22. Weltkrebstag

„Bitte warten“ gilt nicht für Krebspatienten

Seit drei Jahren mit ihrer onkologischen Tagesklinik in der Alleestraße 70: Dr. Matthias und seine Frau Neda Klee. Foto: Victoria Klee
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Seit drei Jahren mit ihrer onkologischen Tagesklinik in der Alleestraße 70: Dr. Matthias und seine Frau Neda Klee.

In der onkologischen Tagesklinik von Dr. Matthias Klee und Neda Klee wurde in den zwei Jahren Pandemie alles getan, um die geschätzten 3000 bis 4000 Krebserkrankten in Remscheid optimal weiter zu betreuen. Damit setzen sie in der Pandemie auf die richtige Strategie.

Von Andreas Weber

Remscheid. Am Freitag findet der 22. Weltkrebstag statt. Die Deutsche Krebshilfe (DKH) gibt als Motto „Versorgungslücken schließen“ aus. Noch haben nicht alle Betroffenen bundesweit den gleichen Zugang zu einer optimalen onkologischen Versorgung, stellt die DKH besorgt fest. In der onkologischen Tagesklinik von Dr. Matthias Klee und Neda Klee wurde in den zwei Jahren Pandemie alles getan, um die geschätzten 3000 bis 4000 Krebserkrankten in Remscheid optimal weiter zu betreuen. Vorsorge, Diagnose, Therapie der Patienten unterbrechen, kam für das Fachärzte-Ehepaar nicht in Frage.

„Für uns gab es nur Plan A. Wir haben goldrichtig damit gelegen, Behandlungen aufgrund von Covid-19 nicht zu verschieben.“ Ein trauriges Schicksal geht den niedergelassenen Medizinern dabei nicht aus dem Kopf. Im März 2020 hätte eine junge Patientin ihren Nachsorgetermin in der Praxis gehabt, ließ diesen verstreichen und meldete sich erst Monate später. „Sie hatte Angst und gedacht, wir hätten geschlossen.“ Die Monate fehlten ihr am Ende. „Der Absprung Richtung Heilung war nicht mehr möglich, als sie mit Verspätung zu uns kam.“ Die Frau starb wenig später. Ihr Tod führte den Klees noch einmal vor Augen: „Krebstherapie duldet keinen Aufschub.“

Diese Folgen hat die Corona-Pandemie für viele Krebskranke

Gerade 2020 nach dem weltweiten Corona-Ausbruch seien viele Krebskranke verunsichert gewesen. Stay safe – bleib Zuhause, wurde ihnen eingetrichtert. Eine Aufforderung, die bei stark Immungeschwächten zunächst einmal nicht verkehrt ist. Die Nachteile der Kontaktbeschränkung deckte jedoch unlängst ein TV-Beitrag von Arte auf: „Bitte warten! Krebskranke im Schatten der Pandemie“.

Studie: Frühe Krebs-Diagnose steigert die Heilungschanchen

Weniger Früherkennungen und weniger Tumor-OPs seien in Deutschland in den ersten beiden Corona-Wellen durchgeführt worden, oft mit fatalen Folgen. Auch diese TV-Recherche bestätigte Matthias und Neda Klee im Nachhinein, im Sinne der Patienten entschieden zu haben. Auf ihren beiden Etagen in der Alleestraße 70 fiel ihnen dies nicht schwer. Denn die Tagesklinik mit 500 Quadratmetern bietet genug Platz, mit dem zehnköpfigen Stammpersonal Abstände bei der Betreuung der Patienten einzuhalten.

Es gab nur Plan A. Krebstherapie duldet keinen Aufschub.

Dr. Matthias und Neda Klee

Außerdem hatten sich die Onkologen dafür eingesetzt, ihre Patienten Anfang 2021 frühzeitig zu impfen, obwohl sie nicht in der höchsten Prioritätsstufe waren. Ebenso wurde die Palliativmedizin in ihrer Praxis aufrecht erhalten. Neben der Hämatologie (gut- und bösartige Erkrankungen des Blutes und bösartige Erkrankungen der Lymphknoten), Onkologie (Tumor- und Krebserkrankungen) und Innerer Medizin zählt auch die Begleitung unheilbar Erkrankter zu ihrem Angebot.

Stets gab es in der Pandemie die Möglichkeit, eine Begleitperson als seelischen Beistand mitzubringen. Vorbildlich sei die Zusammenarbeit mit den benachbarten Krankenhäusern gewesen. Fälle, wo dringende Operationen aufgrund mangelnder Kapazitäten in den Kliniken verlegt werden mussten, sind den Klees nicht bekannt. „Überweisungen haben gut und zeitnah geklappt.“

Krebsberatung ist für die Patienten in Remscheid da.

Das Ehepaar stammt aus Niedersachsen (Oldenburg/Diepholz), kam 2002 nach Remscheid zum MVZ am Rosenhügel. „95 Prozent der Krebsbehandlungen können ambulant durchgeführt werden“, erklären die Klees. „Damals gab es noch keine niedergelassenen Onkologen in Remscheid“, sagt Dr. Matthias Klee. Krebskranke in Tageskliniken behandeln zu lassen, wurde in den 90er-Jahren möglich, als Medikamente zur Bekämpfung der Übelkeit auf den Markt kamen. „Das öffnete für uns das Tor“, denken die Klees zurück.

Bei der Krebs- und Corona-Bekämpfung gibt es im Übrigen Überschneidungen. Denn die mRNA-Impfstoffe gelten nicht nur als beste Waffe gegen Corona, sie sollen in Zukunft Schutz vor Krebs bieten. Die neuartige mRNA-Technologie stammt eigentlich aus der Krebsforschung, wurde dort aber aufgrund fehlender Investitionen noch nicht so schnell vorangetrieben. Dr. Matthias Klee ist sich sicher: „Es wird auch bald gegen Krebs einen Impfstoff geben, der vor einem tödlichen Verlauf schützt.“

Hintergrund

Daten: Die Deutsche Krebshilfe geht davon aus, dass in Deutschland vier Millionen Menschen mit der Krankheit leben, 510.000 jedes Jahr neu an Krebs erkranken. 40 Prozent aller Krebsfälle könnten durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden.

Facharzt: Neben Dr. Matthias und Neda Klee arbeitet in der Tagesklinik als dritter Facharzt Professor Dr. Artur Wehmeier, von 1998 bis 2021 Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Mehphrologie am hiesigen Sana-Klinikum.

www.onkologie-tagesklinik.de

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