf einmal das Wasser da war.“

Dass sich die Remscheider Stadtverwaltung mit einem eigenen Ansprechpartner und auch einer eigenen Unterseite des städtischen Internetangebots dem Thema Starkregen angenommen hat, ist keine Reaktion auf die Überschwemmung von 14. und 15. Juli. „Das machen wir locker schon seit sechs oder sieben Jahren“, sagt Marc Riehmer – und erinnert daran, dass es auch früher schon Starkregen in Remscheid gab: „2007 ist sicherlich vielen in Erinnerung geblieben, da ist im Morsbachtal sehr viel kaputt gegangen.“

Ziel dieser Arbeit sei es, die Immobilienbesitzer zu sensibilisieren: „Das ist für uns das Wichtigste, dass sich jeder Objektbesitzer mal mit dem Thema beschäftigt.“ Im besten Fall noch bevor er betroffen ist. Das habe man auch in der Vergangenheit immer mal wieder versucht, so Riehmer. Bisher mit überschaubarem Erfolg. „Vor einigen Jahren haben wir mit den Grundabgabenbescheiden Flyer verschickt, der Rücklauf war gering.“ Gleiches gelte für den Starkregen-Hinweis, der seit geraumer Zeit zu jedem Bauantrag gegeben werde.

Selbst Betroffene würden das Thema teils nicht weiter verfolgen, haben Riehmer und seine Kollegen beobachtet: „Wir sprechen da schon von einer Hochwasseramnesie. Die Leute nehmen sich vor, etwas zu unternehmen, aber dann kommt der Urlaub oder das neue Auto dazwischen.“

Dabei sei der Aufwand oft gar nicht so groß, sagt Marc Riehmer. Für die Begutachtung brauche man kein Ingenieurbüro. „Da reicht meist schon der Gala-Bauer.“ Vieles könne man gar mit ein wenig technischen Verstand selber sehen.

Sind die Schwachstellen erkannt, helfen meist bauliche Lösungen. „Liegt das Kellerfenster zum Hang, kann man mal überlegen, ob man das wirklich braucht oder ob man es zumauern kann“, nennt Marc Riehmer ein Beispiel. Alternativ gebe es auch hochwassersichere Fenster und Türen. Und gegen den Rückstau im Kanal helfen Rückstauklappen.

Um die Ausführung der Arbeiten muss sich der Immobilienbesitzer allerdings selber kümmern. „Wir dürfen keine Unternehmen empfehlen“, erklärt Marc Riehmer. „Wir verweisen dann meistens auf die Verbraucherzentrale oder die IHK, die führen Listen entsprechender Firmen.“

Die Starkregen-Unterseite des städtischen Internetangebots ist inzwischen ebenfalls recht umfangreich geworden (| Kasten). Neben verschiedenen Faltblättern, Handlungsempfehlungen und Checklisten zum Download findet sich hier auch ein Link zur „Vorsorgekarte Starkregen“ im Geoportal der Stadt. Dort sind zum Beispiel alle Senken eingezeichnet, in den sich das Wasser bei Starkregen potenziell sammeln könnte.

Marc Riehmer hofft, dass die „Hochwasseramnesie“ diesmal ausbleibt, immerhin war die Überflutung vor zweieinhalb Wochen die stärkste seit vielen Jahrzehnten. Er und seine Kollegen würden sich über mehr Anfragen weder wundern noch ärgern, versichert er: „Selbst wenn wir dann mehr Arbeit haben.“

Hintergrund

Zur Starkregen-Unterseite im städtischen Internetangebot kommt man von der Startseite aus unter den Menüpunkten

Leben in Remscheid -> Umwelt & Natur -> Umweltschutz -> Energie & Klima -> Starkregenereignisse. Dort finden sich auch Handlungsempfehlungen für Kitas und Senioreneinrichtungen. Telefonisch erreichbar ist Marc Riehmer unter Tel. (02191) 16 36 01, sein Kollege Tobias Vogeleit unter Tel. (02191) 16 36 31.

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