Prozess

Weil er vorbeifuhr: 31-Jähriger prügelt auf anderen Autofahrer ein

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Der Angeklagte muss eine Geldstrafe zahlen. Damit folgen die Wuppertaler Richter im Berufungsprozess dem Urteil des Amtsgerichts in Remscheid.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Ein 31 Jahre alter Remscheider muss nach Schlägen im Straßenverkehr 4800 Euro Strafe zahlen und darf sechs Monate nicht fahren. Der Auslöser des Angriffs, der vor Zeugen stattfand, laut Urteil des Landgerichts: Ein Autofahrer war auf einer Wohnstraße vorbeigefahren, als der Angeklagte aus einer Ausfahrt herausrollen wollte. Die Wuppertaler Richter bestätigten das Urteil des Amtsgerichts Remscheid im Berufungsprozess. Der Vorsitzende kommentierte: „Wenn eine solche Nichtigkeit zu so einer Tat führt, dann fehlt es an grundsätzlicher Rücksicht.“

Der Angeklagte ist Montagehelfer, Familienvater und vorbestraft wegen Gewalt. Zusammengetroffen waren die Beteiligten im Sommer 2020 an der Zufahrt zu einem Parkplatz, der in einer Tempo-30-Zone liegt. Der Angeklagte wollte auf die Straße setzen. Seine Verlobte saß auf dem Beifahrersitz. Der andere Autofahrer befuhr die Straße, worauf ihn der Angeklagte so laut mit „Arschloch“ und „Verpiss Dich!“ beschimpfte, dass es ein neutraler Zeuge hörte. Der beschimpfte Autofahrer berichtete, er habe die Stimme gehört und angehalten; er habe befürchtet, er habe einen Zusammenstoß nicht bemerkt und wollte nachsehen.

Den Zeugen zufolge stieg der Angeklagte ebenfalls aus und rief „Komm her“. Im folgenden Gerangel habe er einen Faustschlag gesetzt und den Geschädigten in den Schwitzkasten genommen. Der befreite sich mit einem Schlag, darauf lief der Angeklagte zu einer Baustelle und ergriff eine Eisenstange. Seine Verlobte bezeugte im Gericht: „Ich hab’ gesagt: Leg’ die Stange weg.“ Der Geschädigte flüchtete mit seinem Auto in sichere Entfernung und rief die Polizei.

„Wenn eine solche Nichtigkeit zu so einer Tat führt, dann fehlt es an grundsätzlicher Rücksicht.“

Vorsitzender Richter

Im Gericht zeigten sich beide Seiten über große Teile des Ablaufs einig. Der Staatsanwalt stellte im Hinblick auf den Geschädigten klar: „Er ist nur vorbeigefahren. Er hat nichts falsch gemacht.“ Der Anwalt des 31-Jährigen wandte ein, der Geschädigte habe gespuckt; das sei als Angriff zu werten.

Dem folgte das Gericht nicht. Der Vorsitzende Richter erläuterte: „Wir glauben dem Geschädigten, der das ausgeschlossen hat und der in allem mit dem neutralen Zeugen übereinstimmt.“

Das Urteil ist noch angreifbar. Die Strafe entspricht dem Einkommen des Angeklagten von gut fünf Monaten.

Erst kürzlich hatte ein Remscheider eine Haftstrafe wegen einer Spuckattacke kassiert.

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