Weihnachtstreff am Rathaus

Weihnachtsmarkt: Historisches Karussell ist beliebt

Mehr als 50 Jahre alt ist das Holzkarussell – flott unterwegs ist es trotzdem.
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Mehr als 50 Jahre alt ist das Holzkarussell – flott unterwegs ist es trotzdem.

Das historische Kettenkarussell ist der heimliche Star des Weihnachtstreffs. 1966 wurde es gebaut und wird mit Salzwasser angetrieben.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Weihnachtstreff auf dem Rathausplatz hat erst seit wenigen Minuten geöffnet, da hört man schon die ersten Kinder jauchzen. Sie drehen ihre Runden auf dem historischen Kettenkarussell – und haben offensichtlich ihren Spaß dabei. „Es wird wirklich sehr gut angenommen“, sagt Schausteller Alexander Burghard. Die handbemalte Holzkonstruktion ist so etwas wie der energiesparende Ersatz für die Eisbahn und hat sich schon in den ersten Tagen des Marktes zu dessen heimlichen Star entwickelt.

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Und wie das für einen echten Star gehört, hat es mehr zu bieten als man auf den ersten Blick sieht. Eine spannende Geschichte. Und faszinierende Technik. Beides lernt auch Alexander Burghard gerade erst kennen, der das Karussell vor kurzem erworben hat und nun in Remscheid zum ersten Mal einsetzt. Deswegen wird das Fahrgeschäft vorerst auch nur von ihm persönlich betreut. „Ich brauche noch ein paar Tage, um alles herauszufinden“, sagt er. „Danach kann ich jemand daran anlernen.“

Remscheid: Historische Geschichte des Kettenkarussells

Gebaut wurde das Kettenkarussell 1966, soweit erkennbar ist es bis heute weitgehend im Originalzustand. Dazu gehört auch der Elektromotor, der es antreibt. Und vor allem der Salzwasser-Anlasser, mit dem es gesteuert wird. Anders als bei Benzinern steht bei E-Motoren immer sofort die volle Leistung zur Verfügung. Ohne Steuerung würde das Karussell also ruckartig loslegen und sofort mit voller Geschwindigkeit drehen. „Das wäre nicht gut für die Gäste. Und auch nicht für den Motor“, sagt Alexander Burghard.

Um das Karussell zu steuern senkt Alexander Burghard mit einem Hebel Metalzähne in eine Salzwasserlösung.

Also senkt er per Hebel drei Metalzähne langsam in eine leitende Salzlösung, je tiefer die ins Wasser eintauchen, desto mehr Strom kommt beim Motor an, desto schneller dreht das Karussell. Das sei früher eine durchaus verbreitete Technik gewesen, erklärt Burghard: „Mein Vater hatte eine Raupe, die wurde auch so gesteuert.“ Doch das System hat auch seine Tücken. „Die Mischung muss stimmen“, so der Schausteller. Zuviel oder zu wenig Salz im Wasser, schon läuft nichts mehr. Und die Mischung verändert sich über den Tag: „Das Wasser verdunstet, das Salz aber nicht.“

Burghard hat das Karussell vor wenigen Wochen von einer Schaustellerfamilie in Bayern gekauft. Und erst als es Ende Oktober bei ihm eintraf und er den – im übrigen handgeschriebenen – Kaufvertrag las, wurde ihm klar, dass es einen Salzwasser-Anlasser hat. „Ich habe denn erst mal meinen Vater angerufen“, berichtet er. Der und ein befreundeter Schausteller aus Recklinghausen hätten ihm geholfen, die Technik zu verstehen. Trotzdem sei nicht alles glatt gelaufen. Direkt am zweiten Tag des Wintertreffs, am Samstag, sei die Mischung daneben gegangen: „Ich musste sie ausschütten und neu ansetzen.“

Dass Alexander Burghard ein mehr als 50 Jahre altes Karussell statt eines neuen gekauft hat, habe mit dem Weihnachtstreff zu tun, sagt er: „Wir waren auf der Suche nach etwas Nostalgischem, das zu der Stimmung passt.“ Praktischer Nebeneffekt: Ein modernes Gerät aus Stahl und Alu wäre deutlich schwerer, was auf dem Rathausplatz derzeit ein Problem wäre.

Dafür muss er andere Macken in Kauf nehmen. Der Antriebsriemen aus Leder, der vom Motor aufs Karussell umlenkt, sei bereits gerissen, berichtet Burghard. Der Ersatz bestehet nun aus einem speziellen PVC, das sonst bei der Feuerwehr zum Einsatz kommt. Weil das Karussell in Bayern zwei Jahre eingelagert war, musste der Tüv neu gemacht werden. Und zudem lag das ganze Gerät auf einem Anhänger, der nur bis 25 Stundenkilometer zugelassen ist. „Wir haben es per Spezialspedition anliefern lassen“, berichtet Alexander Burghard, der nun einen neuen Auflieger kaufen möchte.

Und dann blieb noch das Problem mit dem Auf- und Abbau. Das Karussell wird zum Transport komplett zerlegt, eine Anleitung gibt es natürlich nicht. Also mussten die Männer des Weihnachtstreffs beim Aufbauen lernen, wie es geht. Eine Herausforderung, aber kein Problem für Leute vom Fach, sagt Burghard: „Wenn man Schausteller ist, kann man das.“

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Hintergrund

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Karusselle mit Muskelkraft angetrieben – bis Hugo Haase kam. Der „Karussellkönig“ aus Niedersachsen elektrifizierte seine Fahrgeschäfte ab etwa 1901, sein 1914 in Hamburg eröffneter Freizeitpark hatte sogar ein eigenes Elektrizitätswerk. Auch Haase setzte schon Salzwasser-Anlasser ein.

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