Bald 1000 Menschen aus der Ukraine

Weitere Sammelunterkunft: Geflüchtete könnten ins Kolleg ziehen

Bis zu den Sommerferien gaben sich im alten Kolleg Schüler die Klinke in die Hand. Nun könnte es zur Unterkunft werden.
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Bis zu den Sommerferien gaben sich im alten Kolleg Schüler die Klinke in die Hand. Nun könnte es zur Unterkunft werden.
  • Frank Michalczak
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In diesen Tagen erwartet die Stadtverwaltung den 1000. Geflüchteten aus der Ukraine, der seit Kriegsbeginn in Remscheid angekommen ist.

Remscheid. „Ihre Zahl wächst weiterhin stetig an - im Schnitt um 15 bis 20 pro Woche“, berichtet Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke, die mit ihrem Team vor der Herausforderung steht, ihnen allen ein Dach über den Kopf zu geben. Und so gibt es Überlegungen, eine zusätzliche Sammelunterkunft zu eröffnen.

„Denkbar wäre zum Beispiel, dafür das ehemalige Kolleg an der Stuttgarter Straße zu nutzen“, erklärt Barbara Reul-Nocke mit Blick auf Räumlichkeiten, die nach dem Umzug der Schule zum Hauptbahnhof verwaist sind.

Im Gegensatz zur Krise 2015, als Remscheid quasi über Nacht Hunderte Flüchtlinge aufnehmen musste, handele es sich nun auch um Spontanzuzüge von Menschen mit Bezug zur Region – etwa, weil hier ihre Angehörigen oder Freunde wohnen. Die Ukrainer sollen nach Möglichkeit schnell selbstständig in der neuen Umgebung Fuß fassen.
Dazu auch der Standpunkt von Frank Michalczak.

„Deswegen befinden wir uns permanent auf der Suche nach freien Wohnungen. 20 stehen aktuell auf unserer Liste, die aber noch hergerichtet werden müssen“, berichtet die Dezernentin. Auch die Gewag helfe, indem das Unternehmen mit Geflüchteten ohne Umweg über die Stadtverwaltung Mietverträge vereinbare.

„Wir befinden uns permanent auf der Suche nach freien Wohnungen.“

Rechtsdezernentin, Barbara Reul-Nocke

In der Zwischenzeit dient die Erstunterkunft Hölterfeld dazu, die Menschen nach ihrer Ankunft in Remscheid zu versorgen. „Hier bauen wir die Kapazitäten weiter aus“, erläutert Barbara Reul-Nocke. Neben der Turnhalle wird nun auch zunehmend das benachbarte Schulgebäude genutzt. Bis zu 150 Geflüchtete könnten somit in Hasten ein vorübergehendes Zuhause finden, ehe sie in eine eigene Wohnung umziehen. Aktuell leben hier 87.

Doch: Nicht nur aus der Ukraine finden Geflüchtete in Remscheid ein Obdach. Syrien, Irak, Somalia, Afghanistan und Belarus sind Herkunftsländer von 50 Menschen, die das Land Nordrhein-Westfalen zwischen Januar und Juli Remscheid zugewiesen hat.

Ihre Zahl nimmt zu: In der letzten Woche seien 14 Geflüchtete, die nicht aus der Ukraine stammen, in der Stadt angekommen. „Weitere 13 sind angekündigt“, berichtet der stellvertretende Fachdienstleiter der Ausländerbehörde Dietmar Murach. Auch sie müssen untergebracht werden, wofür Remscheid auf sechs Sammelunterkünfte zurückgreifen kann. „Aber für diese Geflüchteten gilt ebenso, dass sie möglichst schnell in Wohnungen umziehen sollen“, fügt Murach hinzu.

Das Bergische zeigt sich solidarisch mit der Ukraine - So können Sie helfen

Dabei plant die Stadtverwaltung, eine Unterkunft zu reaktivieren, die 2018 geschlossen wurde: Das Quartier am Talsperrenweg in Lennep soll wieder angemietet werden. „Problem ist, dass dieses Gebäude noch umgebaut werden muss, bevor wir es erneut nutzen können“, erklärt Dezernentin Reul-Nocke, die deshalb Alternativen prüft - zum Beispiel das Kolleg Wirtschaft und Verwaltung.

Aber selbst dieses Gebäude könne nicht ohne Weiteres umfunktioniert werden. „Unter anderem befinden sich hier ja noch jede Menge Möbel und sonstiges Schulinventar, das erst mal gesichtet werden muss.“

So käme bei einem steigenden Zuzug die Nutzung einer weiteren Turnhalle infrage. Diesen Schritt würde sie aber nur ungern gehen, betont Barbara Reul-Nocke. Denn die Unterbringung könnte sich insbesondere im Winter als problematisch erweisen. Für Hölterfeld gelte es jedenfalls, zusätzliche Betreuungsangebote zu schaffen, wenn der Sommer vorbei ist und gerade für die Kinder weniger Freizeitaktivitäten im Freien möglich sind.

Hier leben sie

989 Geflüchtete aus der Ukraine sind seit Kriegsbeginn bei der Stadtverwaltung registriert worden. 541 von ihnen leben in städtischen Unterkünften - davon 454 in Wohnungen und 87 in der Erstunterkunft Hölterfeld. Die Übrigen sind privat untergebracht: sei es bei Freunden und Verwandten oder in Wohnungen, für die sie selbst Mietverträge abgeschlossen haben, zum Beispiel bei der Gewag.

Standpunkt: Hinter Trennwänden

frank.michalczak@rga.de

Die Meinung von Frank Michalczak zur Situation von Ukraine-Flüchtlingen.

Es sind nun sechs Monate seit Kriegsbeginn in der Ukraine vergangen. Seither kamen nahezu 1000 Geflüchtete in Remscheid an, die vorübergehend oder dauerhaft ein neues Zuhause in unserer Stadt finden.

So wie bei der Krise 2015 ist es auch heute eine Herkulesaufgabe für die Stadtverwaltung, ihnen allen ein Dach über dem Kopf zu geben. Dabei darf die Unterbringung in einer Turnhalle oder einem Schulgebäude nur eine Notlösung bleiben.

Es sind vor allem die Kinder, die unter diesen Umständen zu leiden haben. Erst müssen sie ihre Heimat verlassen, von Verwandten und Freunden Abschied nehmen, dann finden sie sich in einer wildfremden Umgebung wieder, wo sie hinter Trennwänden übernachten müssen. Diese Schicksale darf die Stadtgesellschaft nicht vergessen – bei allen Alltagsproblemen und Zukunftsängsten, die längst auch Remscheid erfasst haben. Sechs Monate nach Kriegsbeginn.

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