Ehemaliger Conifa-Funktionär

Weltenbummler Jens Jockel lässt sich vom Fußball in Tansania inspirieren

Fußball in Dar es Salaam/Tansania: Das Spitzenteam Simba SC tritt in einem torlosen Freundschaftsspiel Ende Januar gegen TP Mazembe (Kongo) an. „Ein Supererlebnis“, sagt Zuschauer Jens Jockel rückblickend. Schutz und Abstand der Fans in Pandemiezeiten? Kein Thema, denn der im März verstorbene Staatspräsident John Magufuli war ein Corona-Leugner. Foto: Jens Jockel
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Fußball in Dar es Salaam/Tansania: Das Spitzenteam Simba SC tritt in einem torlosen Freundschaftsspiel Ende Januar gegen TP Mazembe (Kongo) an. „Ein Supererlebnis“, sagt Zuschauer Jens Jockel rückblickend. Schutz und Abstand der Fans in Pandemiezeiten? Kein Thema, denn der im März verstorbene Staatspräsident John Magufuli war ein Corona-Leugner.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Ehemaliger Conifa-Funktionär hat mit vier Mitstreitern eine Agentur gegründet – Lenneper ist auf Jobsuche.

Remscheid. Im Sommer 2019 kehrte Jens Jockel als Präsidiumsmitglied der Conifa, dem Weltverband der nicht in der FIFA organisierten Staaten, von einer umjubelten EM zurück. In der Republik Arzach im Südkaukasus hatte der Lenneper erlebt, welche Kraft und Begeisterung internationaler Austausch unter Fußball-Zwergen auslösen kann. Als sich Jockel kurz danach mit dem RGA im Rotationscafé bei einem Cappuccino zum Austausch traf, glaubte er an bessere Zeiten für die in der Milliarden-Maschinerie des Fußballs wenig beachtete Konföderation der unabhängigen Verbände.

Die Conifa (Confederation of Independent Football Associations) eint Staaten und Volksgruppen ohne internationale Anerkennung, Mikronationen, isolierte Regionen, ethnische und religiöse Minderheiten sowie indigene Völker. Die nächste WM der Conifa sollte 2020 erst in Somaliland stattfinden, wurde dann nach Skopje in Nordmazedonien verlegt. Die Pandemie durchkreuzte die Pläne. Deren spätere Umsetzung begleitet Jens Jockel nicht mehr aktiv mit.

Der 31-jährige Remscheider hat kennengelernt, dass Richtungskämpfe nicht nur die allmächtige FIFA prägen. Anfang 2020 sei es auf dem Annual Meeting der Conifa auf der Kanalinsel Jersey zum Eklat gekommen, schildert Jockel, der zu dem Zeitpunkt im Vorstand den asiatischen Kontinent betreute. Es ging um einen Kurswechsel im Verband, der finanziell potentere Kandidaten bevorzugen sollte.

Beim „Simba-Cup“: Besucher Jens Jockel.

Generalsekretär Sascha Düerkop, ein Rheinländer, verließ mit einem Teil seiner Unterstützer im April vergangenen Jahres die angeschlagene Conifa. Darunter auch Jens Jockel. Bereut hat er seinen Austritt nicht. „Es war die richtige Entscheidung. Die Conifa liegt in Trümmern. Viele Länder und Teams haben sich verabschiedet.“ Knapp 20 haben sich einem neuen Verband angeschlossen, der sich Wufa (World Unity Football Alliance) nennt. Das hehre Anliegen, Menschen, Ländern und Völkern auf dem Fußballplatz abseits des Big Business vernünftige Strukturen zu geben, beflügelt diese Spaltung nicht.

Jens Jockel schließt nicht aus, dass er später mit der im Aufbau begriffenen Wufa zusammenarbeitet, deren handelnde Personen ihm vertraut sind, tendiert aber mit vier Mitstreitern in eine unabhängigere Richtung. Er ist Mitgründer der Midfield Generals, deren erstes Lebenszeichen sich momentan, Corona geschuldet, auf einen professionellen Internetauftritt beschränkt. „Wir haben Schnittmengen mit der Conifa, sehen uns aber als Fußball-Agentur und Berater. Bei uns gibt es keine Vereinsmeierei.“ Die Mittelfeld-Regisseure bestehen neben Jens Jockel aus Sascha Düerkop, Oscar Mussons, Paul Watson und Noah Wheelock. Allesamt Fußball-Verrückte mit einer romantischen Ader, die dem Spiel an entlegenen Orten der Welt auf die Sprünge helfen wollen.

Wer nachlesen will, welcher Spirit sie antreibt, der muss zu Paul Watsons äußerst unterhaltsamem Buch „Up Pohnpei“ greifen, in dem der Brite schildert, wie er als unbeleckter Jung-Trainer auf einer einsamen Pazifikinsel das Nationalteam von Pohnpei (Mikronesien) zu seinem ersten Länderspiel in Guam führte.

Die Midfield Generals wollen nach ersten Überlegungen 2022 den Austronesian Cup auf den Weg bringen, der dem hawaiianischen Fußball als Gastgeber eine internationale Bühne bescheren soll. „Wir haben viele Visionen, aber aktuell ist einfach alles, schwierig zu planen“, räumt Jens Jockel ein.

Ein Beispiel wäre die jesidische Gemeinde in Deutschland. Viele Jesiden kamen erstmals in den 1960er Jahren im Rahmen der Anwerbung türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland. „Sie wollen fußballerisch internationale Kontakte gründen und Freundschaftsspiele planen. Dabei können wir als Midfield Generals helfen.“

„Die Conifa liegt in Trümmern. Viele Länder und Teams haben sich verabschiedet.“

Jens Jockel, Midfield Generals

Jens Jockel, der einen Studienabschluss in Fußballmanagement besitzt, sich in Spielanalyse und Scouting weiterbildete und gerne einen Trainerschein machen möchte, muss schauen, dass er mit über 30 Jahren beruflich ankommt. Die Conifa öffnete ihm Türen, durch die Welt zu reisen, seinen Lebensunterhalt konnte er mit dem Verbandsposten nicht bestreiten. Um Kontakte und Portfolio zu erweitern, war Jens Jockel Anfang des Jahres zwei Monate in Tansania. Er lernte die dortigen Spitzenclubs Simba SC, Young Africans FC und Azam FC kennen, streckte seine Fühler aus.

„Den tansanischen Vereinsfußball kann man durchaus in der Top 10 Afrikas ansiedeln“, meint Jockel, der, wenn daheim, noch in der elterlichen Wohnung in Lennep lebt. In Tansania später als Spielanalyst, Scout oder Sportdirektor zu arbeiten, könnte er sich vorstellen, tendiert aber mehr dazu, in Europa in dieser Richtung Fuß zu fassen. Der Balkan würde ihn reizen. „Ich halte mir da alle Optionen offen. Ich werde in Ruhe Gespräche führen und dabei auf meine Intuition vertrauen.“

Midfield Generals

Das Portfolio, das die Midfield Generals für Fußballer abdecken, sieht neben Presse- und PR-Arbeit, Begleitung in der Nutzung sozialer Medien, Webseiten-Erstellung, Event- und Turniermanagement, Team -Analyse sowie Unterstützung bei Menschenrechtsfragen vor. Mehr auf der Internetseite

www.midfieldgenerals.com

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