Tag für Frauenbewegung und Frauenrechtler

Weltfrauentag: Pandemie schränkt Karrierechancen der Frauen ein

Frauenhaus-Leiterin Karin Heier über die Folgen der Pandemie. Foto: Roland Keusch
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Frauenhaus-Leiterin Karin Heier über die Folgen der Pandemie.

Homeoffice und Kontaktbeschränkungen stellen Frauen vor große Herausforderungen.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Jedes Jahr ist der 8. März ein bedeutsamer Tag für Frauenbewegung und Frauenrechtler. Denn an diesem Tag wird weltweit der Internationale Frauentag begangen. Aber nicht in jedem Jahr sehen sich Frauen vor die Herausforderungen einer Pandemie gestellt.

„Viele Frauen haben zurzeit eine Doppelbelastung zu tragen“, erklärt Christel Steylaers, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Remscheid. Denn Homeoffice und Homeschooling müssten parallel funktionieren. „Viele Frauen verzichten deswegen darauf, arbeiten zu gehen, oder arbeiten bis spät in die Nacht, denn die Kinder wollen zu Hause bespaßt werden.“ In der Krise verliere zwar jeder, man müsse aber sehen, wer aktuell die meisten Lasten zu tragen habe.

Denn gerade in den systemrelevanten Berufen – Kranken- und Altenpfleger, Verkäufer, Erzieher oder medizinische Fachangestellte – arbeiten oft Frauen. „Es sind die so genannten Frauenberufe, die in Deutschland schlecht bezahlt und häufig unter schwierigen Arbeitsbedingungen erledigt werden müssen. Daraus ergibt sich, dass diese gesellschaftlich notwendige Arbeit neu bewertet werden muss“, berichtet Martina Völker als Vertreterin der Gleichstellungsstelle Wuppertal, Träger des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck.

Auch würden oft Frauen in Teilzeit oder in Berufen arbeiten, die zurzeit von Kurzarbeit betroffen sind, berichtet Christel Steylaers, Minijobberinnen hätten keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld: „Wer vorher schon wenig Geld hatte, verliert seine Existenzsicherung“. Die Pandemie stelle die Frauen aber noch vor eine ganz andere Problematik: „Wer im Homeoffice arbeitet und am Arbeitsplatz nicht präsent ist, wird nicht gesehen – die Arbeitsleistung wird nicht gesehen.“ Wer nach der Pandemie nicht aus dem Homeoffice komme, habe möglicherweise Karriereeinschränkungen zu befürchten. Zudem würden Frauen eine Retraditionalisierung erfahren: „Die Frau wird in die Familienrolle zurückgeworfen“, so Steylaers.

Soziale Kontrolle hat abgenommen – Gewalt zugenommen

Aber nicht nur beruflich sind Frauen vor Probleme gestellt. „Alle Formen der Gewalt haben zugenommen“, sagt Steylaers. Das bestätigt Karin Heier, Leiterin des Remscheider Frauenhauses mit Blick auf eine von der Technischen Universität München durchgeführte Studie zum Thema „Häusliche Gewalt in der Corona-Pandemie“. Demnach wurden rund 3 Prozent der Frauen in Deutschland in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt, 3,6 Prozent wurden von ihrem Partner vergewaltigt. In 6,5 Prozent aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft. Gründe seien finanzielle Schwierigkeiten, Leben auf engem Raum und Arbeitslosigkeit, so Heier.

Auch habe die soziale Kontrolle durch Freunde und Familie abgenommen. „Im ersten Lockdown sind die Anfragen an das Frauenhaus zurückgegangen. Die Frauen sind nicht dazu gekommen, sich zu melden, weil Partner unter anderem die digitalen Medien kontrollieren“, erklärt Heier. Unter Kontrolle stehend könnten sie nicht zur Polizei gehen. Nach dem Lockdown habe es einen „Run auf das Frauenhaus gegeben, das Telefon ging pausenlos“.

Durch Homeschooling seien die Frauen, die in dem Frauenhaus Schutz suchen, in ihrer Handlungsfähigkeit begrenzt. „Wenn die Kinder untergebracht sind, sind sie viel flexibler“, weiß Karin Heier. Auch die Corona-Kontaktbeschränkungen seien für die Entwicklung der Frauen nicht förderlich. „Sie sind gerade der Gewalt entflohen, unterliegen aber wieder neuen Reglements.“ In ihrer Krise seien die Frauen auf sich selbst zurückgeworfen. In dieser Situation bräuchten sie Freunde an ihrer Seite, die sie zurzeit aber nicht treffen dürfen. Die Auswirkungen der Pandemie würde sich erst zeitverzögert in einigen Jahren zeigen.

Überblich: Gleichstellung von Frauen zeigt Lücken

Seit vielen Jahren haben Frauen und Männer in Deutschland die gleichen Rechte, doch die Gleichstellung hinkt in vielen Fällen hinterher. Gerade wirtschaftlich und gesellschaftlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zum Weltfrauentag hat die Stadt Remscheid einige Zahlen veröffentlicht: Das Lebenseinkommen von Frauen liegt 49 Prozent unter dem der Männer, es gibt eine Lücke beim Entgelt (aktuell 19 Prozent). Frauen verbringen 52 Prozent mehr Zeit mit Kinderbetreuung, Haushaltspflege und der Pflege von Angehörigen als Männer. Die durchschnittliche Frauenaltersrente liegt in Deutschland bei 711 Euro und somit 38 Prozent niedriger als Renten von Männern. In den Parlamenten und Kommunalparlamenten sind Frauen meist nur zu etwa einem Drittel vertreten. Der aktuelle Frauenanteil im Remscheider Rat beträgt 31,1 Prozent. 81 Prozent aller Opfer von häuslicher Gewalt sind Frauen. Das Remscheider Frauenforum 2.0 ist ein loser Zusammenschluss von interessierten Frauen. Frauen, die Interesse an einer Mitarbeit haben, können sich melden unter frauenbuero@remscheid.de -axd-

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